Cornelius a Lapide
Inhaltsverzeichnis
Synopsis des Kapitels VI
Alle Menschen, und besonders die Riesen, verderben sich durch Begierden und jedes Verbrechen; daher droht zweitens, bei Vers 7, Gott der Welt die Vernichtung durch eine Sintflut an, und folglich befiehlt er bei Vers 14 Noach, eine Arche zu bauen, in der er selbst wie auch Paare von Tieren jeder Art als Samen für die Nachwelt bewahrt werden sollen.
Hier endet das erste Weltalter und der erste Teil der Genesis, und der zweite beginnt, der von Noach und der Sintflut handelt und mit Abraham in Kapitel 12 schließt.
Vulgata-Text: Genesis 6,1-22
1. Und als die Menschen sich zu vermehren begannen auf Erden und Töchter gezeugt hatten, 2. sahen die Söhne Gottes die Töchter der Menschen, daß sie schön waren, und nahmen sich Frauen von allen, die sie erwählt hatten. 3. Und Gott sprach: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, denn er ist Fleisch; und seine Tage sollen hundertzwanzig Jahre sein. 4. Die Riesen aber waren auf der Erde in jenen Tagen; denn nachdem die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingegangen waren und jene geboren hatten, sind dies die Gewaltigen der Vorzeit, berühmte Männer. 5. Als aber Gott sah, daß die Bosheit der Menschen groß war auf Erden und daß jeder Gedanke des Herzens allezeit auf das Böse gerichtet war, 6. da reute es Ihn, daß Er den Menschen auf Erden gemacht hatte. Und innerlich von Schmerz des Herzens berührt, 7. sprach Er: Ich will den Menschen, den Ich erschaffen habe, vertilgen vom Angesicht der Erde, vom Menschen bis zum Vieh, vom Kriechenden bis zu den Vögeln des Himmels; denn es reut Mich, sie gemacht zu haben. 8. Noach aber fand Gnade vor dem Herrn. 9. Dies sind die Geschlechter Noachs: Noach war ein gerechter und vollkommener Mann in seinen Geschlechtern; er wandelte mit Gott. 10. Und er zeugte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. 11. Aber die Erde war verderbt vor Gott und mit Unrecht erfüllt. 12. Und als Gott sah, daß die Erde verderbt war (denn alles Fleisch hatte seinen Weg auf Erden verdorben), 13. sprach Er zu Noach: Das Ende allen Fleisches ist vor Mich gekommen, die Erde ist durch sie mit Unrecht erfüllt, und Ich werde sie mit der Erde vernichten. 14. Mache dir eine Arche aus geglätteten Hölzern; kleine Kammern sollst du in der Arche machen, und du sollst sie innen und außen mit Pech bestreichen. 15. Und so sollst du sie machen: Die Länge der Arche soll dreihundert Ellen betragen, ihre Breite fünfzig Ellen und ihre Höhe dreißig Ellen. 16. Ein Fenster sollst du in der Arche machen, und auf eine Elle sollst du ihre Spitze vollenden; und die Tür der Arche sollst du an die Seite setzen; untere, mittlere Gemächer und dritte Stockwerke sollst du in ihr machen. 17. Siehe, Ich will die Wasser einer großen Flut über die Erde bringen, um alles Fleisch zu vernichten, in dem der Odem des Lebens unter dem Himmel ist. Alles, was auf der Erde ist, soll vernichtet werden. 18. Und Ich werde Meinen Bund mit dir aufrichten, und du sollst in die Arche eingehen, du und deine Söhne und deine Frau und die Frauen deiner Söhne mit dir. 19. Und von jedem Lebewesen allen Fleisches sollst du je zwei in die Arche bringen, damit sie mit dir leben: männlichen und weiblichen Geschlechts. 20. Von den Vögeln nach ihrer Art und von dem Vieh nach seiner Art und von allem, was auf der Erde kriecht, nach seiner Art: je zwei von jeder Art sollen zu dir hineinkommen, damit sie leben. 21. Du sollst zu dir nehmen von allen Speisen, die gegessen werden können, und du sollst sie bei dir aufbewahren; und sie sollen dir und ihnen zur Nahrung dienen. 22. Und Noach tat alles, was Gott ihm befohlen hatte.
Vers 1: Die Menschen begannen sich zu vermehren
1. „Und als die Menschen sich zu vermehren begannen." — Josephus und Theodoret meinen, daß diese Ereignisse um die siebte Generation nach Adam stattfanden, nämlich zur Zeit Henochs. Es handelt sich hier also um eine Rekapitulation: denn Mose faßt hier zusammen und geht von Noach zu früheren Zeiten zurück, die Anlaß zur Sintflut gaben.
Vers 2: Die Söhne Gottes
2. „Die Söhne Gottes sahen die Töchter der Menschen, daß sie schön waren." — Man fragt: Wer sind die Söhne Gottes, und wer die Töchter der Menschen?
Erste Meinung. Einige antworten, die Söhne Gottes seien Engel — daß Engel körperlich seien und im Leibe hier erstmals ihre Sünde der Wollust begangen hätten, weswegen sie aus dem Himmel verstoßen worden seien. So Josephus, Philo (Buch Über die Riesen), Justin (Apologie I), Klemens (Stromata III), Tertullian (Buch Über die Kleidung der Frauen, wo er lehrt, daß die Dämonen hier die Frauen lehrten, Schminke, Armreifen und anderen Schmuck herzustellen), Lactantius (Buch II, Kapitel XV). Und es ist nicht verwunderlich, daß sie dies meinten: denn selbst in diesem Zeitalter hielt Cajetan es für wahrscheinlich, daß Engel eigene Leiber haben.
Zweite Meinung. Zweitens antworten andere, die Söhne Gottes seien (nämlich der Natur nach) Dämonen, die aus sich selbst und ihrer eigenen Natur und ihrem eigenen Leib Nachkommen nach Art der Menschen gezeugt hätten, wie die Platoniker meinten und Franciscus Georgius (Band I, Problem 74); oder vielmehr, wie Burgensis und Franciscus Valesius (Heilige Philosophie, Kapitel VIII) vertreten, daß es Dämonen seien — zuerst als Succubi, die den kräftigsten Samen von den mächtigsten Männern empfingen, und dann dieselben Dämonen als Incubi ihn in die kräftigsten Frauen übertrugen und so Riesen zeugten. Denn obgleich Pererius bezweifelt, ob auf diese Weise ein Mensch aus Incubus-Dämonen gezeugt werden kann, und Cyrill es leugnet, behaupten es dennoch Cardanus und Cajetan, und Delrio beweist es gut (Buch II der Magischen Untersuchungen, Frage 15).
Dritte Meinung. Ich aber sage: Die „Söhne Gottes" werden hier die Söhne Sets genannt. Erstens wegen ihrer Heiligkeit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und anderer Tugenden, durch die das Bild Gottes in ihnen wie in Seinen eigenen Söhnen erstrahlte. So der hl. Chrysostomus, Cyrill, Theodoret, Rupert und Hilarius (zu Psalm CXXXII). Zweitens, wie Oleaster bemerkt, ist es eine hebräische Redeweise: denn die Hebräer nennen alles, was stark, groß und vortrefflich ist, Dinge „Gottes" — so bedeuten „Berge Gottes" und „Zedern Gottes" die höchsten und größten Berge und Zedern. So werden die „Söhne Gottes" Söhne Sets genannt, weil sie kräftig, hervorragend an Stärke, Gestalt, Schönheit und Wuchs waren. Umgekehrt werden die Söhne und Töchter Kains „Söhne und Töchter der Menschen" genannt — erstens, weil sie verderbt und an das Irdische geheftet waren; zweitens, weil sie ihre Körperkraft, Gestalt und ihren Wuchs geschwächt und verringert hatten. Daher, wie Pererius bemerkt, wird von den Kainiten gesagt, sie hätten nicht Söhne, sondern Töchter gezeugt, weil ihre durch zügellose Wollust geschwächte Zeugungskraft nicht Söhne, sondern fast nur Töchter hervorbringen konnte. Theodoret und Suidas fügen einen dritten Grund hinzu: daß Set wegen seiner Frömmigkeit und Weisheit „Gott" genannt wurde — daher heißen seine Söhne Söhne Gottes.
