Cornelius a Lapide

Genesis XXV


Inhaltsverzeichnis


Zusammenfassung des Kapitels

Abraham zeugt sechs Kinder mit Ketura und stirbt. Zweitens werden in Vers 12 die Kinder und der Tod Ismaels berichtet. Drittens gebiert in Vers 20 Rebekka dem Isaak Jakob und Esau; von denen der Jüngere von Gott dem Älteren vorgezogen wird. Viertens verkauft Esau in Vers 29 sein Erstgeburtsrecht an Jakob für ein Gericht Speise.


Vulgata-Text: Genesis 25,1-34

1. Abraham aber nahm eine andere Frau namens Ketura: 2. Die gebar ihm Simran und Jokschan und Medan und Midian und Jischbak und Schuach. 3. Jokschan aber zeugte Saba und Dedan. Die Söhne Dedans waren die Aschuriter und die Letusiter und die Leummiter. 4. Von Midian aber stammten Epha und Epher und Henoch und Abida und Eldaa: alle diese waren Söhne der Ketura. 5. Und Abraham gab Isaak alles, was er besaß: 6. Den Söhnen seiner Nebenfrauen aber gab er Geschenke und trennte sie noch zu seinen Lebzeiten von seinem Sohn Isaak, gegen die Gegend des Ostens. 7. Die Tage des Lebens Abrahams aber waren hundertfünfundsiebzig Jahre. 8. Und er verschied und starb in gutem Alter, hochbetagt und lebenssatt, und wurde zu seinem Volk versammelt. 9. Und Isaak und Ismael, seine Söhne, begruben ihn in der Doppelhöhle, die im Feld Ephrons liegt, des Sohnes Zohars, des Hethiters, gegenüber von Mamre, 10. das er von den Söhnen Heths gekauft hatte: dort wurde er begraben und Sara, seine Frau. 11. Und nach seinem Tod segnete Gott seinen Sohn Isaak, der beim Brunnen wohnte, der „des Lebendigen und Sehenden” heißt. 12. Dies sind die Nachkommen Ismaels, des Sohnes Abrahams, den ihm Hagar, die Ägypterin, die Magd Saras, geboren hatte: 13. Und dies sind die Namen seiner Söhne nach ihren Bezeichnungen und Geschlechtern. Der Erstgeborene Ismaels war Nebajot, dann Kedar und Adbeel und Mibsam, 14. auch Mischma und Duma und Massa, 15. Hadad und Tema und Jetur und Nafisch und Kedma. 16. Das sind die Söhne Ismaels, und dies ihre Namen nach ihren Siedlungen und Lagerplätzen, zwölf Fürsten ihrer Stämme. 17. Und die Jahre des Lebens Ismaels waren hundertsieben-unddreißig, und er verschied und starb und wurde zu seinem Volk versammelt. 18. Er wohnte aber von Hawila bis Schur, das Ägypten gegenüberliegt, wenn man nach Assyrien geht; er starb im Angesicht aller seiner Brüder. 19. Dies sind auch die Nachkommen Isaaks, des Sohnes Abrahams: Abraham zeugte Isaak. 20. Der nahm, als er vierzig Jahre alt war, Rebekka zur Frau, die Tochter Bethuels, des Aramäers aus Mesopotamien, die Schwester Labans. 21. Und Isaak betete zum Herrn für seine Frau, weil sie unfruchtbar war; und er erhörte ihn und gab Rebekka Empfängnis. 22. Aber die Kinder stießen sich in ihrem Leib, und sie sprach: Wenn es mir so ergehen sollte, was war es nötig, schwanger zu werden? Und sie ging hin, den Herrn zu befragen. 23. Der antwortete und sprach: Zwei Völker sind in deinem Leib, und zwei Nationen werden sich aus deinem Schoß scheiden, und ein Volk wird das andere überwinden, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen. 24. Nun war die Zeit der Geburt gekommen, und siehe, Zwillinge fanden sich in ihrem Leib. 25. Der zuerst herauskam, war rötlich und am ganzen Leib behaart wie ein Fell, und sein Name wurde Esau genannt. Sogleich kam der andere heraus und hielt mit der Hand die Ferse seines Bruders, und deshalb nannte man ihn Jakob. 26. Isaak war sechzig Jahre alt, als ihm die Kinder geboren wurden. 27. Als sie herangewachsen waren, wurde Esau ein jagdkundiger Mann und ein Ackerbauer; Jakob aber war ein schlichter Mann, der in Zelten wohnte. 28. Isaak liebte Esau, weil er von seiner Jagdbeute aß; Rebekka aber liebte Jakob. 29. Jakob kochte ein Gericht; und als Esau erschöpft vom Feld zu ihm kam, 30. sprach er: Gib mir von diesem roten Gericht, denn ich bin ganz erschöpft. Deshalb wurde sein Name Edom genannt. 31. Jakob sprach zu ihm: Verkaufe mir dein Erstgeburtsrecht. 32. Jener antwortete: Siehe, ich sterbe, was nützt mir da das Erstgeburtsrecht? 33. Jakob sprach: So schwöre mir denn. Esau schwor ihm und verkaufte sein Erstgeburtsrecht. 34. Und so empfing er Brot und ein Linsengericht, aß und trank und ging davon und achtete es gering, dass er sein Erstgeburtsrecht verkauft hatte.


