Cornelius a Lapide
Inhaltsverzeichnis
Synopsis des Kapitels
Ein Verzeichnis der Söhne und Nachkommen Jafets bei Vers 2, und Hams bei Vers 6, und Sems bei Vers 21, und ihrer Verteilung über die Welt. Denn aus diesen Nachkommen entstanden und wurden die berühmteren Völker benannt.
Vulgata-Text: Genesis 10,1-32
1. Dies sind die Geschlechter der Söhne Noachs: Sem, Ham und Jafet; und es wurden ihnen Söhne geboren nach der Sintflut. 2. Die Söhne Jafets: Gomer und Magog und Madai und Jawan und Tubal und Meschech und Tiras. 3. Die Söhne Gomers: Aschkenas und Rifat und Togarma. 4. Die Söhne Jawans: Elischa und Tarschisch, Kittim und Dodanim. 5. Von diesen wurden die Inseln der Völker in ihren Gebieten geteilt, ein jeder nach seiner Sprache und seinen Geschlechtern in ihren Nationen. 6. Die Söhne Hams: Kusch und Mizraim und Put und Kanaan. 7. Die Söhne Kuschs: Seba und Hawila und Sabta und Ragma und Sabtecha. Die Söhne Ragmas: Scheba und Dedan. 8. Kusch zeugte auch Nimrod: Dieser begann mächtig zu werden auf der Erde, 9. und er war ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn. Daher entstand das Sprichwort: ‚Wie Nimrod, ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn.‘ 10. Der Anfang seines Reiches war Babylon und Erech und Akkad und Kalne im Lande Schinar. 11. Aus jenem Land zog Assur aus und erbaute Ninive und die Straßen der Stadt und Kalach. 12. Auch Resen zwischen Ninive und Kalach: Das ist eine große Stadt. 13. Und Mizraim zeugte Ludim und Anamim und Lehabim, Naftuhim, 14. und Patrusim und Kasluhim: Von diesen gingen die Philister und Kaftorim hervor. 15. Kanaan zeugte Sidon, seinen Erstgeborenen, und Het, 16. und den Jebusiter und den Amoriter, den Girgaschiter, 17. den Hiwiter und den Arkiter, den Siniter, 18. und den Arwaditer, den Zemariter und den Hamatiter: und danach wurden die Völker der Kanaaniter ausgebreitet. 19. Die Grenze Kanaans ging von Sidon in Richtung Gerar bis Gaza, und in Richtung Sodom und Gomorra und Adma und Zebojim bis Lescha. 20. Dies sind die Söhne Hams in ihren Geschlechtern und Sprachen und Stämmen und Ländern und Nationen. 21. Auch dem Sem wurden Kinder geboren, dem Vater aller Kinder Hebers, dem älteren Bruder Jafets. 22. Die Söhne Sems: Elam und Assur und Arpachschad und Lud und Aram. 23. Die Söhne Arams: Uz und Hul und Geter und Masch. 24. Und Arpachschad zeugte Schelach, von dem Heber geboren wurde. 25. Und dem Heber wurden zwei Söhne geboren: Der Name des einen war Peleg, denn in seinen Tagen wurde die Erde geteilt; und der Name seines Bruders war Joktan. 26. Und Joktan zeugte Almodad und Schelef und Hazarmawet, Jerach, 27. und Hadoram und Usal und Dikla, 28. und Obal und Abimael, Scheba, 29. und Ofir und Hawila und Jobab; alle diese sind die Söhne Joktans. 30. Und ihre Wohnung erstreckte sich von Mescha in Richtung Sefar, dem Berg des Ostens. 31. Dies sind die Söhne Sems nach ihren Geschlechtern und Sprachen und Gebieten in ihren Nationen. 32. Dies sind die Geschlechter Noachs nach ihren Völkern und Nationen. Von diesen wurden die Völker auf der Erde geteilt nach der Sintflut.
Vers 2: Die Söhne Jafets
Er stellt Jafet vor Sem, obwohl Jafet der Jüngere war, weil er sein Geschlecht kurz abhandelt, um ausführlicher die Nachkommen Hams und Sems zu behandeln, von denen die Kanaaniter und Hebräer abstammten, um derentwillen vor allem Mose die Genesis und den Pentateuch schrieb; und daher wird er fortan nur die Nachkommen Sems aufzählen. Zu beachten: Jafet fiel Europa zu, Ham Afrika, Sem Asien. Siehe das zu Kapitel IX,27 Gesagte.
Aus jedem von diesen entstanden nach der Zerstreuung, die sich am Turm zu Babel ereignete, einzelne Völker; aber welches von welchem abstammt, ist ungewiß: Ich werde für jeden das Wahrscheinlichere darbieten und dem hl. Hieronymus, Josephus, Isidor und Arias Montanus folgen, der diese Dinge genau im Phaleg behandelt.
Gomer. Von Gomer stammen die Gomarer oder Kimbrer und Kimmerier ab und wurden nach ihm benannt, und, wie Josephus, Hieronymus und Isidor berichten, die Galater: Denn die Galater waren Kimbrer; denn jene, die unter der Führung des Brennus nach Asien einbrachen, waren Kimbrer, und in Asien und Griechenland wurden sie Gallograecer genannt, von ihrer milchweißen Hautfarbe (denn γάλα bedeutet im Griechischen Milch); daher lehrt auch der hl. Hieronymus in seinem Vorwort zum Brief an die Galater, daß die Galater die treverische Sprache verwendeten (die gewiß germanisch war): Siehe das dort im Proömium Gesagte.