Vierte Meinung. Viertens können die „Söhne Gottes" als „Söhne der Mächtigen" verstanden werden, wie Symmachus, der Chaldäer und Pagninus übersetzen, so daß die „Töchter der Menschen" gewöhnliche Frauen bedeuten, die die Mächtigen durch ihre Macht und Tyrannei mißbrauchten. Da nämlich Gott, wie Damascenus bezeugt, vom „Vorsorgen" und „Voraussehen" so genannt wird, werden Herrscher und Mächtige, deren Aufgabe es ist, für andere zu sorgen, „Götter" genannt. Daher jenes Wort Gottes an Mose: „Ich habe dich zum Gott Pharaos gemacht." So Molina. Der erstere Sinn aber ist, wie er einfacher und verbreiteter ist, auch wahrer.
Vers 3: Mein Geist soll nicht bleiben
3. „Mein Geist soll nicht bleiben." — Im Hebräischen steht lo iadon, was Symmachus, Arias und andere von der Wurzel dun ableiten und übersetzen als „soll nicht richten, soll nicht streiten", als ob Gott sagte: Ich werde diesen Streit zwischen Meiner Barmherzigkeit und Meiner Gerechtigkeit nicht so lange andauern lassen. Ferner will Ich nicht länger gegen die Verstocktheit der Menschen streiten. Es ermüdet Mich, es bedrängt und quält Mich — so große Kämpfe widerstreitender Empfindungen. Ich werde also den Streit beenden, und die Menschen, die unverbesserlich und ganz dem Fleisch ergeben sind, werde Ich gänzlich vernichten. Gott spricht anthropopathisch. So liest es auch der hl. Hieronymus in den Quaestiones oder Traditiones zur Genesis: „Im Hebräischen", sagt er, „steht geschrieben: Mein Geist soll diese Menschen nicht für immer richten, denn sie sind Fleisch — das heißt, weil die Beschaffenheit des Menschen zerbrechlich ist, werde Ich sie nicht für ewige Strafen aufbewahren, sondern ihnen hier vergelten, was sie verdienen. Es klingt also nicht Strenge, wie man in unseren Handschriften liest, sondern die Milde Gottes, wenn der Sünder hier für sein Vergehen heimgesucht wird."
Zweitens und besser lesen Pagninus und Cajetan zusammen mit dem hl. Chrysostomus für iadon mit anderen Vokalpunkten iiddon, von der Wurzel neden, das heißt „Scheide" — als wollte er sagen: Mein Geist soll nicht länger im Leib des Menschen wie in einer Scheide bleiben; Ich werde die Seele aus dem Leib gleichsam herausziehen. Daher nennen die Syrer den Leib nidne, weil er gleichsam die Scheide der Seele ist.
Drittens und am klarsten kann man mit Leo Castro (Buch III der Apologie) sagen, daß im Hebräischen für iadon zu lesen ist ialon, von der Wurzel lun, das heißt „er blieb, verweilte, kehrte ein"; denn die Septuaginta, der Chaldäer und unsere Vulgata übersetzen alle „soll nicht bleiben" — nämlich der Geist im Leib wie in seiner Herberge.
„Mein Geist" — Die Seele und das Leben, die von Mir dem Menschen eingehaucht wurden, Genesis 2; daher hält Gott unseren Atem, unser Leben und unsere Seele in Seiner Hand, Daniel 5,23.
„Für immer" — Für eine lange Zeit, wie die Menschen sie von Adam bis jetzt hatten, weil, wie folgt, nach 120 Jahren Ich alle durch die Sintflut vernichten werde.
„Denn er ist Fleisch" — Weil er fleischlich ist und sich durch eigene Schuld in die Laster des Fleisches gestürzt hat. So der hl. Chrysostomus und Ambrosius.
„Und seine Tage sollen hundertzwanzig Jahre sein." — Einige meinen, Gott setze hier die Lebensgrenze für jeden einzelnen Menschen fest, als ob jeder Mensch fortan nur 120 Jahre leben würde. So Josephus, Philo, Rupert, Abulensis. Sie irren aber: denn es steht fest, daß nach diesen Zeiten die Menschen nicht 120, sondern 400 Jahre lebten, wie aus Genesis 11 hervorgeht.
Ich sage also, daß Gott hier eine Frist für das ganze Menschengeschlecht setzt, als wollte Er sagen: Die fleischlichen Menschen haben Mich aufs schwerste beleidigt. Ich könnte sie in diesem Augenblick vernichten; aber weil Ich barmherzig bin, gebe Ich ihnen eine Zeit zur Buße, und zwar eine großzügige — nämlich 120 Jahre. Wenn sie diese verstreichen lassen, werde Ich nach 120 Jahren alle gänzlich durch die Sintflut vernichten, die Ich über die Welt bringen werde. So der Chaldäer, Hieronymus, Chrysostomus und Augustinus (Gottesstaat, Buch XV, Kapitel XXIV). Wie also Augustinus und Salvianus richtig bemerken (Buch der Antikimenon aus der Genesis), sprach Gott diese Worte im 480. Lebensjahr Noachs, 20 Jahre vor der Geburt Sems, die im 500. Jahr Noachs erfolgte, so wie die Sintflut in seinem 600. Jahr eintrat — obgleich der hl. Hieronymus, Chrysostomus und Hugo meinen, diese Worte seien im 500. Jahr Noachs gesprochen worden, 100 Jahre vor der Sintflut, so daß Gott von diesen 120 Jahren wegen der Sünden der Menschen 20 abzog und kürzte. Hier also bestimmte Gott der Welt eine Bußzeit von 120 Jahren und offenbarte dies Noach, damit Noach selbst es der Welt verkünde. Daraus folgt, daß Noach hier stillschweigend von Gott als Prediger der Buße und der Androhung der Sintflut eingesetzt wird. Daß er dieses Amt eifrig und treu unter den Menschen ausübte, ist nicht zu bezweifeln; und es ist sehr wahrscheinlich, daß er als Mitarbeiter in diesem Werk seinen Großvater Methusalem und seinen Vater Lamech hatte. Daher sagt Berosus der Chaldäer (Buch I): „Damals predigten und weissagten viele und meißelten in Steine über den bevorstehenden Untergang der Welt; aber die an ihre Gewohnheiten Gebundenen verlachten alles, während der Zorn und die Rache des Himmels sie ob ihrer Gottlosigkeit und Verbrechen bedrängte."
Man bemerke hier die sittliche Lehre: so wie Gottlosigkeit und Verdorbenheit Familien vernichten, auch die ältesten und edelsten, wie im Falle Kains und der Riesen klar ist, so verewigt Frömmigkeit und Redlichkeit dieselben, wie im Falle Sets und Noachs klar ist. Das ist es, was Psalm XXXVI sagt: „Die Gerechten werden das Land erben; aber die Ungerechten werden untergehen, und die Überreste der Gottlosen werden zusammen vergehen."