Vers 1: Abraham aber nahm eine andere Frau

Sara war gestorben, Hagar war auf Gottes Geheiß fortgeschickt worden und war vielleicht auch schon tot: daher nahm Abraham eine andere, eine dritte Frau, damit durch ihn die Nachkommenschaft auch unter den Völkern vermehrt werde. Dies geschah, nachdem Isaak Rebekka geheiratet hatte (worüber im vorigen Kapitel), und folglich nach dem Jahre 140 des Lebens Abrahams.

Allegorisch sind die Söhne Hagars Heiden und Ungläubige, die Söhne Keturas aber Häretiker, die die Söhne Isaaks, also die Gläubigen und Katholiken, verfolgen. So sagen Origenes und der hl. Augustinus, Frage 70.

NAMENS KETURA. Die Hebräer, Lyra und Thomas der Engländer meinen, sie sei dieselbe wie Hagar gewesen, die Ketura genannt wurde, das heißt „mit Weihrauch beräuchert”, weil sie nach ihrer Vertreibung aus dem Haus Abrahams sich der Keuschheit, dem Gebet und dem Gottesdienst widmete, dessen Sinnbild der Weihrauch und das Räucherwerk ist. Sie fügen hinzu, dass Abraham nach Saras Tod Isaak ausgesandt habe, um Hagar oder Ketura zurückzuholen. Doch dies sind Erfindungen der Juden, die Abulensis und Cajetan ausführlich widerlegen. Es scheint, dass sowohl Ketura als auch Hagar Mägde oder Sklavinnen Abrahams waren; denn wären sie freigeboren gewesen, würden sie in Vers 6 nicht Nebenfrauen genannt.

Anmerkung: Abraham heiratete Ketura nach dem Tod Saras, die im Alter von 127 Jahren starb, als Abraham 137 Jahre alt war. In diesem Alter also heiratete er Ketura und zeugte mit ihr sechs Kinder; denn Ketura war lebenskräftig und fruchtbar. Überdies unterstützte Gott, der Abraham die Zeugungskraft bei Sara über die Natur hinaus verliehen hatte, auch seine Zeugungskraft bei Ketura und ergänzte, was ihm fehlte.


Vers 2: Midian

Von ihm stammen die Midianiter ab: dies also sind die uns bekannten Nachkommen Abrahams durch Ketura; die übrigen sind unbekannt. Josephus berichtet jedoch, dass sie Arabien Felix bewohnten, bis zum Roten Meer.