Magog. Von ihm stammen die Geten und Massageten, skythische Völker, sowie die Tataren ab, über die Ezechiel in den Kapiteln 38 und 39 spricht.
Madai. Nach der Zerstreuung von Babel ging er nach Medien, und von ihm stammen die Meder ab und wurden benannt, ebenso das Land Medien.
Jawan. Von ihm stammen die Ionier und alle Griechen ab, und daher wurde Griechenland zuerst Ionien genannt. So sagt Josephus.
Tubal. Von ihm stammen die Iberer ab und wurden nach ihm benannt, gleichsam Ibeli oder Tibeli. Die Iberer, sage ich, sowohl die asiatischen am Schwarzen Meer als auch die europäischen, nämlich die Spanier: Ob die letzteren von den ersteren oder die ersteren von den letzteren abstammen. So sagen Mariana, Delrio, Oleaster und Arias. Ebenso deutet Ezechiel, Kapitel 38, an, daß gewisse andere Völker aus den hier genannten von Europa nach Asien oder umgekehrt überführt wurden, sei es zum Kriegsdienst oder zur Kolonisierung, wo er mit asiatischen Namen und Völkern einige jener verbindet, die wir hier in Europa ansiedeln.
Meschech. Von ihm scheinen die Moskauer abstammen und ihren Namen erhalten zu haben, obwohl der hl. Hieronymus und Josephus meinen, daß die Kappadokier von Meschech abstammten.
Tiras. Von ihm stammen die Thrakier ab, wie die Ausleger gewöhnlich lehren, obwohl Eugubinus meint, daß die Tyrier von Tiras abstammten.
Aschkenas. Von ihm stammen die Tuiskonen ab, die später wegen ihrer Stärke und Tüchtigkeit Germanen oder Alemannen genannt wurden, gleichsam „ganz Männer“. Daher nennen die Hebräer Deutschland im Hebräischen noch heute „Aschkenas“. So sagen Oleaster, Delrio und andere. Es ist wahrscheinlich, daß Aschkenas in Asien bei den Medern wohnte (denn er wird zusammen mit den Medern zur Zerstörung Babylons gerufen, Jeremia 51,27), daß aber viele seiner Nachkommen nach Europa übersetzten und von ihnen unsere Askanier oder Tuiskonen, das heißt die Germanen, abstammen. So sagt Torniellus zum Jahre der Welt 1931, Nr. 21.
Rifat. Josephus meint, die Paphlagonier stammten von ihm ab.
Togarma. Von ihm stammen die Türken ab, die Turkmanen oder Dragomanen genannt werden: Daher nennen die Hebräer noch heute den König der Türken „Togar“; obwohl Josephus meint, die Phryger seien von Togarma abstammend.
Vers 4: Elisa, Tarschisch, Kittim und Dodanim
Elisa. Das chaldäische Targum hält die Italier für von ihm abstammend; Pererius hingegen meint, daß von Elisa die Bewohner der Glückseligen Inseln abstammten, die daher Elisiae genannt wurden.
Tarschisch. Von ihm stammen die Tarsier und die benachbarten Kilikier ab.
Kittim. Von ihm stammen die Kitier, Zyprioten und Kreter ab. Daher werden Zypern, Kreta und andere Inseln des Mittelmeeres in der Heiligen Schrift Kittim genannt.
Dodanim. Viele leiten die Rhodier von ihm ab, als ob Dodanim Rhodanim wäre und das Dalet für den ähnlichen Buchstaben Resch eingesetzt worden sei. Andere hingegen leiten die Dodonäer in Epirus von ihm ab.
Vers 5: Die Inseln der Völker
VON DIESEN WURDEN DIE INSELN DER VÖLKER GETEILT -- „nach ihrer Sprache“, wie es folgt; daher geschah dies nach der Zerstreuung, die zu Babel stattfand: Es ist eine Prolepsis. Zu beachten: Die Hebräer nennen alle Gebiete, zu denen man von Judäa aus mit dem Schiff reist, „Inseln“, ob sie nun wirklich Inseln sind oder nicht, sondern Festland, wie ich zu Jeremia 25,22 gesagt habe.
Vers 6: Die Söhne Hams
Kusch. Von ihm stammen die Äthiopier ab, die sich daher in ihrer eigenen Sprache Kuschiten nennen. So die Septuaginta, der hl. Hieronymus, Isidor und andere.