Symbolisch nehmen die Kabbalisten, und unter ihnen Petrus Bongus (Abhandlung Über die Geheimnisse der Zahlen, beim sechstausendsten), diese 120 Jahre als große und mosaische Jahre, nämlich Jubeljahre, so daß jedes Jahr hier fünfzig gewöhnliche Jahre umfaßt; und folglich ergeben diese 120 sechstausend gewöhnliche Jahre (denn man multipliziere 120 mit fünfzig, und man erhält sechstausend), in denen diese Welt dauern wird und das Leben und Alter der Menschen — worüber ich zu Kapitel 2, Vers 2 gesprochen habe.
Vers 4: Riesen auf der Erde
4. „Die Riesen aber waren auf der Erde." — Aus dem Wort „waren" scheint hervorzugehen, daß es schon zuvor Riesen gegeben hatte; doch in der Weise, daß sie zu dieser Zeit vermehrt wurden, durch die Vermischung der Söhne Gottes mit den Töchtern der Menschen. Daher hat das Hebräische für „nachdem" auch „und auch danach"; und die Septuaginta übersetzt klar so: „Riesen waren auf der Erde in jenen Tagen, und danach, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen." So der hl. Augustinus, Vatablus und andere.
Man beachte: Die Riesen heißen auf Hebräisch nephilim, das heißt „die, die sich stürzen auf" (von der Wurzel naphal, „er fiel"), im aktiven Sinne, gleichsam als wollte man sagen: die, die anstürmen, unterdrücken und alles wie ein Sturm niederwerfen und in Fall und Verderben treiben. Daher übersetzt Aquila „die, die gewaltsam anstürmen"; daher jene Stelle in Ijob 16,15: „Er stürmte gegen mich an wie ein Riese." Denn die Riesen waren die gewaltigsten, größten, stärksten und gewalttätigsten Menschen. Dieselben werden nach ihren Vorfahren Rapha und Anak Refaïm und Anakiter genannt. Im Griechischen heißen sie gigantes, gleichsam gegenes, das heißt „Erdgeborene", als Söhne des Bauches und der Erde, sagt der hl. Ambrosius und Philo.
Burgensis meint, die Riesen seien Dämonen in Menschengestalt gewesen. Valesius meint, die Riesen seien Söhne von Incubus-Dämonen gewesen. Philo meint, die verruchtesten Menschen würden Riesen genannt. Gewiß aber ist, daß die Riesen Menschen waren, ausgezeichnet durch ungeheuerlichen Wuchs, Stärke, Räuberei und Tyrannei.
Daher waren die Riesen durch ihre Verbrechen die größte und hauptsächlichste Ursache der Sintflut, wie aus Weisheit 14,6 und Ijob 26,5 hervorgeht. Mose selbst deutet hier dasselbe an: denn aus diesem Grund erwähnt er, im Begriff die Sintflut zu beschreiben, zuerst die Riesen als Ursache der Sintflut. So lehren es die Ausleger überall.
Von dieser Stelle wiederum, und besonders vom Bau des Turms von Babel (besprochen in Kapitel 11), leiteten die Heiden die Fabel von den Riesen und Titanen ab, wie Pererius nach dem hl. Ambrosius und Eusebius (Vorbereitung auf das Evangelium, Buch V, Kapitel IV) lehrt. Denn das Altertum glaubte, die Riesen seien Menschen von höchstem Wuchs mit Schlangenfüßen gewesen, von der erzürnten Erde zum Verderben der Götter gezeugt — damit sie Krieg gegen die Götter führten und Jupiter vom Besitz des Himmels stürzten —, aber vergeblich und vergebens, denn von Jupiter wurden sie zermalmt. Ovid faßt dies in wenigen Versen zusammen: „Man sagt, die Riesen versuchten das Reich des Himmels zu erobern / und häuften Berge zu den hohen Sternen. / Da zerschmetterte der allmächtige Vater den Olymp mit dem Blitz / und schlug den Pelion vom darunterliegenden Ossa."
„Danach" — das heißt, besonders danach. Man beachte: Die Riesen wurden hauptsächlich von den Söhnen Sets gezeugt (denn diese werden die Söhne Gottes genannt), die die vollkommenste Körperkraft besaßen und nun von ihrer ursprünglichen Lauterkeit abfallend, ganz der Erde und dem Bauch ergeben mit größter Liebe und Glut der Wollust, sich an die Töchter Kains hängten (denn diese werden die Töchter der Menschen genannt), die überaus schön waren. Denn die Wollust bewirkte, daß die Natur in ihnen alle ihre Kraft und das Äußerste ihres Vermögens einsetzte, und so wurden die gewaltigsten und stärksten Menschen gezeugt. Thomas Fazellus (Über die Angelegenheiten Siziliens, Buch I, Dekade 1, Kapitel VI) bringt viele Beispiele von Riesen beinahe aus unserer eigenen Zeit, von denen manche 18, andere 20, andere noch mehr Ellen Höhe besaßen.
Man sehe hier, wie die Stärke ebenso wie Tugend oder Laster von den Eltern auf die Nachkommen übertragen wird. Treffend sagt der Dichter: „Tapfere werden von Tapferen gezeugt; / in den Stieren und in den Pferden liegt die Tüchtigkeit der Väter; / und wilde Adler / zeugen nicht die furchtsame Taube."
Vers 5: Jeder Gedanke auf das Böse gerichtet
5. „Jeder Gedanke" — Im Hebräischen: kol yetser machshebot, „jedes Gebilde der Gedanken"; denn yetser bedeutet ein Gebilde oder das Formen eines Töpfers. Daher rast Illyricus, wenn er aus dieser Stelle — oder vielmehr aus seiner eigenen monströsen Töpferei — die Vorstellung formt und ersinnt, daß die Erbsünde kein Akzidens, sondern die Substanz und substanzielle Form des Menschen sei. Denn eine solche Substanz, sagt er, ist das Formen des Töpfers. Er bemerkt aber nicht, daß dieses „Gebilde" nicht das Gottes ist, sondern „der Gedanken"; und der Gedanke des Menschen bildet und formt sich nicht eine Substanz, sondern ein Bild einer begehrten Substanz — und dieses Bild ist ein Akzidens, keine Substanz. Daher übersetzt Calvin „jede Einbildung". Denn so wie ein Töpfer seine Götzenbilder formt, so formt die Einbildungskraft und Begehrlichkeit des Menschen ihre eigenen Bilder gleichsam als Götzen (worüber man Cyprian in der Vorrede zum Buch Über die Hauptwerke sehe) und weidet und ergötzt sich an ihnen nicht gezwungenermaßen, sondern freiwillig — und wird daher mit Recht bestraft, wie diese Menschen durch die Sintflut bestraft wurden.
„War auf das Böse gerichtet." — Calvin folgert: Also sind alle unsere Werke, auch die heiligen, durch eine verborgene Sünde der Begehrlichkeit befleckt — ja, sie sind ganz und gar schmutzig. Denn das Hebräische fügt raq hinzu, das heißt „nur" auf das Böse gerichtet.