Vers 3: Die Söhne Dedans waren die Aschuriter, die Letusiter und die Leummiter

Dies sind Namen von Stämmen und Völkern, die ihren Ursprung von den Söhnen Dedans herleiten. So sagt Vatablus, und es ergibt sich aus dem Hebräischen. Vielleicht wurden sie so nach dem Gewerbe eines jeden benannt; denn Aschurim bedeutet nach dem hl. Hieronymus Kaufleute; Letuschim Eisen- und Bronzeschmiede; Leummim Besitzer oder Herrscher vieler Stämme und Völker. Der chaldäische Text übersetzt: die in Lagern, in Zelten und auf Inseln wohnen.


Vers 4: Epher

Sein Sohn Afer gab der Stadt und Region Afrika ihren Namen, wie Josephus aus Alexander Polyhistor und Kleodemos lehrt; obwohl andere bei Solinus meinen, Afrika sei nach Afer, dem Sohn des Libys und des Herkules, benannt worden. Manche glauben, dass von diesen Söhnen Keturas die Brahmanen abstammen, die die Weisen und gleichsam die Ordensleute der Inder sind, und dass sie Brahmanen genannt wurden, gleichsam „Abrahamanen”; weshalb die Brahmanen auch einen gewissen Perabrama als den ältesten der Götter verehren, der der erste ihrer Väter zu sein scheint.


Vers 6: Den Söhnen der Nebenfrauen aber

Der Hagar und der Ketura. Hieraus geht hervor, dass Abraham Hagar und Ismael nicht vernachlässigte, obwohl er sie von sich fortgeschickt hatte; sondern er sandte ihnen von Zeit zu Zeit Geschenke.

Man beachte, dass diese Nebenfrauen wahre Ehefrauen waren (denn so werden sie in Vers 1 und anderswo genannt), aber von niedrigerem Rang und in der Regel Sklavinnen. Daher war die Hauptfrau die Herrin und wurde so genannt. So gab Abraham der Jiska in Kapitel 11,29 den Namen Sarai, das heißt „meine Fürstin” oder „meine Herrin”. Diese Hauptfrau wurde unter vorausgehender Verlobung, festgesetzter Mitgift und feierlichem Ritus geheiratet und war die Mutter der Familie und Teilhaberin ihres Mannes an allen Gütern sowie Verwalterin des Hauses; schließlich war ihr Sohn der Erbe des Vaters. Die Nebenfrauen hatten gewöhnlich und ordentlich nichts dergleichen; sie blieben in der Regel Sklavinnen und von knechtischer Stellung. So sagen Pererius und andere.

GESCHENKE. Gold, Silber, Kleider, Vieh usw.

ER TRENNTE sie, damit sie nicht mit Isaak streiten und ihn im Besitz des Gelobten Landes stören würden. Ferner damit ihre Nachkommen die Kinder Isaaks nicht mit ihrem Götzendienst und ihren Lastern anstecken würden.

GEGEN DIE GEGEND DES OSTENS. Anmerkung: Die Nachkommen Ismaels grenzten eng an die Nachkommen Isaaks nach Osten hin. Die von Ketura Geborenen aber wohnten jenseits der Ismaeliter weiter nach Osten, und deshalb werden sie in der Schrift immer „die Söhne des Ostens” genannt, deren häufig Erwähnung geschieht. Siehe Arias in seinem Buch Kanaan, Kapitel 3 und 4.


Vers 8: Und er verschied

Das heißt: Abraham starb nicht an einer Krankheit, noch durch irgendeine von außen zugefügte Gewalt, sondern vor Alter, da seine natürliche Feuchtigkeit, Wärme und Kraft versagte.

ER STARB. Abraham starb 40 Jahre nach dem Tod seines Vaters Terach, 35 Jahre nach der Heirat Isaaks (die im Jahre 140 Abrahams, dem Jahre 40 Isaaks stattfand), als Esau und Jakob, die Isaak im Alter von sechzig Jahren gezeugt hatte, bereits 15 Jahre alt waren. Denn obwohl Mose die Geburt Jakobs und Esaus erst später in diesem Kapitel nach dem Tod Abrahams erzählt, ereignete sie sich tatsächlich vorher. Denn Mose wollte alle Taten, das Leben und den Tod Abrahams zusammen berichten und dann die Taten Isaaks und Jakobs gesondert der Reihe nach verfolgen. Daher wird manches hier durch Vorwegnahme zusammengefügt, obwohl es später geschah, weil es zum selben Gegenstand gehört; und aus demselben Grund wird anderes hintenangestellt, obwohl es früher geschah, durch Hysteron-Proteron.