Mizraim. Von ihm wurde Ägypten besiedelt und bevölkert, das daher im Hebräischen Mizraim heißt und von den Arabern und Türken noch heute Mesra genannt wird. Zu beachten: In Psalm 105,22 und Psalm 104,27 und Psalm 77,51 wird Ägypten das Land Hams genannt; woraus hervorgeht, daß Ham, der Sohn Noachs und Vater Mizraims, als erster Ägypten besiedelte und das Reich Ägyptens verwaltete, weshalb er der ägyptische Saturn genannt wurde, wie Berosus lehrt, Bücher IV und V, und Diodor, Buch I. Daher meinen auch einige, daß Ham Hammon oder Jupiter Hammonium sei. Denn die Buchstaben sind dieselben, und das Wort Ham und Hammon sind dasselbe. Dem Vater Ham folgte sein Sohn Mizraim nach, von dem Berosus und nach ihm Annius von Viterbo meinen, er sei derselbe wie Osiris, der der berühmteste König und Gott der Ägypter war und Isis zur Frau hatte. Für diese Meinung spricht die Verwandtschaft der Wörter Mizraim und Osiris, wenn man sie auf ihren hebräischen Ursprung zurückführt und die dienenden Buchstaben entfernt -- beim ersteren das Mem, beim letzteren das Aleph mit Cholem; denn dann ist Mizraim Osiris. Doch andere geben eine andere Etymologie für Osiris, wie ich zu Kapitel 41 sagen werde.
Put. Von ihm sollen die Libyer und Mauretanier abstammen, bei denen es einen Fluß namens Put gibt, der von Plinius, Naturgeschichte Buch V, Kapitel 1, erwähnt wird.
Kanaan. Daß die Kanaaniter von ihm abstammen, ist völlig klar.
Vers 7: Saba und Hewila
Saba. Es gibt zwei Saba: Der erste ist dieser, der Sohn des Kusch war; er wird im Hebräischen mit einem Samech geschrieben. Von ihm scheinen die Abessinier abzustammen, deren Königsstadt Saba hieß, die danach von Kambyses nach dem Namen seiner Schwester Meroe genannt wurde, von der jene Königin zu Salomo kam, die die Königin von Saba genannt wird. Der zweite Saba war der Sohn Ragmas; dieser wird im Hebräischen mit einem Schin geschrieben. Von ihm stammen die arabischen Sabäer ab, von denen es heißt: „Die Sabäer senden ihren Weihrauch.“ So die Septuaginta, Psalm 72,20, und der hl. Hieronymus hier.
Hewila. Von ihm stammen die Getulier in Afrika ab, sagt der hl. Hieronymus und Josephus. Ebenso die Hewiliter, die in Hewila am Persischen Golf und bei den Amalekitern wohnten, 1 Könige 15,7. In diesem Hewila wohnte auch Ismael, der Sohn Abrahams, Genesis Kapitel 25, Vers 18.
Vers 8: Kusch zeugte Nimrod
8. KUSCH ZEUGTE NIMROD, -- der unter allen Söhnen Kuschs als Fürst hervorragte. Er wird im Hebräischen passend Nimrod genannt, das heißt „Rebell“, weil er der erste Tyrann war, der andere unterdrückte und in Knechtschaft zwang, und ein Verächter Gottes war. So der hl. Hieronymus, Josephus, Alkuin und andere.
ER SELBST BEGANN MÄCHTIG ZU WERDEN AUF DER ERDE. -- Die Septuaginta übersetzt: „Er war ein Riese“, nämlich mächtig an Körpermasse, an Stärke, an Kühnheit und an Hochmut und Grausamkeit, sagt der hl. Augustinus. Es scheint daher, daß Nimrod der erste Riese nach der Sintflut war. Ferner war er selbst mächtig an Reichtum und an der Anmaßung der Herrschaft; denn er begann, sich die Menschen tyrannisch zu unterwerfen. Der erste Fürst und König in der Welt war daher Nimrod, und zwar ein Tyrann, sagt Abulensis.
Vers 9: Ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn
9. UND ER WAR EIN GEWALTIGER JÄGER VOR DEM HERRN. -- „Jäger“, nicht so sehr von wilden Tieren, wie Vatablus, Cajetan und Aben-Esra meinen, als vielmehr von Menschen; denn durch Gewalt und List ergriff und unterdrückte er Menschen, sei es durch Beraubung oder Tötung oder Versklavung, so wie die Brasilianer und andere Indios noch heute Menschen jagen. So der hl. Augustinus, Gottesstaat Buch XVI, Kap. 4, Lyra, Abulensis und andere. „Jäger“ ist daher dasselbe wie Räuber und Plünderer. So zählte Aristoteles das Räuberunwesen (lotreia) zu den Arten der Jagd, und von der Jagd auf wilde Tiere folgt leicht die Jagd auf Menschen. Daher berichtet Xenophon, Buch I der Erziehung des Kyros, daß Kyros seine Perser zum Krieg ertüchtigte, indem er sie in der Jagd und Erlegung von Tieren übte; wie auch im vorigen Jahrhundert Ismail Sophi tat, der den Türken das Perserreich entriß und es erheblich ausdehnte. Denn die Übung der Jagd ist gleichsam eine Vorstunde für Kriege und Schlachten.
VOR DEM HERRN. -- Die Septuaginta hat „enantion Kyriou“, was der hl. Augustinus mit „gegen den Herrn“ übersetzt; woher Isidor, Etymologien Buch VI, berichtet, daß Nimrod die von Gott abgezogenen Menschen zum Götzendienst zwang, nämlich zur Feueranbetung in Chaldäa, nach der Zerstreuung am Turm zu Babel. Daß aber nicht „gegen“, sondern „vor dem Herrn“ zu übersetzen ist, geht klar aus dem Hebräischen „liphne“ hervor, das heißt „vor dem Herrn“. Nun bedeutet „vor dem Herrn“ soviel wie „wahrhaft“ und „in hervorragender Weise ein solcher“; das heißt, ein solcher nach dem Urteil Gottes, der nicht getäuscht werden kann. Daher ging Nimrod in ein Sprichwort über, so daß von einem bemerkenswerten Tyrannen gesagt wird, er sei wie ein zweiter Nimrod, ein Jäger und Plünderer. Cajetan fügt hinzu, daß „vor dem Herrn“ hinzugefügt wird, um die Schwere des Verbrechens zu steigern; denn ein Verbrechen wird als schwerer beurteilt, wenn es vor den Augen des Richters begangen wird.
