Cornelius a Lapide
Inhaltsverzeichnis
Synopsis des Kapitels
Abraham lässt seinen Diener schwören, für Isaak eine Frau aus Haran zu suchen; der Diener bringt Rebekka, und Isaak nimmt die Herbeigeführte zur Frau.
Vulgata-Text: Genesis 24,1-67
1. Abraham war nun alt und hochbetagt, und der Herr hatte ihn in allem gesegnet. 2. Und er sprach zu dem ältesten Diener seines Hauses, der über alles gesetzt war, was er besaß: Lege deine Hand unter meine Hüfte, 3. dass ich dich schwören lasse beim Herrn, dem Gott des Himmels und der Erde, dass du meinem Sohn keine Frau nimmst von den Töchtern der Kanaaniter, unter denen ich wohne; 4. sondern dass du in mein Land und zu meiner Verwandtschaft ziehst und dort meinem Sohn Isaak eine Frau nimmst. 5. Der Diener antwortete: Wenn die Frau nicht mit mir in dieses Land kommen will, muss ich dann deinen Sohn an den Ort zurückbringen, von dem du ausgezogen bist? 6. Und Abraham sprach: Hüte dich, dass du meinen Sohn niemals dorthin zurückbringst. 7. Der Herr, der Gott des Himmels, der mich aus meines Vaters Haus und aus meinem Geburtsland genommen hat, der zu mir geredet und mir geschworen hat und sprach: Deinem Samen will ich dieses Land geben -- er selbst wird seinen Engel vor dir hersenden, und du wirst dort meinem Sohn eine Frau nehmen. 8. Wenn aber die Frau dir nicht folgen will, so bist du von dem Eid nicht gebunden; nur bringe meinen Sohn nicht dorthin zurück. 9. Da legte der Diener seine Hand unter die Hüfte Abrahams, seines Herrn, und schwor ihm in dieser Sache. 10. Und er nahm zehn Kamele aus der Herde seines Herrn und zog fort, indem er allerlei Kostbarkeiten seines Herrn mit sich führte, und er machte sich auf und ging nach Mesopotamien, in die Stadt Nachors. 11. Und als er die Kamele draußen vor der Stadt an einem Wasserbrunnen hatte niederknien lassen, am Abend, zur Stunde, da die Frauen hinauszugehen pflegen, um Wasser zu schöpfen, sprach er: 12. Herr, Gott meines Herrn Abraham, lass es mir heute begegnen, ich bitte dich, und erweise meinem Herrn Abraham Barmherzigkeit. 13. Siehe, ich stehe an der Wasserquelle, und die Töchter der Bewohner dieser Stadt werden herauskommen, um Wasser zu schöpfen. 14. Darum: das Mädchen, zu dem ich sage: Neige deinen Krug, damit ich trinke; und sie antwortet: Trinke, und auch deinen Kamelen will ich zu trinken geben: sie sei es, die du deinem Diener Isaak bereitet hast; und daran werde ich erkennen, dass du meinem Herrn Barmherzigkeit erwiesen hast. 15. Noch hatte er nicht zu Ende gesprochen bei sich selbst, und siehe, Rebekka kam heraus, die Tochter Bétuels, des Sohnes der Milka, der Frau Nachors, des Bruders Abrahams, und trug einen Krug auf ihrer Schulter. 16. Ein überaus schönes Mädchen, eine wunderschöne Jungfrau, keinem Mann bekannt: sie war zur Quelle hinabgestiegen, hatte ihren Krug gefüllt und kehrte zurück. 17. Der Diener lief ihr entgegen und sprach: Gib mir ein wenig Wasser zu trinken aus deinem Krug. 18. Sie antwortete: Trinke, mein Herr; und eilends ließ sie den Krug auf ihren Arm herab und gab ihm zu trinken. 19. Und als er getrunken hatte, fügte sie hinzu: Auch für deine Kamele will ich Wasser schöpfen, bis sie alle getrunken haben. 20. Und sie goss den Krug in die Tröge, lief zum Brunnen zurück, um Wasser zu schöpfen, und schöpfte für alle Kamele. 21. Er aber betrachtete sie schweigend und wollte wissen, ob der Herr seine Reise zum Gelingen geführt hatte oder nicht. 22. Nachdem die Kamele getrunken hatten, holte der Mann goldene Ohrringe hervor im Gewicht von zwei Schekeln und Armreife von gleicher Zahl im Gewicht von zehn Schekeln. 23. Und er sprach zu ihr: Wessen Tochter bist du? Sage mir: Gibt es in deines Vaters Haus Platz zum Bleiben? 24. Sie antwortete: Ich bin die Tochter Bétuels, des Sohnes der Milka, den sie dem Nachor gebar. 25. Und sie fügte hinzu und sprach: Auch an Stroh und Heu haben wir Überfluss und einen geräumigen Platz zum Bleiben. 26. Da verneigte sich der Mann und betete den Herrn an, 27. und sprach: Gepriesen sei der Herr, der Gott meines Herrn Abraham, der seine Barmherzigkeit und seine Treue meinem Herrn nicht entzogen hat und mich auf geradem Weg zum Haus des Bruders meines Herrn geführt hat. 28. So lief das Mädchen und berichtete im Haus ihrer Mutter alles, was sie gehört hatte. 29. Rebekka hatte nun einen Bruder namens Laban, der eilig zu dem Mann hinausging, wo die Quelle war. 30. Als er die Ohrringe und Armreife an den Händen seiner Schwester gesehen und alle Worte ihres Berichtes gehört hatte: Dieser Mann hat so zu mir gesprochen: da kam er zu dem Mann, der bei den Kamelen nahe der Wasserquelle stand, 31. und sprach zu ihm: Komm herein, du Gesegneter des Herrn; warum stehst du draußen? Ich habe ein Haus bereitet und einen Platz für die Kamele. 32. Und er führte ihn in die Herberge, sattelte die Kamele ab und gab Stroh und Heu und Wasser, um seine Füße zu waschen und die Füße der Männer, die mit ihm gekommen waren. 33. Und Brot wurde ihm vorgesetzt. Er aber sprach: Ich will nicht essen, bis ich meine Botschaft vorgetragen habe. Er antwortete: Sprich. 34. Und er sprach: Ich bin Abrahams Diener. 35. Und der Herr hat meinen Herrn überaus gesegnet, und er ist groß geworden: und er hat ihm Schafe und Rinder gegeben, Silber und Gold, Knechte und Mägde, Kamele und Esel. 36. Und Sara, die Frau meines Herrn, gebar meinem Herrn einen Sohn in ihrem Alter, und er hat ihm alles gegeben, was er hatte. 37. Und mein Herr ließ mich schwören und sprach: Du sollst meinem Sohn keine Frau von den Töchtern der Kanaaniter nehmen, in deren Land ich wohne; 38. sondern du sollst zum Haus meines Vaters gehen und von meiner Verwandtschaft meinem Sohn eine Frau nehmen. 39. Und ich antwortete meinem Herrn: Was, wenn die Frau nicht mit mir kommen will? 40. Der Herr, sprach er, vor dessen Angesicht ich wandle, wird seinen Engel mit dir senden und deinen Weg leiten: und du sollst meinem Sohn eine Frau aus meiner Verwandtschaft und aus meines Vaters Haus nehmen. 41. Du sollst frei sein von meinem Fluch, wenn du zu meinen Verwandten kommst und sie sie dir nicht geben. 