Anmerkung: Abraham wurde im Jahre 292 nach der Sintflut geboren; er lebte 175 Jahre; daher starb er im Jahre 467 nach der Sintflut. Noach starb im Jahre 350 nach der Sintflut, als Abraham 58 Jahre alt war. Sem, der Sohn Noachs, der der neunte Vorfahre Abrahams war, lebte 502 Jahre nach der Sintflut; und so überlebte Sem Abraham um 35 Jahre. Eber, der sechste Vorfahre Abrahams, starb im Jahre 561 nach der Sintflut; daher überlebte er Abraham, seinen sechsten Urenkel, um 94 Jahre. Eber starb demnach im Jahre 109 des Lebens Jakobs, ebenso wie Sem starb, als Jakob 50 Jahre alt war.

Zweite Anmerkung: Abraham starb im Jahre 2123 der Welt, als Ismael 89 Jahre alt war und Isaak 75, und er sah die zwei Söhne Isaaks sowie die zwölf Söhne Ismaels, alle Fürsten ebenso vieler Völker. Die Söhne Keturas waren damals etwa 30 Jahre alt. Denn Abraham hatte Ketura kurz nach dem Jahre 140 seines Alters geheiratet, wie ich gesagt habe.

Dritte Anmerkung: Vom Tod Abrahams bis zum Abstieg Jakobs nach Ägypten, der im Jahre 130 des Alters Jakobs stattfand, vergingen 115 Jahre; vom Tod Abrahams bis zum Auszug des Mose und der Hebräer aus Ägypten vergingen 330 Jahre. Da Mose damals beim Auszug der Hebräer aus Ägypten achtzig Jahre alt war, folgt daraus, dass er 250 Jahre nach dem Tod Abrahams geboren wurde.

Vierte Anmerkung: Dies ist die Chronologie des Lebens Abrahams. Abraham wurde im Alter von 75 Jahren von Gott aus Chaldäa berufen und machte sich nach Haran auf; im Alter von 85 heiratete er Hagar, und mit 86 wurde ihm Ismael geboren; mit 99 wurde er beschnitten; im selben Jahr wurde Sodom durch himmlisches Feuer verbrannt; mit 100 wurde ihm Isaak geboren; mit 105 wurde Isaak entwöhnt und Ismael aus dem Haus vertrieben; mit 125 geschah die Opferung Isaaks; mit 135 starb Terach; mit 137 starb Sara; mit 140 gab er Isaak Rebekka zur Frau; mit 160 wurden ihm von Isaak die Enkel Jakob und Esau geboren; mit 175 starb Abraham.

IN GUTEM ALTER, reif und zu seiner Zeit, ob man sein Alter oder seine Gnade betrachte; sein Alter, weil er hochbetagt und ohne Krankheit war; seine Gnade, weil er voll der Verdienste dahinschied. Denn wie Philo in seinem Buch „Wer ist der Erbe göttlicher Dinge” sagt, hat ein gewisser Prophet mit Recht gesagt, er wolle lieber einen Tag mit Tugend leben als tausend Jahre im Schatten des Todes, das heißt in Sünde und schlechtem Lebenswandel.

LEBENSSATT, des Lebens satt, wie es im Hebräischen heißt, und begehrend, aufgelöst zu werden.