Darüber hinaus bringen andere drei neue Auslegungen vor. Die erste lautet: „vor dem Herrn“, weil er prächtige Opfertiere, die er in der Jagd erbeutet hatte, dem Herrn an den Altären schlachtete, sagen Aben-Esra, Kimchi und die Hebräer. Zweitens: „vor dem Herrn“, das heißt, damit er die Menschen zum bürgerlichen Leben und zur Monarchie zwinge, die durch Gottes Wink und Wohlgefallen eingeführt wurde. Drittens: Melchior Canus, De Locis Buch II, Kap. 15, „vor dem Herrn“, das heißt unter freiem Himmel, gleichsam als wollte man sagen: Nimrod jagte die wie Tiere über die Felder schweifenden Menschen unter freiem Himmel und versammelte sie unter Dächern und in bürgerlicher Gesellschaft.
Doch nach diesen Auslegungen wäre Nimrod ein kluger und lobenswerter Fürst gewesen; es steht jedoch fest, daß er gottlos und ein Tyrann und ein Verächter Gottes und der heiligen Religion war.
Vers 10: Der Anfang seines Reiches war Babylon
10. DER ANFANG SEINES REICHES WAR BABYLON. -- Daher bemerken die Ausleger allgemein, daß dieser Nimrod entweder der Vorgänger und, wie der Annianische Berosus sagt, der Vater des Jupiter Belus und Großvater des Ninus war, nämlich der erste Saturn; oder vielmehr, wie der hl. Hieronymus, Augustinus, Eusebius, Pererius und andere urteilen, daß dieser Nimrod Belus selbst war, der Vater des Ninus. Denn die Tyrannei, der Charakter, die Zeit und der Königssitz von Babel stimmen bei Nimrod und Belus in allem überein; jeder von beiden war der erste König von Babylon, jeder der Urheber des Götzendienstes, nach dem hl. Hieronymus, Cyrill, Pererius und anderen; und als erster ordnete sein Sohn Ninus an, daß sein Vater Belus öffentlich mit göttlichen Ehren als Gott verehrt werde; und daher wurden von Belus die Götzenbilder bei den Hebräern, Syrern und Phöniziern bel, baal, baalim genannt: denn bel oder baal ist dasselbe wie Belus. Der Eigenname des Belus war also Nimrod, der appellativ und antonomastisch Bel, Baal und Belus genannt wurde, das heißt Herr und Herrscher: so wie noch heute die Türken und Tataren ihren König den Großen Khan oder den Großen Herrn nennen.
Dieser Belus war also der erste Jupiter, der erste und gemeinsame Gott der Heiden. Daher erbaute diesem selben Jupiter Belus Semiramis, die Frau des Ninus, einen höchst prachtvollen Tempel, wie Diodor bezeugt, Buch III, Kap. 4, in dem das Grab des Belus war, bewundernswert an Größe und Bauwerk; denn es war ein Stadion hoch, nach Strabo, Buch XVI. Und dies war der Ursprung des Götzendienstes, um das dreihundertste Jahr nach der Sintflut. Denn obwohl Tertullian in seinem Buch Über den Götzendienst meint, daß es Götzenbilder schon vor der Sintflut gab, versichert dennoch Cyrill, Bücher I und III Gegen Julian, daß der uns bekannte Götzendienst seinen Ursprung nach der Sintflut vom Vater des Königs Ninus nahm, den Cyrill selbst Arbelus nennt und den wir Belus nennen. Ein Hinweis darauf ist auch die Tatsache, daß die meisten Götzenbilder der Heiden, besonders der Orientalen, von diesem Bel oder Belus benannt sind, wie Beelzebub, Beelphegor, Baalberit, Baalsames. Siehe das zu Kapitel 4, Vers 26 Gesagte.
Zu beachten: Nimrod war der Urheber, Erfinder und Gründer des Turmes und der Stadt Babel; doch Semiramis, die Frau des Ninus, stellte sie später wieder her und vergrößerte und schmückte sie auf wunderbare Weise, und aus diesem Grund behaupten Herodot, Diodor von Sizilien, Strabo, Mela, der hl. Hieronymus, Josephus, Justin und andere, daß Babylon von ihr gegründet wurde.
Zweitens zu beachten: Nimrod oder Belus begann in Babel um das Jahr 170 nach der Sintflut zu herrschen, als dort die Teilung der Sprachen und Völker stattfand; doch allmählich an Kräften und Macht zunehmend, wurde er König und gleichsam Monarch im Jahre 184 nach der Sintflut und regierte 65 Jahre (denn so viele Jahre schreiben alle Geschichtsschreiber der Herrschaft des Belus zu), nämlich bis zum Jahr 249 nach der Sintflut, als er starb und sein Sohn Ninus ihm nachfolgte. Denn im 43. Jahr des Ninus wurde Abraham geboren, wie alle berichten; und Abraham wurde im Jahr 292 nach der Sintflut geboren; also fällt das 43. Jahr der Herrschaft des Ninus in das Jahr 292 nach der Sintflut; und folglich fällt, rückwärts gezählt, das erste Jahr der Herrschaft des Ninus in das Jahr 249 nach der Sintflut. In jenem Jahr 249 also schied Belus oder Nimrod aus seinem Reich und Leben, und sein Sohn Ninus folgte ihm nach.