42. So kam ich heute zur Wasserquelle und sprach: Herr, Gott meines Herrn Abraham, wenn du meinen Weg geleitet hast, auf dem ich nun wandle, 43. siehe, ich stehe an der Wasserquelle, und die Jungfrau, die herauskommt, um Wasser zu schöpfen, und von mir hört: Gib mir ein wenig Wasser zu trinken aus deinem Krug; 44. und sie zu mir sagt: Trinke du, und ich will auch deinen Kamelen schöpfen: sie sei die Frau, die der Herr dem Sohn meines Herrn bereitet hat. 45. Und während ich diese Dinge still bei mir überdachte, erschien Rebekka, kommend mit einem Krug, den sie auf ihrer Schulter trug; sie stieg zur Quelle hinab und schöpfte Wasser. Und ich sprach zu ihr: Gib mir ein wenig zu trinken. 46. Und eilends ließ sie den Krug von ihrer Schulter herab und sprach zu mir: Trinke du, und auch deinen Kamelen will ich zu trinken geben. Ich trank, und sie tränkte die Kamele. 47. Und ich fragte sie und sprach: Wessen Tochter bist du? Sie antwortete: Ich bin die Tochter Bétuels, des Sohnes Nachors, den ihm Milka gebar. So hängte ich die Ohrringe an, um ihr Angesicht zu schmücken, und legte die Armreife an ihre Hände. 48. Und ich verneigte mich und betete den Herrn an und pries den Herrn, den Gott meines Herrn Abraham, der mich auf geradem Weg geführt hatte, die Tochter des Bruders meines Herrn für seinen Sohn zu nehmen. 49. Wenn ihr nun meinem Herrn Barmherzigkeit und Treue erweisen wollt, so sagt es mir; wenn euch aber etwas anderes gefällt, so sagt mir auch das, damit ich mich zur Rechten oder zur Linken wende. 50. Laban und Bétuel antworteten: Von dem Herrn ist die Sache ausgegangen; wir können dir nichts sagen über das hinaus, was er beschlossen hat. 51. Siehe, Rebekka steht vor dir; nimm sie und ziehe hin, und sie sei die Frau des Sohnes deines Herrn, wie der Herr gesprochen hat. 52. Als Abrahams Diener dies hörte, fiel er zur Erde nieder und betete den Herrn an. 53. Und er holte silberne und goldene Gefäße und Gewänder hervor und gab sie Rebekka als Geschenke; auch ihren Brüdern und ihrer Mutter bot er Gaben dar. 54. Ein Festmahl wurde bereitet, und sie aßen und tranken miteinander und blieben dort. Am Morgen erhob sich der Diener und sprach: Lasst mich ziehen, damit ich zu meinem Herrn zurückkehre. 55. Ihre Brüder und ihre Mutter antworteten: Lass das Mädchen wenigstens zehn Tage bei uns bleiben, und danach wird sie aufbrechen. 56. Haltet mich nicht auf, sprach er, denn der Herr hat meinen Weg geleitet; lasst mich ziehen, damit ich zu meinem Herrn gehe. 57. Und sie sprachen: Lasst uns das Mädchen rufen und ihren eigenen Willen erfragen. 58. Und als sie gerufen worden war und kam, fragten sie: Willst du mit diesem Mann gehen? Sie sprach: Ich will gehen. 59. So ließen sie sie ziehen mit ihrer Amme und Abrahams Diener und seinen Gefährten, 60. und sie wünschten ihrer Schwester alles Gute und sprachen: Du bist unsere Schwester; wachse zu Tausenden und Abertausenden, und dein Same besitze die Tore seiner Feinde. 61. So bestiegen Rebekka und ihre Mägde die Kamele und folgten dem Mann, der eilig zu seinem Herrn zurückkehrte. 62. Zu jener Zeit nun wandelte Isaak auf dem Weg, der zum Brunnen führt, dessen Name ist Brunnen des Lebendigen und Sehenden; denn er wohnte im Südland. 63. Und er war hinausgegangen, um auf dem Feld nachzusinnen, als der Tag sich schon neigte; und als er die Augen erhob, sah er Kamele von fern kommen. 64. Auch Rebekka erblickte Isaak und stieg vom Kamel herab, 65. und sprach zum Diener: Wer ist jener Mann, der über das Feld uns entgegenkommt? Er sprach: Es ist mein Herr. Und eilends nahm sie ihren Mantel und bedeckte sich. 66. Der Diener berichtete darauf Isaak alles, was er getan hatte. 67. Er führte sie in das Zelt seiner Mutter Sara und nahm sie zur Frau; und er liebte sie so sehr, dass es den Schmerz linderte, der ihn wegen des Todes seiner Mutter getroffen hatte.
Vers 1: Abraham war nun alt
Abraham war 140 Jahre alt, als er seinen Diener aussandte, um Rebekka als Frau für Isaak zu suchen; denn Isaak heiratete Rebekka im 40. Jahr seines Lebens (wie aus dem nächsten Kapitel, Vers 20, hervorgeht), welches Abrahams 140. Jahr war: denn Isaak wurde in Abrahams hundertstem Jahr geboren; Abrahams Alter übersteigt also das Alter Isaaks um hundert Jahre. So sagt der hl. Augustinus.
Vers 2: Lege deine Hand unter meine Hüfte
Seinen ältesten Diener -- seinen Hausverwalter Elieser, über den siehe Kapitel 15, Vers 2.
Lege deine Hand unter meine Hüfte -- das heißt: Während ich sitze, lege deine Hand unter meine Hüfte, und schwöre mir durch diesen Ritus und diese Zeremonie, dass du meinem Sohn keine kanaanitische Frau nehmen wirst. Im buchstäblichen Sinne war dies der Ritus derer, die bei der Hüfte schworen, weil die Hüfte Ursache und Sinnbild der Zeugung und des Lebens ist. Indem die Schwörenden also die Hüfte berührten, riefen sie Gott als den Urheber des Lebens zum Zeugen an, in dessen Hand unser Heil liegt, gleichsam um zu sagen: Wenn ich recht und wahrhaftig schwöre und das Geschworene erfülle, so gewähre mir Gott ein langes und glückliches Leben, welches durch die Hüfte bezeichnet wird; wenn ich aber täusche und meineidig werde, so möge ich zugrunde gehen und keinen Anteil haben an dem Leben, das aus der Hüfte hervorgegangen ist.
So sagt Martin de Roa, Buch IV der Singularia, Kapitel 4.
Die Hebräer meinen, dass diese Zeremonie des Handauflegens unter die Hüfte bei den Juden eine feierliche Eidesform gewesen sei, wegen der Bedeutung und Ehrfurcht vor dem Sakrament der Beschneidung, das an dem der Hüfte benachbarten Glied vollzogen wurde. Doch dies scheint falsch zu sein: denn allein Abraham und Jakob gebrauchten diese Zeremonie, um die Ihren schwören zu lassen; alle anderen aber werden in der Schrift mit erhobener Hand (wie es auch heute geschieht) schwörend berichtet.
Man beachte daher, dass mit der Hüfte oder dem Oberschenkel stillschweigend auch die Zeugungsglieder, die sich zwischen den Hüften befinden, mitverstanden und eingeschlossen sind. Denn so wird gesagt, dass die Söhne Jakobs aus seiner Hüfte hervorgegangen seien, das heißt aus seinen Zeugungsteilen, Genesis 46,26 und anderswo.