Aristoteles beklagte, dass die Natur den Tieren fünf oder zehn Jahrhunderte zum Leben gewährt habe, während für den Menschen, der zu so Großem geboren ist, eine weit kürzere Frist gesetzt sei. Doch der Gläubige kennt jenes Wort: „Ich weiß, dass ich aufsteige, um herabzusteigen, grüne, um zu verwelken, heranwachse, um zu altern, lebe, um zu sterben, sterbe, um ewig selig zu sein.” Die Zeit fliegt, sagt Cicero, und dieses Leben ist nichts anderes als ein Wettlauf zum Tod, in dem es, wie der hl. Augustinus sagt, niemandem erlaubt ist, auch nur ein wenig stillzustehen oder ein wenig langsamer zu gehen. Weise ist daher, wer sein ganzes Leben hindurch zu leben, ja vielmehr zu sterben gelernt hat und weiß, dass dieser Leib eine schwere Last für edle Seelen ist, und deshalb wünscht, dass er der Erde zurückgegeben werde, woher er kam, und Staub zu Staub zurückkehre, damit der Geist, frei, zu den Vätern und zu den Engeln und zu Gott emporfliege.

Wenn Abraham, des Lebens satt, den Tod wünschte, als er in den Limbus gehen sollte, warum sollte nicht ein Christ den Tod wünschen, der in den Himmel gehen soll? Der selige Thomas Morus, als er enthauptet werden sollte und der Henker wie üblich um Verzeihung bat, gab ihm einen Kuss und eine Goldmünze und sprach: „Du wirst mir heute eine Wohltat erweisen, die mir bisher kein Sterblicher erwiesen hat noch erweisen konnte.” Höre die hl. Theodora, die zum Richtplatz eilte und mit dem Soldaten, der sie durch Kleidertausch aus dem Kerker befreit hatte, damit sie nicht geschändet würde, um das Martyrium stritt: „Ich habe dich nicht als Bürgen meines Todes gewählt, sondern ich wünschte dich als Hüter meiner Keuschheit; gegen mich ist das Urteil ergangen, das zu meinen Gunsten gesprochen wurde. Ich werde gewiss unschuldig sterben, damit ich nicht schuldig sterbe. Hier gibt es keine Mitte: heute bin ich entweder schuldig an deinem Blut oder Märtyrerin meines eigenen”, wie der hl. Ambrosius im 2. Buch Über die Jungfrauen berichtet.

ER WURDE ZU SEINEM VOLK VERSAMMELT, das heißt: Abraham legte die Sterblichkeit ab wie alle anderen, trat den Weg alles Fleisches an und ging vom Zustand der Lebenden hier in den Zustand der Väter über, die im anderen Leben weilen.

Aus dieser Wendung schließen Theodoret, Cajetan, Lyra und Pererius: erstens, dass die menschliche Seele unsterblich ist; zweitens, dass die Seelen der Verstorbenen nicht einsam leben, sondern in Gemeinschaft und Gesellschaft, gleichsam in einem Volk, ob sie im Himmel oder im Limbus seien, wie es zur Zeit Abrahams der Fall war; drittens, dass sowohl von Bösen wie Rehabeam, Ahas und anderen, als auch von Guten gesagt wird: „Er entschlief bei seinen Vätern”; aber fast nur von den Guten und Gerechten, wie von Abraham, Isaak, Jakob, Mose und Aaron, gesagt wird: „Er wurde zu seinem Volk versammelt.” Viertens verstehen der hl. Augustinus (Frage 268), Tostatus und Burgensis unter „Volk” die Gemeinschaft der Engel, zu der Abraham und die anderen heiligen Väter versammelt wurden. Einfacher und natürlicher aber verstehen Rupert und andere unter „Volk” die Gemeinschaft der gerechten Menschen, zu der die Gerechten beim Tod versammelt werden, ebenso wie eine reife Ernte von den Feldern geerntet und in die Scheune eingebracht wird. Fünftens bemerkt Burgensis, dass im Alten Testament zu lesen ist: „Er wurde zu seinem Volk versammelt”, das heißt zu Eber, Noach, Abel, Set, Adam und anderen, die im Limbus die Seligkeit erwarteten; im Neuen Testament aber, in dem die reinen Seelen sogleich zum Himmel fliegen, heißt es: „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben” usw. „Wohl dir, du guter und treuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn.”