Schließlich heißt Babylon heute Baldag oder Bagdad; obwohl das alte Babylon eigentlich nicht mehr besteht, sondern völlig zerstört wurde, und Baldag, das heute existiert, an einem nahen Ort errichtet wurde, wie Ortelius lehrt.
UND ERECH -- das danach Edessa genannt wurde, eine Stadt in Coelesyrien, in der Abgar herrschte, dem Christus Sein Bild sandte, nach Eusebius.
AKKAD. -- Dies ist Nisibis, eine Stadt Mesopotamiens am Tigris, in der der hl. Jakobus von Nisibis wirkte, über den Theodoret [schreibt].
KALNE. -- Dies ist entweder Seleukia oder gewiß Ktesiphon, die Königsstadt der Perser, sagt der hl. Hieronymus.
DAS LAND SCHINAR. -- So wird das Feld rings um Babylon genannt; er fügt dies zur Unterscheidung von dem anderen Babylon hinzu, das in Ägypten liegt und jetzt Kairo heißt.
Vers 11: Aus jenem Land zog Assur aus
11. AUS JENEM LAND (Schinar, das heißt von Babylon) ZOG ASSUR AUS. -- Josephus und nach ihm der hl. Augustinus und Hieronymus meinen, daß dieser Assur der zweite Sohn Sems sei, über den siehe Vers 22; denn er wird hier durch Vorwegnahme eingefügt, anläßlich des Reiches von Babylon, auf das unmittelbar das Reich der Assyrer in Ninive folgte, dessen Gründer dieser Assur war; denn von diesem Assur scheinen die Assyrer abzustammen und ihren Namen erhalten zu haben, und von demselben wurde die Stadt gegründet, die später von Ninus wiederhergestellt und erheblich vergrößert und Ninive genannt wurde. Diese Meinung ist wahrscheinlich.
Da aber all dies zu den Söhnen nicht Sems, sondern Hams gehört, bis zu Vers 21, wo Mose zuerst die Söhne Sems behandelt, urteilen Pererius, Delrio und andere richtiger, daß dieser Assur Ninus ist, der Sohn des Belus; denn alle Alten stimmen überein, daß Ninive, oder die Stadt des Ninus, von ihm gegründet und benannt wurde. Ninus wird hier also Assur genannt, entweder weil er zwei Namen hatte, oder vielmehr wird er durch Vorwegnahme Assur genannt, weil er danach der erste König und Monarch der Assyrer war.
Vers 12: Das ist eine große Stadt
12. DAS IST EINE GROSSE STADT. -- „Diese“, nämlich nicht Kalach, sondern Ninive, das an erster Stelle als die vornehmste und bedeutendste genannt wird; denn der Text kehrt auf hebräische Weise zu dieser, obgleich entfernteren, Stadt zurück und bezieht sich auf sie. Denn Ninive war zur Zeit des Ninus die größte aller Städte der Welt, der weder zuvor noch danach auf dieser Welt eine gleiche hatte; denn der Umfang der Stadt betrug 480 Stadien, das heißt sechzigtausend Schritte; die Höhe der Mauern betrug hundert Fuß, und die Breite war so groß, daß drei Wagen nebeneinander fahren konnten; sie hatte 150 Türme, jeden zweihundert Fuß hoch. So Pererius nach Diodor und Strabo. Später, zur Zeit des Propheten Jona, war sie so groß, daß sie in weniger als drei Tagen nicht Straße für Straße durchschritten und besichtigt werden konnte. Daher nennt Jona sie eine Stadt von drei Tagereisen.
Vers 13: Die Nachkommen Mizraims
13. Ludim. Daher die Lydier, nicht jene, über die Krösus herrschte, sondern andere bei Ägypten, von denen Jesaja 46,9 und Ezechiel 30,5 [sprechen].
Laabim. Daher die Libyer in Afrika.
Naftuhim. Daher die Numidier.
14. Patrusim. Daher die peträischen Araber, deren Hauptstadt die Stadt Petra war.
Kasluhim. Dies sind die Philister, mit denen die Juden ewigen Krieg führten: Denn obwohl Gott Abraham und den Juden nur Kanaan gab, damit sie die Kanaaniter, die Nachkommen Kanaans, vernichteten, hatten dennoch die Philister einen Teil Kanaans besetzt, nachdem sie die Kanaaniter vertrieben hatten, wie aus Zefanja 2,5 hervorgeht. Ebenso vertrieben die Kappadokier die Hiwiter, die Kanaaniter waren, aus ihrem Land, wie in Deuteronomium 2,23 gesagt wird; weshalb die Hebräer von beiden mit Recht das ihnen geschuldete und von Gott gegebene Land Kanaan im Krieg zurückforderten.
Kaftorim. Daher die Kappadokier. So die Septuaginta und unsere [Vulgata].