Durch dieses Sinnbild und diese Zeremonie des Handauflegens unter die Hüfte zeigt Abraham daher an, dass Isaak bereits aus seiner Hüfte geboren wurde und dass aus derselben durch Isaak eine große Nachkommenschaft geboren werden würde, ja Christus, sein gesegneter Same, ihm von Gott verheißen. Damit also diese Nachkommenschaft und Christus aus ihm durch Isaak geboren werde, sucht er hier aus diesem Grund für Isaak eine treue Gattin und beschwört seinen Diener, dass er eine solche für ihn suche, bei der Hüfte, gleichsam beim Ursprung seiner Nachkommenschaft; ebenso beschwört er ihn bei der Hüfte, das heißt bei Christus, der aus seiner Hüfte geboren werden sollte, das heißt, er bindet ihn und zwingt ihn zum Schwur. Denn der Erste, der diese Form der Beschwörung gebrauchte, war Abraham; sein Enkel Jakob folgte ihm dann in Kapitel 47, Vers 29. So sagen der hl. Hieronymus, Theodoret, Augustinus (Predigt 75), Ambrosius (Buch 1 von Über Abraham, letztes Kapitel), Prosper (Teil 1, Weissagungen, Kapitel 7) und der hl. Gregor, der so spricht: „Er befahl, die Hand unter die Hüfte zu legen, weil durch jenes Glied sein Fleisch herabsteigen sollte, der nach seiner Menschheit der Sohn Abrahams sein würde und nach seiner Gottheit sein Herr, gleichsam um zu sagen: Berühre meinen Sohn und schwöre bei meinem Gott. Daher befahl er, die Hand nicht auf die Hüfte, sondern unter sie zu legen; weil von dort jener herabsteigen sollte, der zwar ein Mensch sein, aber als einer über den Menschen kommen würde.”
Vers 3: Dass ich dich schwören lasse
Dass ich dich schwören lasse -- das heißt, ich werde dich durch deinen Eid binden, ich werde dich schwören lassen. So lautet das Hebräische. Denn Abraham zwingt seinen Diener, ihm durch diese Zeremonie zu schwören. Daher schwor der Diener ihm tatsächlich durch diesen Ritus, wie aus Vers 9 hervorgeht. „Beschwören” bedeutet hier also nicht, jemanden bei heiligen Dingen anzurufen, sondern ihn zum Eid zu nötigen und durch diesen Eid ihn zu verpflichten, etwas zu versprechen oder zu tun.
Vers 4: Nicht von den Töchtern der Kanaaniter
Dass du meinem Sohn keine Frau von den Töchtern der Kanaaniter nimmst (weil die Kanaaniter gottlos und Götzendiener waren), sondern ziehe in mein Land und zu meiner Verwandtschaft -- nicht nach Chaldäa, sondern nach Mesopotamien, nämlich nach Haran, zum Haus meines Bruders Nachor, wie aus Vers 10 hervorgeht; denn nach Haran war Abraham mit seinem Vater und seiner ganzen Verwandtschaft gezogen, Kapitel 12, Vers 1. Denn obwohl das Haus Nachors nach der Sitte des Volkes, bei dem es wohnte, Götzenbilder verehrte, wie aus Kapitel 31, Vers 30, hervorgeht, so wusste und bewahrte es doch etwas von der Verehrung des einen Gottes und verehrte so neben seinen Götzen zugleich den Gott des Himmels, wie hier aus Vers 31 hervorgeht. Und dieses Haus war von guten Sitten, wie aus dem Folgenden ersichtlich ist.
Tropologisch: Wie sehr die Ehen mit Ungläubigen, Häretikern und Gottlosen zu meiden sind, siehe bei dem hl. Chrysostomus und Ambrosius, Buch 1 von Über Abraham, letztes Kapitel: „Oft,” sagt Ambrosius, „hat die Verlockung einer Frau auch die stärksten Ehemänner getäuscht und sie von ihrer Religion abgebracht. Daher wird in der Ehe zuerst die Religion gesucht. Lerne also, was in einer Gattin gesucht wird: Abraham suchte nicht Gold, nicht Silber, nicht Besitztümer, sondern die Anmut eines guten Charakters.” Allegorisch sagt derselbe an derselben Stelle:
„Wo sollte die Gattin Isaaks, das heißt Christi -- nämlich die Kirche -- gefunden werden, wenn nicht in Mesopotamien? Dort ist sie umgeben von zwei Flüssen, der Waschung der Gnade und den Tränen der Buße. Der Tigris schützt sie, das heißt die Klugheit; und der Euphrat, das heißt die Gerechtigkeit und fruchtbare Erleuchtung, die sie von den barbarischen Völkern trennt.”
Vers 6: Hüte dich, dass du meinen Sohn niemals dorthin zurückbringst
„Zurückbringen” bedeutet „versprechen zurückzubringen”, gleichsam um zu sagen: Wenn das Mädchen, das du in Haran suchst, nicht hierher zu mir und Isaak kommen will, sondern wünscht, dass Isaak dorthin zu ihr kommt, so stimme nicht zu und versprich ihr nicht die Heirat mit meinem Sohn; denn Gott wollte, dass ich und mein Volk Mesopotamien für immer verlassen und in dieses Land kommen sollten, das er mir und den Meinen verheißen hat.
Vers 7: Er selbst wird seinen Engel senden
Siehe, die alten Hebräer glaubten, dass den Menschen von Gott Schutzengel gegeben werden, um sie zu bewahren, zu führen, zu belehren und zu leiten. Ähnliches findet sich im Buch Tobit, Kapitel 5, Vers 5. Scaliger meint, das Wort „Engel” komme vom persischen angar, was Kurier oder Bote bedeutet, wobei das r in l verwandelt wurde, so wie statt Belial auch Beliar gesagt wird; denn so nennen auch die Hebräer nach dem persischen angar einen Brief, der durch Kuriere oder angari überbracht wird, iggeret, gleichsam ingeret.
Vers 9: Er schwor ihm
Er schwor, dass er die Worte und Aufträge seines Herrn Abraham treu ausführen werde.
Vers 10: Zur Stadt Nachors
Das heißt nach Haran, wo das Haus Nachors war, von Beerscheba, wo Abraham damals weilte, eine Reise von sieben oder acht Tagen entfernt. So sagt Abulensis.
Vers 12: Lass es geschehen
Im Hebräischen hacre, das heißt: lass mir das begegnen, nämlich was ich suche, das heißt ein solches Mädchen, wie Abraham es als Frau für Isaak wünscht. Die Septuaginta übersetzt: Lass meine Begegnung gelingen.
Mögen die Christen hier lernen, sich und ihren Kindern Ehepartner zu suchen, nicht so sehr durch menschliche Vermittlung als vielmehr durch die Gottes; und mögen sie nicht so sehr auf Reichtum, Schönheit und Abstammung achten als auf gute Erziehung und einen rechtschaffenen und angemessenen Charakter. So besorgte Pulcheria ihrem Bruder, dem Kaiser Theodosius, Eudoxia als Gattin, die arm, aber wohlerzogen und von guten Sitten war. Weil aber viele es anders machen, sehen wir so viele streitreiche und unglückliche Ehen. Mit Recht sagt daher der Weise in Sprüche 19,14: „Haus und Reichtum werden von den Eltern gegeben; aber eine kluge Frau kommt eigentlich vom Herrn.” So hatten Rebekka für Isaak, Rut für Boas, Sara für Tobias -- von Gott geschenkte Gattinnen -- eine friedliche, fruchtbare und glückliche Ehe. Denn, wie der Weise sagt in Sprüche 18,22: „Wer eine gute Frau findet, findet etwas Gutes und wird Freude vom Herrn empfangen.” Denn eine gute, tüchtige und kluge Frau ist ein seltener Vogel auf Erden.