Ich antworte: Das Wort raq haben weder die Septuaginta noch der Chaldäer noch unsere Vulgata übersetzt, weil sie sahen, daß es im Hebräischen als Pleonasmus und Steigerung hinzugefügt ist und hinreichend in dem Ausdruck „jeder Gedanke und allezeit auf das Böse gerichtet" eingeschlossen ist. Ich antworte zweitens: Die Schrift spricht hier nicht von den Gerechten, sondern von den Sündern, um derentwillen die Sintflut gebracht wurde. Denn sogleich danach nimmt sie den gerechten Noach bei Vers 8 aus, dessen jeder Gedanke nicht auf das Böse, sondern auf das Gute gerichtet war. Ich antworte drittens: Es liegt hier eine Hyperbel vor; denn die Sünder tun, auch die größten, dennoch einige gute Dinge, wenn sie den Eltern gehorchen, den Nächsten helfen, anderen die Treue halten usw. „Jeder" bedeutet also die meisten und überaus häufigen „Gedanken". So sagen wir gewöhnlich: Dieser Mensch träumt von nichts anderem (das heißt, er denkt oft an nichts anderes) als an seinen Bauch. Eine ähnliche Hyperbel findet sich in Psalm XIII, 3 und Römer 3,12.
Man füge viertens hinzu, daß Mose eigentlich von Sündern spricht — nicht von allen, sondern nur von denen, die zur Zeit Noachs lebten und die schlimmsten und verruchtesten waren. Selbst wenn wir zugestehen würden, daß sie nichts Gutes, sondern nur Böses taten, und dies aus ihrer eigenen freien Bosheit, so folgte daraus dennoch nicht, daß sie nicht anders hätten handeln können, noch daß andere Sünder, die zu anderen Zeiten leben, nichts Gutes, sondern nur Böses tun.
Aus dieser Stelle schließt Pererius wahrscheinlich, daß zu jener Zeit nur Noach mit seinen Nachkommen gerecht war und alle anderen gottlos waren, und daß sie daher, wie sie in den Wassern der Sintflut ertränkt wurden, so auch in die Hölle gestürzt wurden — ausgenommen jedoch die Kinder, die durch das Sakrament jener Zeit wiedergeboren wurden, als sie ertranken. Wahrscheinlicher aber ist das Gegenteil: daß nämlich auch einige Erwachsene, als sie sich von den Wassern umschlossen und allmählich überwältigt sahen, Buße taten, gerechtfertigt und gerettet wurden. So lehren der hl. Hieronymus und Rupert, und der hl. Petrus selbst deutet es hinlänglich an (1 Petrus 3,19); denn so fliehen in den Gefahren des Schiffbruchs auch die Verruchtesten mit großer Inbrunst der Frömmigkeit zu Gott, geloben Besserung, suchen und erlangen Vergebung, so daß, während der Leib zugrunde geht, die Seele gerettet wird.
Vers 6: Es reute Ihn
6. „Es reute Ihn." — Die Septuaginta hat „Er überlegte erneut". Denn wer eine Tat bereut, wendet sie oft hin und her und überdenkt sie: Warum habe ich dies getan? Hätte ich es doch nicht getan! Ein Mensch bereut, wenn er sich mit Schmerz an seine Worte oder Taten erinnert und sie überdenkt, wegen eines traurigen Ausgangs aus ihnen, den er nicht vorausgesehen hatte. Gott aber sieht alles voraus und kann nicht trauern; daher bereut Er eigentlich nichts. Doch wird anthropopathisch gesagt, daß Er bereue und trauere, wenn Er wegen der Sünden der Menschen beschließt und bestimmt, Seine Gaben und Gnaden zu widerrufen; wenn Er die Sünder, die Er erschaffen und mit Wohltaten überhäuft hat, wegen ihrer Sünden tötet und bestraft. Daher übersetzt Symmachus „Er wandte sich ab". Es reute also Gott — das heißt, Gott, erzürnt und empört über die Sünden der Menschen, beschloß den Menschen, den Er erschaffen hatte, zurückzunehmen und zu vernichten.
Vers 7: Ich will den Menschen vertilgen
7. „Ich will den Menschen vertilgen usw. bis zum Vieh." — Man beachte: Die Sünde löst die Harmonie des gesamten Weltalls auf, weil sie nicht nur den Menschen, sondern auch die Elemente und alle Geschöpfe befleckt und entstellt. Ich werde dies an den einzelnen Werken der Schöpfung jedes Tages zeigen. Am ersten Tag wurde das Licht erschaffen: die Sünde vertreibt es und verdunkelt es. Daher sagt Jeremia (Kapitel 4): „Ich schaute zum Himmel empor, und da war kein Licht." Am zweiten Tag wurde das Firmament und die himmlischen Sphären erschaffen: nun werden wegen der Sünden „die Himmel zusammengerollt wie ein Buch", sagt Jesaja (Kapitel 34, Vers 4), damit sie die Sünden und die Sünder nicht bedecken und verbergen. Am dritten Tag wurden die Pflanzen hervorgebracht: darüber höre man Jeremia (Kapitel 4): „Ich schaute auf die Erde, und sie war leer und nichts." Am vierten Tag wurde die Sonne gemacht: die Sünde verfinstert sie, wie Jesaja lehrt (Kapitel 13, Vers 10). Am fünften Tag wurden Fische und Vögel hervorgebracht: über diese sagt Jeremia (Kapitel 4, Vers 25), daß wegen der Sünde jeder Vogel davonflog. Am sechsten Tag wurden die Vierfüßler und der Mensch erschaffen: die Sünde entfernt diese von den Bergen und Wäldern, wie aus Hosea hervorgeht (Kapitel 4, Vers 3). Alles also wird mit dem sündigenden Menschen bestraft, weil es ihm zur Sünde diente — oder vielmehr wird der Mensch selbst in allen Dingen bestraft, wenn er aller Dinge beraubt wird, die er mißbraucht hat.
Vers 9: Noach, ein gerechter Mann
9. „Noach, ein gerechter Mann." — „Noach", sagt der hl. Ambrosius (Buch Über die Arche und Noach, Kapitel IV), „wird nicht wegen seiner Abstammung, sondern wegen seiner Gerechtigkeit gelobt: denn die Abstammung eines bewährten Mannes ist seine Ahnenreihe der Tugend; denn so wie die Abstammung der Menschen aus Menschen besteht, so besteht die Abstammung der Seelen aus Tugenden." Daher wurde, während die Welt zugrunde ging, Noach allein bewahrt als ein unverderbter Stamm, um der Ursprung einer neuen Welt und die Pflanzstätte einer neuen Menschheit zu sein, wie der hl. Ambrosius sagt.
Wahrer Adel, Lob und Ruhm bestehen also in Gerechtigkeit, Religion und Tugend. So urteilten die alten Christen, Edlen und Märtyrer. So der Märtyrer Romanus — als der Kaiser Galerius und Asklepiades, der Präfekt von Antiochien, die Christen angriffen —, der, mit Geißeln und Bleikugeln geschlagen, sich weigerte, wegen seiner edlen Geburt verschont zu werden: „Fern sei es", sprach er, „daß das Blut meiner Eltern oder das Recht des Hofes mich adelt: die großmütige Nachfolge Christi adelt die Menschen." Asklepiades befahl daher, ihm die Seiten mit Schwertern aufzuschneiden; da sprach jener: „Ich danke dir, Präfekt, daß du in mir weitere Münder geöffnet hast, durch die ich Christus predigen kann: siehe, so viele Münder preisen Ihn, wie es Wunden gibt." Prudentius ist dafür Zeuge in den Hymnen des Peristephanon. Ebenso die hl. Agatha, als der Präfekt Quintian einwandte: „Schämst du dich nicht, von edlem Geschlecht geboren, das niedrige und sklavische Leben der Christen zu führen?" Sie antwortete: „Christliche Demut und Dienstbarkeit ist weit vortrefflicher als der Reichtum und Hochmut der Könige."
Der selige Gregor von Nazianz (Rede 11): „Wahrer Adel", sagt er, „ist die Bewahrung des göttlichen Bildes und die Nachahmung des Urbildes, die Vernunft und Tugend bewirken."