Die Grabinschrift Abrahams siehe bei Jesus Sirach, Kapitel 44,20, wo es heißt: „Abraham war der große Vater einer Menge von Völkern, und keiner ward ihm gleich gefunden an Herrlichkeit, der das Gesetz des Höchsten bewahrte” usw.

Burgensis fügt hinzu, dass vor Abraham keiner der Väter in den Limbus hinabgestiegen sei; sondern dass Adam, Abel, Set, Enosch, Noach und alle Gerechten vor Abraham zuerst ins Fegefeuer gingen, wegen der lässlichen Sünden, die sie begangen hatten: denn, sagt er, von ihnen wird gesagt, dass sie gestorben seien; von Abraham aber wird als erstem gesagt, dass er zu seinem Volk versammelt wurde, nämlich im Limbus.

Doch dies ist nicht unwahrscheinlich. Denn Abel starb als Märtyrer und ging daher in den Limbus, nicht ins Fegefeuer. Ebenso war Noach ein gerechter und vollkommener Mann, ja er wandelte mit Gott. Daher gingen diese und andere in den Limbus; dennoch wird von ihnen nicht gesagt, sie seien zu ihrem Volk versammelt worden, weil es damals noch kein Volk und keine Menge der Gerechten im Limbus gab; sondern sie sammelten und bildeten dieses Volk nach und nach durch ihr Sterben. Denn als Abel erschlagen wurde, war niemand im Limbus, sondern er war der erste, der dorthin ging.

Hier endet der dritte Teil der Genesis, der sich von der Geburt Abrahams bis zu seinem Tod erstreckt, an welchem Punkt auch Pererius seinen dritten Band des Kommentars zur Genesis beendet.


Vers 11: Er segnete Isaak

Er tat Isaak Gutes, indem er ihn bereicherte.


Vers 14: Auch Mischma und Duma und Massa

Dies sind die Eigennamen dreier Söhne Ismaels. Die Hebräer verwenden sie zusammen als Sprichwort und sagen: masma, duma, wemassa. Damit wollen sie andeuten, dass vieles zu hören, zu verschweigen und zu ertragen sei; was die Griechen mit „Ertrage und enthalte dich” ausdrücken. Denn masma bedeutet im Hebräischen Hören, duma Schweigen, massa Ertragen. Was die Italiener so ausdrücken: „Höre, sieh, schweige, wenn du in Frieden leben willst.”


Vers 15: Tema

Von ihm stammen die Stadt und Region Teman, im Süden Edoms, deren König Eliphas war, der Freund des heiligen Ijob, der deshalb der Temaniter genannt wird.


Vers 17: Er wurde zu seinem Volk versammelt

Aus dieser Wendung schließen die Hebräer, dass Ismael, nachdem er Isaak verspottet und gequält hatte und aus dem Haus Abrahams vertrieben worden war, seine Gesinnung und sein Leben änderte, rechtschaffen lebte und deshalb gerettet wurde. Siehe, was zu Vers 8 gesagt wurde.


Vers 18: Hawila

Dies ist eine Region, nicht in Indien, sondern nahe der Wüste Schur gelegen, zwischen Ägypten, Assyrien und Palästina; darüber siehe Kapitel 2,11. Die Nachkommen Ismaels besaßen daher den ganzen Landstrich, der sich vom Persischen Golf bis nach Assyrien erstreckt und der heute Cabana genannt werden soll.

IM ANGESICHT ALLER SEINER BRÜDER, weil Ismael inmitten seiner Brüder wohnte; denn er hatte Isaak im Westen und die Söhne Keturas im Osten.