Salomon sagt in Prediger 7,29: „Einen Mann unter tausend habe ich gefunden, aber eine Frau unter allen habe ich nicht gefunden.” Daher sagte Cato, die Frau sei ein notwendiges Übel. Willst du wissen, wie groß ein Übel eine schlechte Frau ist? Höre Jesus Sirach 25,17: „Alle Bosheit ist die Schlechtigkeit einer Frau;” und Vers 22: „Es gibt kein schlimmeres Haupt als das Haupt einer Schlange, und es gibt keinen Zorn über dem Zorn einer Frau: Es wäre angenehmer, bei einem Löwen und einem Drachen zu wohnen, als mit einer bösen Frau zusammenzuleben;” und Vers 31: „Eine böse Frau ist eine Wunde des Herzens.” Gott gibt daher Unzüchtigen, Ehebrechern und anderen Gottlosen als Strafe für die Sünde böse Frauen; und dies ist die größte und dauerhafteste Plage, denn sie währt das ganze Leben hindurch.
Im Gegenteil: „Selig ist der Mann einer guten Frau. Eine tüchtige Frau erfreut ihren Mann und wird die Jahre seines Lebens mit Frieden füllen. Eine gute Frau ist ein guter Anteil; sie wird dem Mann, der Gott fürchtet, als Lohn für seine guten Werke gegeben” (Jesus Sirach 26,1-3). Ein denkwürdiges Beispiel dafür findet sich bei Sophronius, oder vielmehr bei Johannes Moschus im Geistlichen Garten, Kapitel 250, über einen gewissen Edelmann aus Konstantinopel, der seine Güter an die Armen verteilte und sterbend Jesus Christus als Vormund seines Sohnes einsetzte. Denn Christus besorgte um der Almosen des Vaters willen dem Sohn eine wohlhabende und tugendhafte Gattin, mit der er ein heiliges und freudiges Leben führte. Wahrhaftig sagt daher Jesus Sirach (26,16): „Die Anmut einer fleißigen Frau wird ihren Mann erfreuen und seine Gebeine nähren; ihre Zucht ist eine Gabe Gottes; Gnade über Gnade ist eine heilige und schamhafte Frau; wie die aufgehende Sonne über der Welt in den Höhen Gottes, so ist die Schönheit einer guten Frau eine Zierde ihres Hauses.”
Vers 13: Siehe, ich stehe
Hier bittet der Diener Gott, ihm die künftige Gattin Isaaks durch ein bestimmtes, von ihm selbst festgesetztes Zeichen zu offenbaren; er wurde von Gott bewogen und angetrieben, dieses Zeichen festzusetzen; daher wandte er es auch mit einer gewissen Zuversicht auf die göttliche Vorsehung, Hilfe und Führung an, gemäß dem, was, wie er wusste, Gott Abraham verheißen hatte und Abraham ihm mitgeteilt hatte, indem er sprach: „Gott wird seinen Engel vor dir hersenden.” Daher erbat er sich auch dieses Zeichen, indem er ein demütiges Gebet voranstellte. Schließlich erklärte der darauf folgende so glückliche Ausgang, dass dieses Zeichen von Gott war; andernfalls hätte dieser Diener Gott mit einem voreiligen Omen und einer Wahrsagung versucht.
Ähnlich war das Omen Jonatans, das er auf Gottes Antrieb hin aus den Worten der Philister über einen Angriff auf sie ableitete, und dem folgend er sie schlug: „Wenn sie sagen: Kommt herauf zu uns, so lasst uns hinaufgehen; denn der Herr hat sie in unsere Hände gegeben -- dies wird unser Zeichen sein” (1 Samuel 14,10). Ebenso leitete Gideon aus dem Traum eines Midianiters ein Siegesomen ab (Richter 7,13).
Ähnlich war das Omen des Chlodwig, der sein Lager gegen die Goten aufbrach und Geschenke nach Tours zum hl. Martin sandte, wobei er seinen Gesandten auftrug: „Wenn ihr den Tempel betretet, achtet darauf, was eine Vermutung über den künftigen Ausgang des Krieges geben kann, den wir vorbereiten.” Sie gehorchten, und als sie zur Kirche kamen, hörten sie die Mönche jenen Davidischen Vers singen: „Du hast mich mit Kraft zum Kampf gegürtet.” Nachdem sie dieses glückliche Omen empfangen hatten, kehrten sie zum König zurück und berichteten es; und der Ausgang erwies, dass es nicht nichtig, sondern göttlich war. Zeuge ist Fulgosius, Buch 1, Kapitel 3.
Im Gegensatz dazu war das Omen Nebukadnezars abergläubisch, das er nicht auf Gottes Antrieb, sondern auf seinen eigenen oder den des Teufels hin suchte, als er im Zweifel war, ob er die Ammoniter oder die Juden angreifen sollte. Denn er nahm zwei Pfeile, auf den einen schrieb er den Namen Rabbat (das war Petra von Arabien, die Hauptstadt der Ammoniter), auf den anderen den Namen Jerusalem; dann mischte er sie. Alsbald zog er einen blind heraus, und als er Jerusalem darauf geschrieben sah, marschierte er sogleich dagegen (Ezechiel 21,21).
Ähnlich war das Omen der Philister, die aus dem Lauf und Gang der Kühe, welche die Bundeslade trugen, schlossen, ob die über sie verhängte Plage von Gott kam oder sich zufällig ereignet hatte (1 Samuel 6,7). Über heilige und erlaubte Omina sowie über unheilige, unerlaubte und abergläubische siehe Weiteres bei Pererius an dieser Stelle.
Man beachte: Dieses Zeichen, das der Diener festsetzte, war angemessen; denn es war ein Zeichen einer guten Gattin und eines leutseligen, gastfreundlichen, vorsorglichen und tüchtigen Charakters. So sagen der hl. Chrysostomus, Theodoret und Rupert.
Quelle -- das heißt ein Brunnen, wie aus den Versen 11 und 20 hervorgeht; denn in der Heiligen Schrift sind Quelle und Brunnen dasselbe.
Vers 14: Sie sei es
Sie sei es, die du als Gattin für Isaak bereitet hast, gleichsam um zu sagen: Ich bitte dich, Herr, dass diejenige, die du als Isaaks Gattin willst, sie allein das tue und sage, was ich hier erbitte; damit ich aus diesen ihren Taten und Worten erkenne, dass sie es ist und keine andere.
Vers 15: Und siehe, Rebekka kam heraus
Man beachte hier den Spiegel der Jungfrauen in Rebekka: Denn erstens sitzt sie nicht müßig da wie die meisten, sondern trägt mühsam ihren Krug und schöpft Wasser; zweitens kehrt sie, nachdem sie das Wasser geschöpft hat, zurück und verweilt nicht lange in der Öffentlichkeit; und obwohl sie Abrahams Diener sah, betrachtet sie ihn nicht neugierig und spricht ihn nicht an; drittens hält sie sofort inne, als der Diener sie um einen Trunk bittet, bietet ihn an, spricht freundlich, nennt ihn Herr; sie bietet mehr an, als er erbeten hatte; es ist ihr nicht lästig, einem Fremden zu dienen, während unsere Frauen heutzutage manchmal so schwierig sind, dass sie kaum geruhen, mit Leuten zu sprechen, besonders mit Fremden, als gingen sie diese nichts an; viertens führt sie ihn, obwohl sie hörte, dass er Abrahams Diener war, nicht selbst ins Haus -- denn das wäre für eine Jungfrau unschicklich gewesen; sie läuft nach Hause und berichtet ihrer Mutter; fünftens erkundigt sie sich nicht neugierig, warum dieser Diener gekommen ist oder was er will, denn eine Jungfrau soll nicht neugierig sein; sechstens gehorcht sie ihren Eltern, und als sie sieht, dass diese zustimmen, dass sie zu Isaak gehe, widerspricht sie nicht, obwohl es ihr schwerfiel, Eltern und Heimat zu verlassen; siebtens ist sie nicht weichlich, sondern mannhaft: denn sie besteigt ein Kamel und unternimmt eine lange Reise; achtens stieg sie, als sie Isaak sah, sogleich vom Kamel herab und bedeckte sich: woraus ihre Bescheidenheit und Ehrfurcht gegenüber ihrem Bräutigam ersichtlich ist.