Vers 16: Der Hetiter, der Jebusiter und andere kanaanäische Völker
16. DER HETITER, DER JEBUSITER usw. -- Zu beachten: All dies sind Namen von Völkern, die von den Söhnen Kanaans abstammten; denn vom Stammvater Het wurden die Hetiter benannt; von Jebus die Jebusiter; von Sin die Siniter usw., wie aus dem Hebräischen hervorgeht.
Villalpando, Teil I von De Urbe et Templo, Buch I, Kap. 10, vertritt die Ansicht, daß Jebus oder der Jebusiter, der Sohn Kanaans und Urenkel Noachs, Jerusalem gründete, das nach ihm Jebus genannt wurde; so wie sein Bruder Sidon nach Josephus die Stadt Sidon gründete; und Amathus die Stadt Hamat und Aradius die Stadt Arad gründete.
17. Der Siniter. Die Siniter hier sind die Chinesen, die nahe Japan wohnen, über deren Bekehrung zu Christus Jesaja prophezeite, Kapitel 49, Vers 12, im hebräischen Text, wie ich dort gesagt habe. So einige [Autoren]. Da aber die übrigen Nachkommen Kanaans, von denen hier die Rede ist, nicht in Indien, sondern in Judäa oder nahe Judäa wohnten, scheinen diese Siniter eher die Bewohner der Wüste und des Berges Sinai gewesen zu sein. Dieser Siniter ist verschieden vom Keniter mit K, wie ich zu Richter Kapitel 4, Vers 17 sagen werde.
18. Der Arwaditer. Von diesem Mann oder vielmehr Volk wurden die Städte Aradus und Antaradus bei Sidon gegründet und benannt, worüber siehe Ezechiel 27,8.
Der Samariter. Die Samariter scheinen dieselben zu sein wie die Perisiter, und von ihrem Vorfahren, nicht diesem alten, sondern dem späteren, der zur Zeit Omris, des Königs von Israel, lebte und ebenfalls Schemer oder Schomer genannt wurde, erhielten sowohl der Berg als auch die Stadt und das Gebiet den Namen Samaria, 3 Könige 16,24.
Der Hamatiter, -- Bewohner der Stadt Hamat, die in der Schrift zweifach ist, nämlich Hamat das Größere, das Antiochia ist; und Hamat das Kleinere, das Epiphania ist.
Vers 19: Die Grenzen Kanaans
Vers 19 beschreibt die Grenzen des von den Kanaanitern besetzten Landes. Die nördliche Grenze wird bei Sidon festgelegt, die südliche von Westen her bei Gerar und Gaza, die südliche von Osten her bei Sodom, Gomorra, Adma, Zebojim und Lescha.
Vers 21: Die Söhne Sems
21. DER BRUDER JAFETS, DES ÄLTEREN. -- Das hebräische „haggadol“ ist indeklinabel, weshalb es sowohl als „des Älteren“ im Genitiv übersetzt werden kann, wie die Septuaginta übersetzt, als auch als „der Ältere“ im Ablativ. Die Hebräer, Lyra und Tostatus übersetzen es als „des Älteren“ und beziehen es auf Jafet: Woraus sie schließen, daß Jafet der Erstgeborene Noachs war, Ham der zweite und Sem der dritte und letzte. Doch richtiger ist die Übersetzung „der Ältere“; denn so übersetzt unsere [Vulgata], Pagninus, Vatablus, Cajetan und andere: Denn all dies dient dem Lob nicht Jafets, sondern Sems; denn anderswo, wie in Kapitel 9, Vers 24, wird unter den Söhnen Noachs Sem an erster Stelle genannt, Ham an zweiter und Jafet an dritter.
Man wird einwenden: Noach begann diese drei Söhne im 500. Jahr seines Lebens zu zeugen, wie am Ende von Kapitel 5 angegeben wird: Also zeugte er in diesem Jahr 500 Jafet, im Jahr 501 Ham und im Jahr 502 Sem; denn Genesis 11,11 sagt, daß Sem zwei Jahre nach der Sintflut (die im Jahr 600 Noachs geschah) hundert Jahre alt war: Also wurde Sem im Jahr 502 Noachs geboren, und folglich wurde im Jahr 500 Noachs Jafet geboren und war der Erstgeborene Noachs.
Ich antworte: Die Schrift gibt oft nur runde Zahlen an, verschweigt aber kleine und geringfügige. So verstehe hier, wenn es in Kapitel 5, Vers 32 heißt, daß Noach im Jahr 500 zu zeugen begann, nicht genau 500, sondern 502. Oder gewiß: Wenn es in Kapitel 11 heißt, daß Sem zwei Jahre nach der Sintflut 100 Jahre alt war, als er Arpachschad zeugte, verstehe nicht genau 100, sondern 102; denn die Schrift kümmert sich nicht um die Zahl zwei als geringfügig in einer so großen Zahl und verschweigt sie.
22. DIE SÖHNE SEMS: ELAM. -- Daher die Elamiter, das heißt die Perser; ebenso von Assur die Assyrer, von Lud die Lydier, deren König Krösus war; von Arpachschad stammen die Chaldäer ab, sagt der hl. Hieronymus.