ER STARB IM ANGESICHT ALLER SEINER BRÜDER. Für „starb” steht im Hebräischen naphal, das heißt „er fiel”, als ob man sagen wollte: Während seine Brüder standen, lebten und zusahen, fiel Ismael und starb; und dies etwas vorzeitig im Alter von 137 Jahren, während seine anderen Verwandten und Brüder länger lebten; denn Isaak lebte 180 Jahre. Ismael starb 48 Jahre nach dem Tod Abrahams: denn er wurde im Jahre 86 Abrahams geboren. Abraham lebte insgesamt 175 Jahre. Andere erklären es so: „er fiel”, nämlich sein Los fiel, als ob man sagen wollte: Ismael wohnte unter seinen Brüdern, wie die Septuaginta, der chaldäische und der arabische Text übersetzen. Doch wird hier kein Los erwähnt. Daher übersetzt Pagninus: und er starb.


Vers 20: Bethuels, des Aramäers aus Mesopotamien

Das heißt: Bethuel war ein Aramäer, der aus jenem Teil Syriens stammte, der Mesopotamien genannt wird. Hierzu beachte erstens: „Syrer” heißt auf Hebräisch Arammi, als ob man „Armenier” sagen wollte; und Syrien heißt Aram, als ob man Armenien sagen wollte. Es scheint daher aus diesem hebräischen Wort, dass Syrien, das sich, wie ich gleich sagen werde, weit erstreckte, einst Armenien genannt wurde, nach Aram, dem Sohn Sems, dem Enkel Noachs, Genesis 10.

Zweitens erstreckte sich Syrien bei den Alten weit und breit und umfasste viele Regionen, die durch verschiedene Beinamen unterschieden wurden, wie aus 2 Könige, Kapitel 10,6 und 8 hervorgeht.

Erstens wird die Region, in der Damaskus liegt, Aram Dammeseq, das heißt Syrien von Damaskus, genannt.

Zweitens wird das Syrien, in dem Zoba liegt, Aram oder Syrien von Zoba genannt. Dies ist jenes, das zwischen dem Libanon und dem Antilibanon liegt und durch eine Verballhornung des hebräischen Wortes Zoba Hohles Syrien und von den Griechen Coelesyrien genannt wurde, wegen der von den Bergabhängen herabgesenkten Ebene (was Zoba im Hebräischen bedeutet).

Drittens ist Aram Naharajim, das heißt Syrien der zwei Flüsse, Mesopotamien, das auch Interamnis genannt wird, weil es zwischen dem Euphrat und dem Tigris liegt. Dasselbe heißt Aram Padan, als ob man sagen wollte: Syrien der Ebenen. Denn padan bedeutet in der ismaelitischen Sprache ein Feld oder eine flache Gegend. Daher wird auch der berühmteste Fluss Italiens Padus (Po) genannt, weil er lange durch ebene Gebiete fließt. So wird Bethuel hier Aramäer genannt, weil er Mesopotamier war, nämlich aus Haran, einer Stadt Mesopotamiens, stammte.

Viertens gibt es das Syrien von Maacha; so genannt nach Maacha, dem Sohn Nahors von seiner Frau Reuma, Genesis, Kapitel 22, letzter Vers.


Vers 21: Und er betete

Im Hebräischen steht iethar, das heißt „er betete viel und inständig” und besänftigte liebevoll Gott mit einem sanften und süßen Gebet. Daher meint der hl. Chrysostomus, dass Isaak zwanzig Jahre lang um die Beseitigung der Unfruchtbarkeit Rebekkas betete und es erst im zwanzigsten Jahr erlangte; denn Isaak heiratete Rebekka im Jahre 40 seines Alters und zeugte erst im Jahre 60 mit ihr Jakob und Esau. „Damit auch wir”, sagt er selbst in Homilie 49, „den Gerechten nacheifernd, beharrlich im göttlichen Gebet seien, wann immer wir etwas von Gott erbeten haben. Denn wenn jener Gerechte, mit solcher Tugend begabt und solch große Gnade bei Gott habend, solche Beständigkeit und solchen Eifer an den Tag legte, beständig Gott anzuflehen, damit die Unfruchtbarkeit Rebekkas beseitigt werde: was sollen dann wir sagen, die wir von so schweren Lasten der Sünden bedrückt werden; und wenn wir doch für kurze Zeit einigen Eifer und Fleiß gezeigt haben, erschlaffen und zurückweichen, wenn wir nicht sofort erhört werden” usw.