Vers 21: Er betrachtete sie schweigend
Er bewunderte nicht nur ihre Schönheit, sondern ihre Aufmerksamkeit, ihren Fleiß, ihre Güte und Großzügigkeit und prüfte, ob sie sich in allem demgemäß verhielt und eine solche Person war, die Isaaks würdig wäre und seinen eigenen und Abrahams Wünschen entspräche.
Vers 22: Goldene Ohrringe im Gewicht von zwei Schekeln
Man beachte: Dieser Diener gab jedem von Rebekkas Ohren einen Ohrring, das heißt insgesamt zwei, so dass jeder einen halben Schekel oder eine Drachme wog, wie die Septuaginta, das Hebräische und das Chaldäische angeben, und folglich beide zusammen einen Schekel oder zwei Drachmen wogen.
Man wird fragen: Wie gibt dann unser Übersetzer zwei Schekel an? Ich antworte: Unser Übersetzer versteht kleinere Schekel, das heißt halbe Schekel. Denn ein halber Schekel wird manchmal Schekel genannt, so wie bei uns der Real sowohl ein größerer als auch ein kleinerer (oder halbierter) ist; denn der größere ist 10 Stüber, der kleinere 5 Stüber. Siehe, was am Ende des Buches Über Maße und Gewichte gesagt wurde.
Vers 27: Er hat seine Barmherzigkeit und Treue nicht entzogen
Das heißt: Gott war barmherzig und treu gegenüber meinem Herrn Abraham: barmherzig im Verheißen, treu im Erfüllen seiner Verheißungen; wie ich nun sehe, dass Gott barmherzig und treu meine Reise zu den Verwandten Abrahams und zu Rebekka gelenkt hat, damit ich sie als Gattin für Isaak nehme.
Vers 28: Zum Haus ihrer Mutter
Denn im Haus der alten Hebräer gab es getrennte Wohnräume und Quartiere für Männer und für Frauen. Denn die Mutter lebte getrennt mit den Mädchen im Frauengemach, wie Nikolaus Serarius in seinem Kommentar zu Ester, Kapitel 2, Seite 469, lehrt. Zudem hatten die Männer damals mehrere Frauen, die getrennt wohnten, um den Frieden zu wahren. So sagen Cajetan und Thomas Anglicus. Zu diesem Frauengemach lief Rebekka, um die Ohrringe zu zeigen, die sie von Abrahams Diener empfangen hatte.
Man beachte: Rebekka zeigt ihre Geschenke der Mutter; denn man sagt gemeinhin: Keine Frau, die Geschenke annimmt, ist eine gute Frau -- verstehe dies so: wenn sie sie heimlich und ohne den Rat oder die Zustimmung der Ihren annimmt.
Vers 29: Rebekka hatte einen Bruder namens Laban
Wie Rebekka ein Spiegel für Jungfrauen war, so war Laban einer für Hausväter. Denn erstens geht er, als er die Worte seiner Schwester gehört hatte, sogleich hinaus, um den Mann einzuladen, ohne darauf zu warten, gebeten zu werden; zweitens spricht er ihn freundlich und fromm an: „Komm herein,” sagt er, „du Gesegneter des Herrn;” drittens führt er nicht nur ihn herein, sondern auch die, die bei ihm waren, ohne die Größe der Kosten zu scheuen; viertens sattelte Laban selbst die Kamele ab, brachte Wasser zum Fußwaschen, bereitete den Tisch, usw. Siehe hier, wie groß die Gastfreundschaft der Alten war. Fünftens widersprach er nicht, als er gehört hatte, wie sich die Sache zugetragen hatte, sondern folgerte: „Von dem Herrn ist die Sache ausgegangen,” womit er diese Angelegenheit nicht dem Zufall oder dem Schicksal, sondern der göttlichen Fügung zuschrieb; sechstens zwingen er und sein Vater Bétuel das Mädchen nicht, sondern erfragen ihren Willen; siebtens halten sie, als sie den Diener eilen sehen, sie nicht zurück, sondern lassen sie ziehen und geben ihre Amme hinzu, damit sie jemanden habe, der sie betreue und unterweise; achtens wünscht er seiner Schwester alles Gute.
Vers 30: Und als er gesehen hatte
Nachdem er gesehen und gehört hatte. Dies ist ein Hebraismus, den Vatablus klar erklärt, indem er so übersetzt: denn er hatte die Ohrringe gesehen und die Worte Rebekkas gehört.
Vers 31: Komm herein, Gesegneter des Herrn
Das heißt: vom Herrn gesegnet, der du in der Gnade Gottes stehst, den Gott begünstigt und dem er Gedeihen schenkt, und wir beten und wünschen, dass er dich weiterhin begünstigen und dir Gedeihen schenken möge.
Ich habe ein Haus bereitet — ich habe ein Haus bereiten lassen, ich habe den Knechten befohlen, dir eine Herberge vorzubereiten.
Vers 35: Der Herr hat meinen Herrn überaus gesegnet
Er hat ihn auf bemerkenswerte Weise reich gemacht.
Vers 36: Und hat ihm alles gegeben
Er hatte beschlossen zu geben; er hatte bestimmt, ihm alles zu geben als seinem eingeborenen Sohn; denn Abraham hatte sich noch nicht des Besitzes seiner Güter entäußert und sie noch nicht auf Isaak übertragen. Das Wort „gegeben” bezeichnet also einen nicht vollendeten, sondern einen begonnenen und beabsichtigten Akt, ebenso wie das Wort „ich habe bereitet” in Vers 31.
Vers 40: Vor dessen Angesicht ich wandle
Den ich als gegenwärtig betrachte und verehre und anbete. So wandelte Henoch vor dem Angesicht Gottes, oder vor Gott und mit Gott (Kapitel 5,22), und Noach (Kapitel 6,9): siehe, was dort gesagt wurde. Als wollte er sagen: Weil ich Gott so verehre, wird Gott im Gegenzug seinen Engel senden, damit er durch dich mich und meine Angelegenheiten lenke und zum Gelingen führe.
Vers 41: Du wirst frei sein von meinem Fluch
Du wirst von deinem Verwünschungseid entbunden sein und folglich von dem Fluch und der Strafe, die du dir selbst beim Schwören für den Fall angewünscht hast, dass du ihn verletzest, indem du nach der Gewohnheit sprachst: „Das tue mir Gott, und dies füge er hinzu,” wenn ich die Befehle Abrahams, meines Herrn, nicht ausführe.
Vers 47: Ich hängte die Ohrringe an
Ich hängte an — ich gab sie ihr zum Anhängen; dies geht aus Vers 30 hervor.