ARAM. -- Daher die Aramäer, das heißt die Syrer. Zu beachten: In den Schriften erstreckt sich Syrien weit und umfaßt Armenien und sogar Mesopotamien, das Aram Naharaim genannt wird, das heißt „Syrien der zwei Flüsse“, weil es zwischen Tigris und Euphrat liegt, wie ich ausführlicher zu Kapitel 25, Vers 20 sagen werde.
Vers 24: Heber und der Ursprung der Hebräer
24. HEBER. -- Von dem die Hebräer abstammen und ihren Namen erhielten, die allein die ursprüngliche Sprache des Paradieses, nämlich das Hebräische, zusammen mit der wahren Gottesverehrung in der Teilung der Völker und Sprachen zu Babel bewahrten, obwohl es auch einen anderen Ursprung des Wortes Hebräer gibt, wie ich zu Kapitel 14, Vers 13 sagen werde.
Einige meinen, daß Heber zu der Zeit geboren wurde, als sein Großvater Arpachschad von Armenien aufbrechend den Tigris überquerte und als erster von allen sich in Chaldäa niederließ und daher den damals geborenen Säugling Heber nannte, das heißt „einer, der überquert“, nämlich den Tigris. Für diese Meinung spricht, was der hl. Hieronymus und Josephus lehren, Altertümer Buch I, Kap. 7, nämlich daß die Chaldäer von Arpachschad abstammen.
Vers 25: Peleg, denn in seinen Tagen wurde die Erde geteilt
25. PELEG, DENN IN SEINEN TAGEN WURDE DIE ERDE GETEILT. -- Denn Peleg ist im Hebräischen dasselbe wie „Teilung“: Diese Teilung und Zerstreuung geschah zu Babel, worüber siehe Kapitel 11.
Man fragt, ob diese Teilung der Sprachen und Völker bei der Geburt, in der Mitte oder am Ende des Lebens Pelegs stattfand. Der hl. Augustinus, Gottesstaat Buch XVI, Kap. 11, und Pererius meinen, sie habe bei der Geburt Pelegs stattgefunden: Denn daher wurde der Knabe Peleg genannt. Zweitens und besser meinen die Hebräer, der hl. Hieronymus, Chrysostomus, Tostatus und Lyra, sie habe nicht bei seiner Geburt, sondern während des Lebens Pelegs stattgefunden: Denn sein Vater Heber, ein heiliger Mann, gab dem neugeborenen Sohn prophetisch den Namen Peleg nach einem nicht gegenwärtigen, sondern zukünftigen Ereignis, das er im Geiste voraussah.
Und so sage ich, daß es wahrscheinlicher scheint, daß um das Jahr 170 nach der Sintflut, als Peleg bereits 70 Jahre alt war (denn er wurde im Jahr 101 nach der Sintflut geboren, wie aus Kapitel 11, Vers 15 und 16 hervorgeht), diese Teilung stattfand. Dies wird erstens bewiesen, weil um dieses Jahr 170, nachdem diese Teilung zu Babel vollzogen war, Nimrod zu herrschen begann, wie ich zu Vers 10 gesagt habe; zweitens, weil die Schrift hier nicht sagt, bei der Geburt, sondern in den Tagen Pelegs sei die Erde geteilt worden; drittens, weil im Jahr 101 nach der Sintflut, als Peleg geboren wurde, die Menschen sich nicht so vermehrt zu haben scheinen, daß sie in 70 Völker und Sprachen geteilt werden konnten; denn es war damals erst die zweite oder höchstens dritte Generation nach der Sintflut. Man füge hinzu, was noch dringlicher ist: Heber zeugte im Alter von 34 Jahren Peleg und nach ihm, wie es scheint, Joktan. Joktan aber hatte viele Söhne, wie hier gesagt wird, die bei der Zerstreuung von Babel schon hochbetagt waren und ein jeder in sein eigenes Gebiet, Volk und seine eigene Sprache zerstreut wurden, ebenso wie die anderen, die hier genannt werden, wie aus Vers 31 hervorgeht. Also wurde die Erde nicht bei der Geburt Pelegs geteilt, sondern als er schon hochbetagt war (da sein jüngerer Bruder Joktan bereits so viele und so hochbetagte Söhne hatte). So Diodor, Lipomanus und andere.
Der hl. Augustinus antwortet, daß Joktan nicht jünger, sondern älter als Peleg gewesen sei. Doch dies scheint kaum wahrscheinlich: Denn Peleg wird hier vor Joktan genannt; aber mag es wahr sein, so muß Joktan nur kurze Zeit vor Peleg geboren worden sein: Denn Peleg wurde im 34. Lebensjahr seines Vaters Heber geboren; so mag Joktan im Jahr 30 oder 25 Hebers geboren worden sein, und er wäre so höchstens neun Jahre älter als Peleg gewesen; und daher hätte Joktan bei der Geburt Pelegs nicht so viele und so große Söhne haben können.
Daraus folgt, daß falsch ist, was die Hebräer im Seder Olam berichten, nämlich daß diese Teilung der Sprachen und Völker am Ende des Lebens Pelegs stattfand, das heißt um das Jahr 340 nach der Sintflut, nämlich 10 Jahre vor dem Tod Noachs; denn in diesem Jahr 340 war Abraham bereits geboren und 48 Jahre alt: Doch vor Abraham hatte Ninus gegen Zoroaster mit sehr vielen versammelten Völkern gekämpft, wie ich gegen Ende des vorhergehenden Kapitels gesagt habe: Also waren die Völker damals längst schon geteilt und zerstreut worden.