„Vollkommen." — Mit der Vollkommenheit nicht des Vaterlandes, sondern des Lebens, die jede Sünde ausschließt — nicht die läßliche, sondern die Todsünde — und die in beständigem Eifer und Fortschritt in den Tugenden besteht. Siehe den hl. Augustinus (Buch Über die Vollkommenheit der Gerechtigkeit). Daher singt die Sibylle von Noach (Buch I): „Allein unter allen war er der Gerechteste und Wahrhaftigste, / Noach, der Treueste und guten Werken Ergebenste"; und Jesus Sirach 44,17: „Noach wurde als vollkommen und gerecht befunden, und in der Zeit des Zornes wurde er zur Versöhnung." Und Paulus (Hebräer 11,7): „Durch den Glauben bereitete Noach die Arche, durch die er die Welt verurteilte und als Erbe der Gerechtigkeit eingesetzt wurde, die durch den Glauben ist."
„In seinen Geschlechtern." — Unter den Menschen seines eigenen Zeitalters und seiner Zeit, und daher über den Menschen seines Zeitalters. Das Abstrakte steht für das Konkrete — nämlich „seine Geschlechter" für die in seinem Zeitalter gezeugten Menschen. So sagt der Weise (Kohelet 1,4): „Ein Geschlecht vergeht, und ein Geschlecht kommt" — das heißt, ein Zeitalter und Nachwuchs von Menschen vergeht, und bald folgt ein anderer von Söhnen und Enkeln. Denn so wird die selige Jungfrau gesegnet unter den Frauen genannt, das heißt über alle Frauen. Daher schließen einige, Noach sei auch vollkommener gewesen als Henoch selbst und alle seine Vorfahren, die in jenem ersten Zeitalter lebten. Doch ist es nicht nötig, dies zu sagen; denn es ist nicht nötig, das Zeitalter Noachs bis auf Henoch auszudehnen, der bereits sechshundert Jahre zuvor ins Paradies entrückt worden war. Und selbst wenn wir Noachs Zeitalter so weit ausdehnen würden, genügt es für die Wahrheit dieser Worte zu sagen, daß Noach nicht vollkommener war als Henoch selbst, noch als schlechthin alle Menschen, sondern als die meisten.
Zweitens versteht Delrio unter „Geschlechtern" seine Taten; denn diese sind gleichsam Kinder, die die Seele gebiert. Abstammung und Adel bestehen in der Tugend.
Ein Mensch während des gesamten Raumes seines Lebens — das heißt: während des ganzen Lebenslaufes war Noach vollkommen in seinen Taten. Dieser Sinn ist enger und feiner. Der erstere Sinn also ist einfacher, schlichter und eigentlicher.
„Er wandelte mit Gott" — ebenso wie Henoch, über den ich zu Kapitel 5, Vers 22 gesprochen habe. Schön schreibt Hugo von Sankt Viktor in Buch I von De Claustro animae [Über den Kreuzgang der Seele]: „So wie es", sagt er, „keinen Augenblick gibt, in dem der Mensch nicht der Güte und Barmherzigkeit Gottes genießt oder sich ihrer bedient, so soll es keinen Augenblick geben, in dem er Ihn nicht gegenwärtig in seiner Erinnerung hat. Denn alle Zeit, in der du nicht an Gott denkst, halte für verloren." Der hl. Basilius antwortete, als er gefragt wurde: Wer gerät häufig in Zorn? Wer ist träge bei guten Werken? Wer fördert nicht die Ehre Gottes? — auf jede dieser Fragen gab er diese eine Antwort: „Wer nicht stets bedenkt, daß Gott der Beobachter seiner Handlungen ist. Denn diese eine Erinnerung, wäre sie beständig, würde gegen alle Laster ein Heilmittel bieten."
Vers 10: Sem, Ham und Jafet
10. „Sem, Ham und Jafet." — „Sem" bedeutet im Hebräischen, sagt der hl. Cyrill hier, Homilie 3, Vollkommenheit oder Pflanzung; „Ham" Schlauheit; „Jafet" Erweiterung. Wahrer ist, daß „Sem" im Hebräischen Name oder Ruhm bedeutet; „Ham" Hitze und Schwärze; „Jafet" Weite — wie aus Kapitel 9, Vers 26 hervorgehen wird. Hier werden abstrakte Begriffe für konkrete gesetzt: Name und Ruhm, das heißt benannt und berühmt; Hitze und Schwärze, das heißt heiß und schwarz; Weite, das heißt weit.
Vers 11: Die Erde war verderbt
11. „Aber die Erde war verderbt." — Die Bewohner der Erde waren so verderbt, daß sie die Erde selbst durch ihre Verbrechen befleckt und verdorben zu haben scheinen: dies ist Metonymie mit Hyperbel.
12. „Alles Fleisch" — das heißt jeder Mensch: dies ist Synekdoche, denn „Fleisch" ist dasselbe wie „Mensch"; und Hyperbel, denn „alles" bedeutet „die meisten", da der gerechte Noach samt seiner Familie ausgenommen ist.
„Er hatte seinen Weg verdorben" — das heißt seine Lebensweise. So werden die Wege eines Menschen seine Werke, sein Wandel und seine Gewohnheiten genannt; die Wege Gottes werden die Werke Gottes genannt, Sprichwörter 8,22. Der hl. Ambrosius bemerkt in De Noe et arca [Über Noach und die Arche], Kapitel V, daß die Flut des Fleisches die Flut der Wasser hervorbrachte. „Das Fleisch", sagt er, „war die Ursache der Verderbnis auch der Seele, die gleichsam der Ursprung und Sitz der Lust ist, aus der wie aus einer Quelle die Ströme der Begierlichkeit und der bösen Leidenschaften hervorbrechen und weithin überschwemmen; durch die das Steuer der Seele gleichsam überflutet wird, wenn der Steuermann abgeworfen ist, da der Geist selbst, gleichsam von Stürmen und Unwettern überwältigt, seinen Platz räumt." Und in Kapitel IX: „Die Verderbnis ist die Ursache der Sintflut: sobald sie sich eingeschlichen hat, werden die Wasser geöffnet, alle Quellen der Begierden kochen auf, so daß der ganze Leib in einer so großen und so tiefen Flut der Laster versinkt." Wie also Noach, indem er sich mit den Tieren in die Arche einschloß, der Sintflut entging, so auch du — zügele deine Sinne und Leidenschaften innerhalb der Herrschaft des Geistes, und du wirst dich und das Deine aus jeder Gefahr der Sintflut befreien können.
Vers 13: Das Ende allen Fleisches
13. „Das Ende allen Fleisches ist vor Mich gekommen" — der von Mir bestimmte Tag zur Vernichtung der Menschen und Tiere ist nahe; Ich habe beschlossen, die Welt durch eine Sintflut zu beenden und zu vernichten: dies geht aus dem Folgenden hervor.
„Von ihnen her" — durch sie, von ihnen. So die Septuaginta. Der chaldäische Targum übersetzt: wegen ihrer bösen Werke.
Vers 14: Mache dir eine Arche
14. „Mache dir eine Arche." — Das hebräische Wort teba bedeutet, daß die Form der Arche nicht nach Art eines Schiffes war, dessen Kiel gebogen ist und dessen Oberteil entweder offen liegt oder gewölbt ist, sondern nach Art einer Truhe, die von allen Seiten geschlossen und rechtwinklig ist, die unten flach und in allen Richtungen gleich ist, oben aber flach, doch so, daß sie leicht zu einem kleinen Grat und einer Neigung ansteigt. So der hl. Augustinus, Buch XV von De Civitate Dei, Kapitel XXVII; und dies läßt sich hinreichend aus ihren Maßen schließen, die Mose im folgenden Vers angibt.