Vers 49: Wenn ihr Barmherzigkeit und Treue erweisen wollt
Man beachte: Mit diesen beiden Worten umfasst die Heilige Schrift jede Pflicht der Tugend; denn alles ist entweder ungeschuldet und frei geschenkt, und das ist Barmherzigkeit; oder es ist geboten und geschuldet, sei es aus Gerechtigkeit, sei es aus Frömmigkeit, sei es aus einer anderen Tugend, und es wird Treue genannt. Treue ist hier also die Frömmigkeit, die Rebekkas Eltern ihrem Verwandten, ja ihrem Onkel Abraham schuldeten. So sagt Oleaster.
Cajetan sagt es anders: Treue, sagt er, bedeutet hier Bestätigung, als wolle man sagen: Wenn ihr bestätigen und als wahr erweisen und verwirklichen wollt so viele Zeichen des göttlichen Willens, durch die Gott gezeigt hat, dass er Rebekka dem Isaak gegeben haben will.
Dass ich zur Rechten oder zur Linken gehe. — Dies ist ein Hebraismus, als wolle man sagen: Damit ich weiß, welchen Weg ich gehen muss, was ich tun muss; ob ich hier bleiben oder anderswohin weitergehen soll; denn er hätte eine Frau für Isaak von den anderen Söhnen Nachors suchen können (er hatte nämlich elf, wie aus Kapitel 22,21 hervorgeht), und er hätte es getan, wenn er im Falle Rebekkas eine Abweisung erfahren hätte.
Vers 50: Laban und Bétuel antworteten
Laban war Rebekkas Bruder und folglich Bétuels Sohn, doch scheint er den Haushalt geführt zu haben, während sein Vater alt wurde; daher spricht er hier häufig im Namen seines Vaters und regelt Rebekkas Ehe mit Isaak. Weise sagt der hl. Ambrosius: Rebekka, sagt er, „erwartet das Urteil ihrer Eltern; denn es geziemt der jungfräulichen Sittsamkeit nicht, einen Gatten zu wählen.” Daher sagt auch Andromache bei Euripides: „Mein Vater wird sich um meine Verlobung kümmern; denn dies ist nicht meine Sache.”
Die Sache ist vom Herrn ausgegangen — dieses Geschäft wird nach göttlichem Willen geführt; es ist Gottes Wille, dass wir Rebekka dem Isaak geben.
Vers 51: Wie der Herr gesprochen hat
Nicht durch Stimme, sondern durch ein Zeichen, durch das er seinen Willen in Vers 14 kundtat. So sagt der hl. Augustinus, Quaestio 67.
Vers 52: Knabe, das heißt Knecht
Knabe — das heißt Knecht.
Vers 57: Lasst uns ihren eigenen Willen erfragen
Nicht über die Ehe mit Isaak, denn Rebekkas Zustimmung dazu lässt sich aus den Versen 51, 53, 54 und 55 erschließen; sondern über den plötzlichen Aufbruch von ihren Eltern und die Reise nach Kanaan zu Isaak. So sagt der hl. Ambrosius.
Im allegorischen Sinne sagt der hl. Ambrosius: Rebekka stellt die Kirche dar, die aus dem Heidentum von Christus zur Ehe berufen wurde: „Sie zögerte nicht, als sie gerufen wurde, und war deshalb dem Herrn umso angenehmer; denn das jüdische Volk, das zum Gastmahl geladen worden war, war nicht würdig zu kommen; aber die Versammlung der Heiden lief, sobald sie sah, dass sie herbeigerufen wurde, ihm entgegen. Als sie auf einem Kamel ritt, kam sie zu ihrem Gatten, weil das Volk der Heidenvölker, rau durch eine Art tierische Missgestalt der Verdienste, das keine Schönheit der eigenen Gestalt besaß, den Glauben und das Verständnis der Kirche empfangen sollte.”
Vers 62: Auf dem Weg zum Brunnen des Lebendigen und Sehenden
Durch die Wüste, nämlich von Schur, in der Isaak, da sie nahe gelegen war, allein umherzuwandeln pflegte, um zu meditieren. Denn die Einsamkeit ist sowohl für das Gebet als auch für die Betrachtung und Kontemplation am besten geeignet.
Die Heiden wussten dies. Platon zog sich, nachdem er von einer langen Reise ins Ausland nach Athen zurückgekehrt war, an einen vorstädtischen Ort zurück, der von Bäumen beschattet war und nach seinem Besitzer Akademos Akademie genannt wurde, und dort philosophierte er und gründete eine Schule. Cicero zog sich oft von den Geschäften und der Stadt aufs Land zurück und philosophierte dort. Er selbst bezeugt dies im dritten Buch von De Officiis. Die Dichter der Vorzeit pflegten sich auf abgelegene Berge zurückzuziehen und dort in der Abgeschiedenheit der Einsamkeit ihre Lieder zu verfassen. So singt Hesiod, er habe die Dichtkunst von den Musen gelernt, aber auf dem Berg Helikon, als er Lämmer weidete, womit er andeutet, dass die Einsamkeit eine Erweckerin des Geistes ist; in der Tat „suchen die Gedichte die Zurückgezogenheit und die Muße des Schreibenden.” Euripides schrieb seine Tragödien auf der Insel Salamis in einer finsteren und schauerlichen Höhle, die Aulus Gellius gesehen zu haben schreibt. Horaz sagt, er könne in Rom keine Gedichte verfassen.
Unter den Gläubigen zogen sich Elija, Elischa, Johannes der Täufer, Hieronymus, Basilius, Gregor von Nazianz und sehr viele andere in die Wüste zurück und widmeten sich dort der Weisheit und Kontemplation; und dies nach dem Vorbild Christi, der sich nachts zum Beten auf die Berge zurückzog, wie auf den Tabor bei der Verklärung und in den Garten zur Zeit seines Leidens.
Wir haben hier das eigenhändige Manuskript des Thomas von Kempens Nachfolge Christi gesehen, an dessen Anfang folgender Spruch zu lesen war: „In allen Dingen habe ich Ruhe gesucht und sie nicht gefunden” — dan in een hoecxken met een boecxken, das heißt: „außer allmählich, sitzend in einem Winkel mit einem Büchlein.” Dies ist es, was jener große Eremit Arsenius zu sagen pflegte: „Ich kann nicht zugleich bei Gott und bei den Menschen wohnen.”
Zum Brunnen — über den siehe Kapitel 16,14 und das nächste Kapitel, Vers 11.
Im Südland — Kanaans, nämlich nicht weit von Beerscheba.
Für „er wandelte” steht im Hebräischen „er kam vom Kommen”, wie die Franzosen sagen: venait d'arriver (war gerade angekommen).
Vers 63: Um zu meditieren
Die Septuaginta übersetzt adoleschesai, das heißt: sich zu üben, nämlich die geistliche Übung der Meditation auszuführen; denn adoleschein bedeutet, mit großem Eifer und Geschick auf etwas bedacht zu sein, sagt Prokopius, und es ist die Tätigkeit der Seele, die mit höchstem Eifer und Freude denkt und meditiert, sagt der hl. Augustinus. Isaak meditierte hier also über natürliche Dinge, wie die Bewegungen und Bahnen der Gestirne, und über ihren Urheber und Beweger Gott. So sagen die Hebräer, Lyranus und Tostatus.