Vers 29: Ofir, Hewila und die Söhne Joktans
29. OFIR, HEWILA. -- Daher die Inder und verschiedene Völker der Inder. So der hl. Hieronymus und Arias, der ebenso auf Jobab jenen Teil der Neuen Welt bezieht, der Parias genannt wird. Die Nachkommen der übrigen, die hier genannt werden, sind unbekannt.
Vers 31: Dies sind die Söhne Sems
31. DIES SIND DIE SÖHNE SEMS NACH IHREN GESCHLECHTERN UND SPRACHEN. -- Daher lehrt Philastrius, De Haeresibus Kap. 106, daß fest geglaubt werden muß, daß es vor dem Turm zu Babel verschiedene Sprachen gab, die aber alle Menschen damals verstanden; in der babylonischen Zerstreuung jedoch blieb in jedem Familienvater nur eine Sprache übrig, die sich von der Sprache jedes anderen Familienvaters unterschied. Dem stimmt Nikolaus von Kues bei, der in seinem Compendium, Kap. 3, sagt: „Die erste Kunst des Sprechens war so reich an vielen Synonymen, daß alle Sprachen, die später geteilt wurden, in ihr enthalten waren, und Adam selbst, wenn jemand in jenen [Sprachen] zu ihm spräche, alle verstehen würde, da er alle Wörter auferlegt hatte, und vielen plötzlich die Beherrschung der Sprachen gewährt wurde.“
Daß dies aber falsch ist, geht aus dem folgenden Kapitel hervor, wo die Erde vor dieser Zerstreuung als von einer Lippe und Sprache beschrieben wird. Dies ist daher eine Prolepsis oder Vorwegnahme; denn die Sprachen werden hier nicht als solche bezeichnet, die bereits bestanden, sondern die kurz danach zu Babel entstehen sollten. So der hl. Augustinus, Rupert und andere.
Vers 32: Von diesen wurden die Völker geteilt
32. VON DIESEN WURDEN DIE VÖLKER GETEILT. -- Gewöhnlich zählen die hl. Augustinus, Hieronymus, Prosper und Epiphanius 72 Völker und Sprachen, in die die Menschen bei der Zerstreuung von Babel geteilt wurden: Denn so viele Personen, nämlich zweiundsiebzig, finden sich in diesem Kapitel benannt und aufgezählt, nämlich 14 von den Söhnen Jafets, 31 von den Söhnen Hams und 27 von den Söhnen Sems. Denn sie fügen Kainan hinzu, den die Septuaginta hinzufügt. Doch im folgenden Kapitel werde ich zeigen, daß Kainan zu entfernen ist. Ferner müssen hier die Namen der Väter abgezogen werden: Denn die Väter bildeten kein von ihren Söhnen verschiedenes Geschlecht oder Volk; wenn diese also abgezogen werden, bleiben 55 Söhne übrig, von denen jedem einzelnen ein eigenes Volk entstand, da bei der Zerstreuung von Babel jedes seine eigene Sprache oder Mundart erhielt; worüber siehe ausführlich Pererius, Bücher XV und XVI.
Aus dem Gesagten folgt, daß diese Völker über die ganze Welt zerstreut wurden, und folglich sowohl über die untere als auch über die obere Hemisphäre. Daraus folgt, daß die einen den anderen Antipoden sind und mit entgegengesetzten Fußspuren stehen und gehen. Plinius bestritt, daß es Antipoden gibt, Buch II, Kap. 67; ebenso Cicero, Mela und Gregor von Nazianz, Brief 71 an Posthumianus, und Augustinus, Gottesstaat Buch XVI, Kap. 9. Der Grund, der sie bewegte, war die Unermeßlichkeit des Ozeans, der zwischen dieser Welt und der neuen liegt, die ihnen unüberwindlich schien, so daß Menschen nicht von dieser Welt in die neue hinübergelangen konnten.
Doch auf dieses Argument habe ich zu Kapitel 8, Vers 17 geantwortet. Denn aus den Seefahrten der Spanier steht nun fest, daß Amerika von Menschen bewohnt wird und daß sie unsere Antipoden sind.
Ferner wird daraus gefolgert, daß diese Völker über alle Klimazonen der Welt zerstreut wurden und nicht nur die Gebiete innerhalb der Wendekreise bewohnen, sondern auch jene jenseits davon und fast unter den Polen, sowie darüber hinaus unter dem Äquator, unter dem die Alten einst die heiße Zone ansetzten, die sie wegen der Hitze für unbewohnbar hielten.
Doch aus denselben Seefahrten der Spanier steht fest, daß die heiße Zone von Menschen bewohnt wird und gemäßigt ist, und zwar sowohl durch die Fülle der Regenfälle, die Kürze der Sommertage, die Nähe des Ozeans, die beständigen Winde, von denen sie durchweht wird, als auch durch andere Mittel und Heilmittel der göttlichen Vorsehung, wie der Augenzeuge Joseph de Acosta lehrt, De Novo Orbe Buch II, Kap. 8 und folgende. Denn so erfüllt Gott Seinen Ratschluß, den Er in Kapitel 1, Vers 28 festsetzte: „Füllet die Erde.“