„Aus geglätteten Hölzern." — Im Hebräischen „aus Holz gopher", was die Septuaginta mit „vierkantig" übersetzt; unsere Vulgata mit „geglättet", das heißt behauen und geglättet — sowohl für eine festere und engere Fügung als auch der Schönheit wegen, und damit sie bequemer mit Pech bestrichen werden konnten. Oleaster übersetzt „Pinienholz"; der chaldäische Targum, ebenso Aben Esra und die Rabbinen übersetzen „Zedernholz". Denn die Zeder ist in Syrien reichlich vorhanden und unverweslich und ergibt sehr lange Planken, die leicht und schwimmfähig sind. Daß die Arche aus Zedernholz gemacht wurde, lehren auch der hl. Ambrosius, De Arca, Kapitel VII, und der hl. Augustinus, Abhandlung 6 über Johannes. Der hl. Hieronymus übersetzt „aus pechhaltigem Holz" (so daß gopher dasselbe wäre wie copher), das heißt harzhaltigem Holz — denn „Pech" wird im weiten Sinne für „Harz" genommen. Nun sind Pinie und Zeder harztragend, und so würden alle diese Übersetzungen in eine zusammenlaufen.
„Du sollst kleine Kammern in der Arche machen." — Das Hebräische und die Septuaginta haben: „Du sollst die Arche mit Nestern machen", das heißt, du sollst die Arche in kleine Ställe einteilen und verteilen, nicht nur damit die Vögel, sondern auch damit die übrigen Tiere ihre eigenen abgetrennten Behausungen haben. Daher hat unser Vulgata-Übersetzer diese Nester deutlich als „kleine Kammern" erklärt.
Symbolisch schreibt der hl. Ambrosius, De Noe [Über Noach], Kapitel VI: „Unser ganzer Leib", sagt er, „ist wie ein Nest zusammengewoben, damit der Lebensgeist alle Teile der Eingeweide durchdringe. Gewisse Nester sind unsere Augen, in die sich das Sehen einfügt. Nester sind die Höhlungen unserer Ohren, durch die sich das Hören ergießt. Ein Nest sind die Nasenlöcher, die den Geruch an sich ziehen. Ein viertes Nest, größer als die übrigen, ist die Öffnung des Mundes, in dem der Geschmack genährt wird, bis er reift, und aus dem die Stimme hinausfliegt, in dem die Zunge verborgen liegt. Der Atem, den wir einziehen und durch den wir genährt werden — sein Nest ist die Lunge; und das Nest des Blutes und des Geistes ist das Herz. Auch die stärkeren Knochen haben Nester, denn sie sind innen ausgehöhlt, und in gewissen Höhlungen ist Mark. In den weicheren Eingeweiden selbst sind Nester des Verlangens oder des Schmerzes." Und kurz darauf: „Es ist nun in diesem Leib ein Nest der Keuschheit, wo einst ein Nest der vernunftlosen Begehrlichkeit war."
„Mit Pech." — Pech — passender Erdpech — wurde zum Verleimen und Festigen der Planken verwendet und zum Vertreiben des Gestanks, der vom Dung so vieler Tiere herrührte.
Vers 15: Die Maße der Arche
15. „Die Länge der Arche soll dreihundert Ellen betragen, die Breite fünfzig Ellen und die Höhe dreißig Ellen." — Eine Elle enthält anderthalb Fuß oder sechs Handbreit. In alter Zeit waren, wie die Füße und Handflächen der Menschen, so auch die Ellen größer als heute. Origenes versteht die Elle hier nicht als die gewöhnliche (über die ich bereits gesprochen habe), sondern als eine, die sechs gewöhnliche und gebräuchliche Ellen enthält. Isidorus Clarius und Delrio folgen Origenes. Denn auf diese Weise hätten alle Tiere in der Arche nicht eng und zusammengepreßt, sondern geräumig und gesund wohnen können. Aber dann wäre die Gewaltigkeit der Arche ungeheuerlich gewesen — sie hätte kaum zu einem Bau zusammengefügt und kaum von den Wassern getragen und bewegt werden können. Hinzu kommt, daß die Schrift andernorts die Ellen als gewöhnliche, nicht als geometrische nimmt — wie wenn sie sagt, Goliat sei sechs Ellen und eine Spanne groß gewesen; denn wer würde glauben, Goliat sei 36 gewöhnliche Ellen groß gewesen? Daher sind auch hier gewöhnliche Ellen zu verstehen. So Torniellus.
Man beachte: Die Länge der Arche war das Zehnfache ihrer Höhe und Tiefe; denn das ist das Verhältnis von 300 zu 30, da zehnmal dreißig dreihundert ergibt. Ferner war die Länge der Arche das Sechsfache ihrer Breite; denn das ist das Verhältnis von 300 zu 50, da sechsmal 50 dreihundert ergibt. Dasselbe ist das Verhältnis der Maße im wohlgebildeten menschlichen Körper: nämlich seine Länge, genommen vom Scheitel bis zu den Füßen, ist das Sechsfache seiner Breite, genommen von der rechten Seite zur linken durch die Mitte der Brust. Ferner ist die Länge des menschlichen Körpers das Zehnfache seiner Tiefe, genommen von der Brust und durch die Brust hindurch zum Rücken. So der hl. Augustinus, Buch XV von De Civitate Dei, Kapitel XXVI, und der hl. Ambrosius, De Arca, Kapitel VI.
Daraus folgt, daß das innere Fassungsvermögen der Arche 450.000 Ellen betrug. Denn wenn man die 300 Ellen der Länge der Arche geometrisch mit den 50 der Breite multipliziert, erhält man 15.000 Quadratellen; und wenn man diese wiederum mit den 30 Ellen der Höhe der Arche multipliziert, erhält man die besagten 450.000 Kubikellen. Dies also war das Maß und Fassungsvermögen des Inneren der Arche, das gewiß gewaltig und hinreichend war für alle Tiere und Dinge, die in der Arche enthalten waren — so daß es nicht nötig ist, mit Origenes die Ellen hier als geometrische statt als gewöhnliche zu nehmen: denn in dem Fall wäre die Arche sechsmal größer und geräumiger gewesen.
Vers 16: Das Fenster und die Stockwerke
16. „Ein Fenster." — Ein hauptsächliches, großes und durchsichtiges Fenster, aus Glas, Kristall oder Spiegelstein (denn dies bedeutet das hebräische tsohar und das griechische diaphanes [„durchsichtig"], wie Symmachus es übersetzt). Nichts hindert also, daß andere, kleinere Fenster um den Umkreis des dritten Stockwerks herum gemacht wurden, um überall Licht einzulassen. Dieses Fenster konnte geöffnet werden: daher ließ Noach durch es die Taube und den Raben hinaus.
„Und auf eine Elle sollst du ihre Spitze vollenden." — Das heißt: Du sollst die Höhe desselben — nämlich des Fensters — auf eine Elle machen. So Vatablus, Oleaster, Delrio. Zweitens erklärt Torniellus es so: „Habe stets das Ellenmaß zur Hand und wende es an, damit du danach jeden Teil der Arche nach dem von Mir vorgeschriebenen Maß erbaust." Drittens und eigentlich (wie aus dem Hebräischen hervorgeht): „ihre" — nämlich der Arche — Spitze oder Höhe sollst du auf eine Elle machen; das heißt: Du sollst das Dach der Arche nicht gänzlich, aber nahezu flach machen, so nämlich, daß es nur allmählich und langsam auf eine Höhe von einer Elle ansteigt — so daß diese Elle die mittlere Höhe des Firstes der Arche über ihre ganze Länge hinweg ist. So Johannes Buteo und Pererius nach der allgemeinen Meinung der Gelehrten; denn Mose beschreibt hier das Dach der Arche und seine gewölbte Form am First.