Vielmehr meditierte Isaak über himmlische und göttliche Dinge. So der hl. Ambrosius in seinem Buch Über Isaak, Kapitel 1: „Denn es ist das Zeichen eines Weisen,” sagt er, „sich von den Freuden des Fleisches zu trennen, die Seele zu erheben und sie vom Leibe abzuziehen. Denn das bedeutet es, sich selbst als Mensch zu erkennen.” Der hl. Ambrosius fährt im ganzen Buch fort und beschreibt unter dem Typus des Isaak den Fortschritt der heiligen Seele, die nach der geistlichen Vermählung mit Christus strebt. Daher übersetzt der Chaldäer: Er war hinausgegangen, um zu beten. Daraus lehrt Alkuin, dass Isaak hier ein Typus Christi war, der sich am Abend und in der Nacht zum Beten auf einen Berg zurückzog. Unrichtig übersetzen Aquila und Symmachus: Isaak ging hinaus, um auf dem Feld zu plaudern, nämlich mit seinen Landarbeitern und Tagelöhnern.
„Das Leben eines Weisen ist Meditation;” und: „Für einen Gelehrten bedeutet Denken Leben.” So nährte sich Karneades gleichsam von seinen Gedanken. Daher wundert sich der Weise über nichts, während Kinder über alles staunen; denn jenem ist alles vorausgesehen und vorbedacht, diesen nichts.
Vers 64: Rebekka stieg vom Kamel
Rebekka stieg ebenfalls, als sie Isaak erblickt hatte, herab — sie vermutete natürlich, was tatsächlich der Fall war, dass dies Isaak, ihr Gatte, sei — sie ließ sich vom Kamel zur Erde herab, um ihrem Bräutigam Ehrerbietung zu erweisen.
Zweitens und besser: Wir werden sagen, dass dies ein Hysteron-Proteron ist; denn es scheint, dass Rebekka zuerst den Knecht fragte, wer jener Mann sei, der ihnen entgegenkam, und dass er antwortete, es sei Isaak; und erst dann sprang Rebekka vom Kamel zur Erde herab.
Vers 65: Der Mantel und der Brautschleier
Der Mantel — damit die neue Braut sich damit gleichsam wie mit einem Brautschleier aus Sittsamkeit und Scham vor ihrem Bräutigam bedecken und verhüllen konnte. Siehe, was bei Kapitel 20,16 gesagt wurde.
Sieh hier die Sittsamkeit der neuen Braut Rebekka. „Betrachte,” sagt der hl. Chrysostomus in Homilie 48, „wie nirgends jene überflüssigen und nutzlosen Dinge sind, nirgends der teuflische Prunk, nirgends Zimbeln und Flöten und Tänze und jene satanischen Gelage und Späße, die voll aller Unanständigkeit sind; sondern alles ist Würde, alles ist Weisheit, alles ist Güte” usw. Und der hl. Ambrosius sagt: Rebekka begann, als sie Isaak sah, „herabzusteigen und ihr Haupt mit einem Mantel zu bedecken, womit sie lehrte, dass die Sittsamkeit der Ehe vorausgehen müsse. Denn von eben dieser Handlung haben die Hochzeiten (nuptiae) ihren Namen erhalten, weil die jungen Frauen sich aus einem Gefühl der Scham verhüllten (obnuberent). Lernt also, ihr Jungfrauen, wie ihr eure Sittsamkeit bewahren sollt, damit ihr nicht mit unbedecktem Haupt vor Fremde tretet, da Rebekka, bereits verlobt, es nicht für schicklich hielt, ihren bestimmten Gatten mit unbedecktem Haupt anzuschauen.”
Vers 67: In das Zelt Saras
Drei Jahre nach dem Tod Saras heiratete Isaak Rebekka, wie aus dem zu Vers 1 dieses Kapitels Gesagten hervorgeht; daraus ist ersichtlich, dass die Frauen getrennt von ihren Männern lebten, wie ich bei Vers 28 gesagt habe.
Nannius bemerkt zu Hohelied 3, dass die Braut ehemals in das Zelt oder Gemach ihrer Schwiegermutter geführt wurde, um zu bedeuten, dass die neue Braut die künftige Hausmutter sein würde, von der der Faden der Kinder, der Nachfolge und der Familie ausgezogen und fortgepflanzt würde; und dass sie denselben Rang und dieselbe Ehre unter den Hausgenossen einnehmen würde, die die Mutter des Bräutigams innegehabt hatte. Darum verspricht die Braut selbst, damit ihre Liebe fester sei, ihrerseits dasselbe zu tun, wenn sie im Hohelied 3,4 sagt: „Ich werde ihn in das Haus meiner Mutter bringen und in das Gemach derer, die mich empfangen hat,” als wolle sie sagen: Der Bräutigam wird mich anstelle seiner Mutter haben und mich in ihr Gemach und an ihren Platz bringen. „Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen;” ich, die Braut, werde ihn seinerseits anstelle meiner Eltern haben und ihn an den Platz meiner Mutter bringen und in das Gemach derer, die mich empfangen hat.
Allegorie des ganzen Kapitels
Im allegorischen Sinne bedeutet Abraham Gott den Vater, Isaak stellt Christus dar, Rebekka die Kirche — ja jede gläubige Seele — und der Knecht Abrahams stellt die Apostel dar. Betrachte, was diese vier Personen in diesem Kapitel taten, und du wirst sehen, was Gott der Vater zu unserem Heil getan hat, was Christus getan hat, was die Apostel getan haben und was wir tun müssen.
Abraham ist Gott der Vater: Sechs Analogien
Erstens also: Wie Abraham einen einzigen Sohn hatte, dem er alles gab, was er besaß, so auch Gott der Vater.
Zweitens: Abraham will nicht, dass sein Sohn allein bleibt, sondern er plant, ihm eine Frau zu geben, damit er Kinder zeuge. So will Gott der Vater, dass Christus mit der Kirche verbunden werde, und spricht zu ihm: „Fordere von mir, und ich werde dir die Völker als dein Erbe geben” usw.
Drittens: Abraham erwähnt zuerst die Hochzeit, er selbst sendet den Knecht, der sonst nicht gegangen wäre; er selbst lässt die Frau rufen, die sonst nicht von sich aus gekommen wäre. So ist Gott der Urheber und Anfang unseres Heils; sonst wären wir niemals zu Christus gekommen. Er selbst hat die Propheten und Apostel gesandt, um uns zu rufen.
Viertens: Abraham führte dies nicht selbst aus, sondern durch seinen ältesten und treuesten Knecht. So vertraut auch Gott seine Schafe und seine Braut den treuesten Hirten an. Daher sagt er dreimal zu Petrus: „Liebst du mich mehr als diese? Weide meine Schafe.”
Fünftens: Abraham bindet den Knecht durch einen Eid. So erlegt Gott den Predigern die Pflicht der Verkündigung unter schwerer Strafe auf: „Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!” sagt der hl. Paulus im 1. Korintherbrief 9, und in Ezechiel 3 fordert Gott das Blut derer, die zugrunde gehen, von der Hand der Wächter.
Sechstens: Abraham wünscht eine Frau für seinen Sohn, aber eine, die desselben Blutes ist, mit denselben Tugenden ausgestattet wie Isaak. So will Gott eine heilige Kirche haben, die seinem Sohn zur Ehre gereicht, nicht zur Schande. „Seid heilig,” spricht er, „denn ich bin heilig.”
Isaak ist Christus: Acht Analogien
In Isaak sehen wir, was Christus zur Zeit seiner Verlobung tat.
Erstens: Isaak war auf das Feld hinausgegangen, Christus in die Welt.
Zweitens: Isaak ging am Abend hinaus; Christus kam im letzten Zeitalter der Welt.