Die vier Stockwerke der Arche
„Untere Gemächer und obere Stockwerke sollst du in ihr machen." — Man lese und verbinde diese Worte so und beziehe „unten" nicht auf die zuvor genannte Tür. Der Sinn ist nun: „Es soll ein Gemach oder Stockwerk unter einem anderen liegen", sagt Delrio. Zweitens, treffender dem Hebräischen gemäß: „unten", das heißt die untersten Stockwerke; „Gemächer", das heißt die mittleren Stockwerke (denn in diesen werden gewöhnlich Speiseräume gebaut); und „obere Stockwerke" (tristega), das heißt die dritten oder höchsten Stockwerke — sollst du in der Arche machen. Denn das Hebräische hat: „untere, zweite und dritte sollst du machen"; und der chaldäische Targum: „untere, zweite und dritte Wohnungen sollst du darin machen." Daraus geht hervor, daß die Arche drei Ebenen oder Stockwerke hatte — denn das sind die von den Griechen tristega genannten —, in denen teils Tiere, teils Nahrung und andere Ausstattung aufbewahrt und verteilt waren. Diesen füge man ein viertes, das unterste, für den Bilgenraum hinzu.
Nun beschreibt und verteilt Johannes Buteo in seinem Buch De Arca jedes dieser Stockwerke mit großer Genauigkeit. In diesem untersten Teil befand sich der Platz für Ballast oder Sand, der für ein Schiff notwendig ist, damit es auf den Wassern nicht umhergeworfen wird und nicht auf diese oder jene Seite neigt, sondern durch sein Gewicht und sein rechtes Gleichgewicht aufrecht auf den Wassern steht. In diesem untersten Teil gab es auch einen Bilgenraum, der den Unrat aus den oberen Stockwerken durch Rinnen aufnahm und ihn durch Abflüsse oder Löcher nach außen ins Wasser abgab. Diese Löcher befanden sich jedoch nicht in diesem untersten Teil (denn dieser lag gänzlich unter der Wasserlinie), sondern im nächsten — das heißt dem zweiten Stockwerk —, in das das Wasser und der Unrat aus dem untersten Teil mittels einer Pumpe gehoben wurden. Es sei denn, man will mit Torniellus sagen, daß der Unrat mit Seilen zum ersten und obersten Stockwerk hinaufgezogen wurde, zum Fenster der Arche, um durch dieses (da es groß war) hinausgeworfen zu werden.
Im zweiten Stockwerk befand sich der Platz für alle Tiere — sowohl Kriechtiere als auch solche, die gehen —, aufgeteilt in sehr viele Zellen oder kleine Kammern (Delrio zählt 300), größere oder kleinere je nach Größe der Tiere, auf beiden Seiten angeordnet. In den Zellen waren Krippen und andere Gefäße, die Futter und Wasser enthielten. Im Boden der Zellen waren kleine Öffnungen, durch die der Unrat der Tiere in den Bilgenraum hinabgeleitet wurde. In der Mitte der Zellen auf beiden Seiten gab es einen Durchgang oder Korridor, durch den die Menschen mit Laternen zu jeder Zelle laufen konnten, um sie zu besichtigen und jedem Tier das Nötige zu beschaffen. In diesem Stockwerk befand sich die Tür der Arche, die in Vers 16 erwähnt wird, und sie war groß und geräumig — da durch sie die Elefanten, Kamele und alle Tiere in die Arche gebracht wurden.
Im dritten Stockwerk gab es getrennte Vorratskammern, die die Vorräte sowohl für die Tiere als auch für die Menschen enthielten — nämlich Heu, Stroh, Früchte, Getreide, Samen und Hülsenfrüchte — sowie Fässer mit Süßwasser zum Trinken und Waschen. Aus diesem dritten Stockwerk wurden durch Löcher und Röhren Futter und Trank in jede Krippe des zweiten Stockwerks hinabgesandt. Hier war auch alle Ausstattung aufbewahrt, sowohl städtische als auch ländliche, die nach der Sintflut gebraucht werden würde.
Im vierten und höchsten Stockwerk befand sich der Platz für die Menschen und Vögel. Erstens gab es dort also den Schlafraum Noachs und seiner Söhne, getrennt vom Frauengemach (denn daß die Männer sich während der Sintflut ihrer Frauen enthielten, lehren der hl. Ambrosius, Rabanus, Anselm von Laon, der hl. Hieronymus zu Sacharja 12, Delrio und andere). Das Fenster der Arche brachte diesem Bereich Licht. Zweitens gab es dort eine Küche mit Kamin und Herd; drittens einen Ofen, eine Backstube und Handmühlen; viertens einen Holzschuppen mit Scheiten und Kohlen; fünftens eine Vorratskammer mit Nahrungsmitteln sowohl zum Essen als auch zum Trinken. Auf der anderen Seite waren Käfige und Nester für jede Art von Vögeln mit ihrem Futter. In diesen oberen Räumen gab es Treppen, über die man von einem Stockwerk zum anderen auf- und abstieg.
Ferner gab es, wie Buteo lehrt, in diesem vierten Stockwerk Lüftungsöffnungen zum Empfangen und Erneuern frischer Luft. Diese Öffnungen waren wie Kamine, die bis zur Spitze der Arche hinaufreichten, so daß durch gewisse kleine Öffnungen, die geschickt auf beiden Seiten unter dem überhängenden Dachvorsprung angebracht waren (damit sie vor dem Regen geschützt und von den Wellen entfernter waren), der Gestank entweichen und die eingeschlossene Luft zirkulieren konnte, damit die durch den Unrat der Unreinheit verdorbene Luft nicht auch die Tiere selbst ansteckte und tötete.
Über all dem war ein Dach aufgesetzt, flach, aber etwas geneigt und auf eine Höhe von einer Elle ansteigend (wie oben gezeigt wurde), damit es den darauf fallenden Regen zu beiden Seiten der Arche in die Wasser abfließen ließ.
Nun verteilt Buteo die dreißig Ellen der Höhe der Arche auf die vier bereits genannten Stockwerke folgendermaßen: der Bilgenraum hatte vier Ellen Höhe; das zweite Stockwerk, in dem die Tiere waren, hatte neun Ellen Höhe; das dritte, für Vorräte, hatte acht; das vierte, für Menschen und Vögel, hatte neun Ellen Höhe.
Ferner unterschied Noach, von Gott geleitet, in der Arche aufs weiseste die Quartiere und Plätze der Tiere, damit die Tiere einander auf keine Weise schaden konnten; und er ordnete und verteilte auch mit wunderbarem Urteil alle Lasten in der Arche so, daß die Arche selbst, wie von gerechten Gewichten ausbalanciert, in aufrechter Stellung auf den Wassern stehen und getragen werden konnte.
Alle heidnischen Schriftsteller erwähnten diese Arche und die Sintflut, wie Josephus bezeugt, Buch I der Altertümer, Kapitel IV, wo er hinzufügt, daß noch zu seiner Zeit Überreste der Arche bei den Armeniern gezeigt zu werden pflegten.
Allegorische Auslegung
Allegorisch ist die Arche die Kirche; Noach ist Christus, der Retter und Tröster der Welt; die reinen und unreinen Tiere darin sind die Gerechten und die Gottlosen. Wer außerhalb dieser Arche Christi ist — nämlich der Häretiker und der Ungläubige — wird umkommen, wenn die Sintflut herrscht, sagt der hl. Hieronymus. So auch der hl. Augustinus, Buch XV von De Civitate Dei, Kapitel XXVI, und der hl. Gregor, Homilie 16 über Ezechiel, wo er unter anderem sagt: „Die Arche wird auf eine Elle vollendet, weil es einen Urheber und Erlöser der Heiligen Kirche gibt, ohne Sünde, zu dem alle Fortschritte machen, die sich als Sünder erkennen." Siehe Ferus hier, am Ende des Kapitels.
Tropologische Auslegung
Tropologisch ist die Arche die heilige Seele, durch das Abschneiden der Laster mittels Kreuz und Mühen geglättet, auf jeder Seite vierkantig und ausgewogen. Ferner ist die Arche das Geheimnis des Gewissens; Noach ist der Verstand; die Länge der Arche ist der Glaube; ihre Breite die Liebe; ihre Höhe die Hoffnung — ebenso Gebet und Betrachtung. Das Anschwellen der Wasser ist der Ansturm der Versuchungen. Die Berge Armeniens, auf denen die Arche ruht, sind die Ruhe der Seele in der Betrachtung der göttlichen Dinge. Die Vögel der Arche sind himmlische Gedanken; die Tiere sind Werke und Sorgen um irdische Dinge. Der ausgesandte und nicht zurückkehrende Rabe bedeutet die falschen Christen, die sich draußen im Taumeln der zeitlichen Dinge freuen und nicht zur Ruhe des Geistes zurückkehren. Die zurückkehrende Taube bedeutet die guten Christen, die, zu Werken der Nächstenliebe ausgesandt, bald zur Ruhe des Geistes zurückkehren, aber mit einem Ölzweig, weil sie Werke der Barmherzigkeit vollbracht haben. All dies findet sich bei Hugo von Sankt Viktor, Allegorien zur Genesis, Kapitel XVIII, und bei Origenes hier.
Vers 18: Du sollst in die Arche eintreten
18. „Du sollst in die Arche eingehen, du und deine Söhne, deine Frau und die Frauen deiner Söhne." — Hier werden die Männer von den Frauen getrennt, um anzudeuten, daß in der Arche Enthaltsamkeit vom ehelichen Verkehr zu üben war, da es eine Zeit der Sintflut — das heißt der Trauer und Buße — war, um Gott zu versöhnen. Daher wird niemand als in der Arche geboren überliefert, und Mose deutet dies an, wenn er in Kapitel 10, Vers 1 sagt: „Und ihnen wurden Söhne geboren nach der Sintflut." Und Kapitel 11, Vers 10: „Sem zeugte Arpachschad zwei Jahre nach der Sintflut." Den Grund gibt Damascenus an, Buch IV von De Fide, Kapitel XXV: „Er trennte sie von ihren Frauen, damit sie in Keuschheit dem Meer und jenem allgemeinen Schiffbruch entgingen." Daher vertreten die Hebräer und der hl. Hieronymus zu Sacharja Kapitel 12, zu den Worten „Die Familie des Hauses David für sich und ihre Frauen für sich"; und Abulensis hier zu Kapitel 7; und Remigius zu Joel Kapitel 2 bei den Worten „Es gehe der Bräutigam aus seiner Kammer" — alle die Auffassung, daß während der gesamten Zeit, die die Sintflut dauerte und die allgemeine Zerstörung der Welt andauerte, weder Noach noch seine Söhne sich der Zeugung widmeten, weil es eine Zeit des Trauerns, Betens und der Besänftigung Gottes war.
Vers 19: Paare von Tieren
19. „Und von allen Lebewesen sollst du je zwei hineinführen." — Man verstehe dies von den Landtieren; daher wurden auch wilde Tiere — wie Löwen, Wölfe und Tiger — paarweise in die Arche geführt. Sie waren damals zahm wie sanfte Lämmer und gehorchten Noach, jenem überaus unschuldigen Mann, so wie sie Adam im Paradies gehorcht hatten. Siehe den hl. Chrysostomus, Homilie 25. Keine Fische jedoch betraten die Arche, auch keine Amphibien, weil diese beständig sowohl im Wasser als auch auf dem Land leben. Vergebens und voreilig weisen daher einige Schriftsteller, die Hugo von Sankt Viktor in Buch I von De Arca morali, Kapitel III erwähnt, diesen Amphibien Höhlungen oder Nester zu, die Noach angeblich für sie an der Außenseite der äußersten Wand der Arche, die dem Wasser zugewandt war, angebracht habe. Denn wenn es Amphibien gibt, die so lange nicht ohne Land sein können — sei es wegen ihrer Nahrung, sei es weil sie nachts an Land Unterschlupf suchen —, dann wurden diese im Inneren der Arche mit den übrigen aufgenommen und bewahrt.
Ferner wurden nicht in die Arche gebracht Tiere, die aus Fäulnis entstehen — wie Mäuse, Würmer, Bienen und Skorpione —; auch nicht solche, die aus der Paarung verschiedener Arten geboren werden, wie das Maultier aus einer Stute und einem Esel. Von den Landtieren, die in die Arche kamen, zählt Arias Montanus in seinem Buch De Arca 450 Arten, Schlangen ausgenommen. Pererius zählt 23 Arten von Schlangen und Kriechtieren. So hätte es insgesamt etwa 175 Arten von Landtieren in der Arche gegeben, von denen nur sechs größer als ein Pferd sind, wenige gleich groß und viele kleiner selbst als Schafe. Pererius rechnet alle diese Landtiere 250 Ochsen gleich und vertritt die Ansicht, daß sie in der Arche nicht mehr Platz eingenommen hätten, als 250 Ochsen einnehmen würden.
Man findet bei Gesner und Aldrovandus kaum 150 Vogelarten, von denen wenige größer als Schwäne und die meisten kleiner sind. Die Arche konnte daher leicht alle diese fassen, da ihr Fassungsvermögen 450.000 Ellen betrug, wie ich zu Vers 15 gesagt habe.
Vers 20: Sie werden zu dir kommen
20. „Sie werden zu dir hineinkommen." — Im Hebräischen „sie werden zu dir kommen" — nämlich von selbst, auch wenn sie wild sind — und dies entweder durch Gottes Antrieb oder durch den Anstoß der Engel, so wie sie zuvor zu Adam gebracht worden waren (Kapitel 2, Vers 19). So der hl. Augustinus, Buch XV von De Civitate Dei, Kapitel XXVII. Noach hat diese Tiere also nicht aufgesucht und zur Arche gebracht, wie Philo annimmt; noch sind die Tiere selbst, als die Sintflut stärker wurde, schwimmend zur Arche geflohen, wie Hugo von Sankt Viktor sagt, angeführt bei Buteo.
Vers 21: Von allen Speisen
21. „Von allen Speisen, die gegessen werden können." — Im Hebräischen „von jeder Nahrung, die gewöhnlich gegessen wird" — nämlich sowohl vom Menschen als auch von den Tieren. Daher ist wahrer, was Johannes Buteo behauptet (obgleich Pererius das Gegenteil meint), daß nämlich die fleischfressenden Tiere in der Arche nicht Pflanzen, sondern Fleisch aßen, das Noach zu diesem Zweck in die Arche gebracht hatte (denn der Löwe zum Beispiel nährt sich nur von Fleisch).