Drittens: Isaak wohnte damals in der südlichen Gegend; Christus wandte sich, vom kalten Norden kommend, der das Gericht bezeichnet, dem Süden der Barmherzigkeit zu.
Viertens: Isaak wandelte nahe dem Brunnen des Lebendigen und Sehenden. Der Lebendige und Sehende ist Gott, denn vor seinen Augen ist alles nackt und offenbar. Der Brunnen dieses Lebendigen und Sehenden ist die Heilige Schrift. Der Weg zum Brunnen ist die Demut des Leidens; auf diesem Weg wandelte Christus in seiner irdischen Pilgerschaft, bald diese, bald jene Schriftstelle erfüllend, bis er, nachdem er alles erfüllt hatte, sprach: „Es ist vollbracht.”
Fünftens: Isaak ging seiner Braut entgegen, als sie nahte; und Christus kommt allen entgegen, die durch die Gnade zu ihm kommen, wie es im Falle des Zachäus und des verlorenen Sohnes offenbar wird.
Sechstens: Isaak empfing Rebekka als Gattin, nicht als Magd; so empfing auch Christus die Kirche.
Siebtens: Isaak führte Rebekka in das Zelt seiner Mutter Sara; Christus führte die Kirche der Heidenvölker an den Platz der Synagoge der Juden, von denen er abstammte.
Achtens: Isaak liebte Rebekka so sehr, dass er seinen Schmerz über den Tod seiner Mutter mäßigte; so weinte auch Christus, als er die Stadt sah, über sie; aber nachdem er die Kirche der Heidenvölker gewonnen hatte, mäßigte er seinen Schmerz.
Der Knecht steht für die Apostel: Dreizehn Analogien
Im Knecht Abrahams wird das Amt der Apostel und Prediger beschrieben.
Erstens: Der Knecht ging auf Befehl seines Herrn aus, um eine Braut zu suchen, ohne zu wissen, welche oder was für eine, aber er vertraute den Ausgang und Erfolg der Sache dem Herrn an. So gingen die Apostel aus und predigten überall, ohne zu wissen, wer glauben würde. Sie streuten den Samen aus und vertrauten die Frucht dem Herrn an.
Zweitens: Der Knecht nahm von allen Gütern seines Herrn mit sich, um damit die Jungfrau zu schmücken. So kamen auch die Apostel nicht mit leeren Händen, sondern brachten große Gaben mit — nämlich Gnade, Frieden, Wunder, Heiligkeit des Lebens und der Sitten usw.
Drittens: Der Knecht Abrahams steht am Brunnen und überlegt, welche Jungfrau gewählt werden soll. So warfen auch die Apostel die Perlen nicht vor die Säue, sondern predigten denen, von denen sie größere Frucht erhofften; und sie tauften oder versöhnten nicht die Verstockten und Unwürdigen, sondern die Bußfertigen und recht Disponierten.
Viertens: Der Knecht geht nicht, wenn er nicht gesandt wird. So auch die wahren Apostel; denn von den falschen heißt es: „Sie liefen, und ich hatte sie nicht gesandt.”
Fünftens: Der Knecht betet, bevor er die Aufgabe in Angriff nimmt. So auch die Apostel; denn eine Predigt ohne vorheriges Gebet bringt keine Frucht.
Sechstens: Sobald der Knecht seine Pflicht erfüllte, fand er die Jungfrau, die er suchte. So wirkte auch Gott mit den Aposteln zusammen, sodass sie bei welchen Völkern auch immer sie hinkamen, Menschen fanden, die sie aufnahmen und glaubten.
Siebtens: Der Knecht bittet die Jungfrau um einen Trunk; der Durst der Apostel ist das Verlangen nach dem Heil der Seelen. Diejenigen, die ihre Worte hören und sie im Werk erfüllen, geben ihnen zu trinken.
Achtens: Der Knecht, als er sah, dass die Jungfrau gemäß seinem Gebet handelte, dankte Gott. So dankte auch Paulus überall Gott für die Bekehrung der Heidenvölker.
Neuntens: Der Knecht gibt der Braut Schmuck für ihre Ohren und Hände. Die Apostel schmücken die Kirche, sodass sie ihre Ohren durch den Glauben geschmückt hat und ihre Hände durch gute Werke. Die Pharisäer schmückten nur die Hände, das heißt, sie lehrten nur die Werke des Gesetzes. Simon und die Häretiker schmücken nur die Ohren, das heißt, sie predigen nur den Glauben, der aus dem Hören kommt; aber in Wahrheit genügt keines von beiden allein.
Zehntens: Der Knecht gibt der Jungfrau, die in die Ehe einwilligt, größere Geschenke. So werden auch den Gläubigen größere Gaben des Heiligen Geistes gewährt.
Elftens: Der Knecht kehrt, sobald das Geschäft abgeschlossen ist, unverzüglich zurück, weil er nur die Angelegenheiten seines Herrn besorgt. So taten es die Apostel, und so sollen es alle Prediger tun.
Zwölftens: Der Knecht führt die Jungfrau aus dem Haus ihres Vaters in das Haus Abrahams. So führten auch die Apostel die Seelen aus dem Heidentum zur Kirche.
Dreizehntens: Der Knecht bringt die Braut nicht für sich, sondern für seinen Herrn. So tat es auch Paulus, der sagte: „Ich habe euch einem einzigen Manne verlobt, um euch als reine Jungfrau Christus zuzuführen.”
Rebekka ist die gläubige Seele: Zehn Analogien
Rebekka zeigt den Charakter der Kirche und der gläubigen Seele.
Erstens: Rebekka bedeutet auf Hebräisch dasselbe wie gemästet, bereichert; denn sie hat Isaak zum Gatten, das heißt Lachen — nämlich Christus, der die Freude der Seele ist.
Zweitens: Rebekka war Jungfrau; und Christus will eine Jungfrau als seine Braut haben, rein von aller Liebe zum Fleisch und zur Welt; siehe, was zu 2. Korinther Kapitel 11,2 gesagt wurde.
Drittens: Rebekka wird bei der Arbeit gefunden. Christus will keine Müßiggänger haben.
Viertens: Rebekka zeigte dem Knecht Abrahams Nächstenliebe; und Christus verlangt Nächstenliebe von der gläubigen Seele.
Fünftens: Rebekka bietet dem Knecht Abrahams Gastfreundschaft und Speise an. So sollen die Gläubigen es den Predigern gegenüber tun.
Sechstens: Rebekka verlässt alles und folgt dem Knecht Abrahams; so tut es auch die gläubige Seele.
Siebtens: Rebekka nimmt ihre Dienerinnen mit sich; so bringt auch der Gläubige seinen Hausstand mit.
Achtens: Rebekka stieg, als sie sich Isaak näherte, vom Kamel herab. So demütigt sich der Gläubige, wenn er Christus naht, und lässt mit Scham und Reue alles fahren, was krumm und hochmütig war.
Neuntens: Rebekka bedeckte sich sofort, als sie Isaak sah. So errötet der Gläubige, je mehr er Christus erkennt, umso mehr über sein vergangenes Leben, wie es im Römerbrief 6 heißt: „Welche Frucht hattet ihr damals von den Dingen, deren ihr euch jetzt schämt?”
Zehntens: Rebekka bleibt für immer bei Isaak und kehrt nicht in das Haus ihres Vaters zurück. So wird der Gläubige, der mit Christus bis zum Ende ausharrt, gerettet werden. So der hl. Gregor, Buch 35 der Moralia, Kapitel 17; Eucherius, Buch 2 über die Genesis, Kapitel 40; Ferus und andere.