Anmerkung: Gott wollte, dass die heiligen Frauen Sara und Rebekka (wie auch Rachel und Hanna) eine Zeitlang unfruchtbar seien, um uns zu lehren, dass der gesegnete Same, nämlich Christus, aus Sara und Rebekka (wie auch die heiligsten Männer, Joseph aus Rachel und Samuel aus Hanna) nicht durch die Kräfte der Natur, sondern aus reiner Gnade Gottes, durch ein Wunder, geboren und der Welt geschenkt wurde. So sagt der hl. Chrysostomus. Gott hatte also beschlossen, dass Jakob und Christus aus Rebekka geboren werden sollten, aber nicht ohne die Vermittlung der Zweitursachen und die Gebete Isaaks, die es erlangten.


Vers 22: Die Kinder stießen sich in ihrem Leib

Die Septuaginta übersetzt eskirtoun, was der hl. Ambrosius mit „sie hüpften vor Freude” wiedergibt; der hl. Augustinus mit „sie drängten”; im Hebräischen steht iitrotsetsu, was der hl. Hieronymus mit „sie traten” übersetzt; Aquila mit „sie wurden gegeneinandergestoßen”; Symmachus mit epalaion, das heißt „sie rangen”, als ob sie Ringkämpfer wären.

Diese Knaben schüttelten, drängten und pressten sich also gegenseitig, während jeder eifrig danach strebte, als erster den Mutterleib zu verlassen und geboren zu werden, um der Erstgeborene zu sein.

Anmerkung: Dieser Wettstreit und dieses Ringen der Kinder Jakob und Esau geschah nicht durch die Kraft der Natur, sondern durch Gottes Lenkung, als Vorzeichen dafür, dass Jakob und Esau nach ihrer Geburt um das Erstgeburtsrecht und den Vorrang miteinander ringen und streiten würden, wie aus Vers 23 hervorgeht. Daher hielt Jakob die Ferse Esaus, als wollte er ihn verdrängen, damit er nicht zuerst den Mutterleib verlasse. So sagt Rupert: „Die Haltung eines jeden zeigt, wer der Anführer des Kampfes im Inneren war; Esau nämlich, von Jakob geschlagen, scheint zu fliehen, während Jakob, der seinen Fuß mit der Hand hält, die Gestalt eines Verfolgenden und den besiegten Rücken Schlagenden zeigt.” Er fügt allegorisch hinzu, dass durch dieses Ringen Jakobs und Esaus der Kampf der Christen mit den Juden bezeichnet werde.

Die Scholastische Geschichte und der hl. Ambrosius im 4. Buch Über den Glauben, Kapitel 4, und der hl. Augustinus, wie ihn Dionysius der Kartäuser zitiert (obwohl ich bisher bei dem hl. Augustinus nichts dergleichen gefunden habe), meinen, dass dieses Zusammenstoßen dem Hüpfen Johannes des Täufers im Leib seiner Mutter ähnlich war und daher sowohl Jakob als auch Johannes der Täufer im Mutterleib geheiligt worden seien. Sie bestätigen dies damit, dass der Apostel in Römer 9 versichert, Gott habe Jakob geliebt, bevor er etwas Gutes getan hatte, und als er noch im Leib seiner Mutter war. Doch mit demselben Argument müsste man sagen, dass auch Esau im Mutterleib geheiligt worden sei. Daher war das Hüpfen des hl. Johannes etwas anderes als das Zusammenstoßen und Ringen Jakobs und Esaus, und auch die Meinung des Apostels ist eine andere, wie ich zu Römer 9 erklärt habe. Diese Meinung von ihnen entbehrt daher der Grundlage und scheint leichtfertig behauptet zu sein.

So sind das Leben und die Taten berühmter Männer oft durch Vorzeichen und Vorbedeutungen vorherbezeichnet worden. Sokrates sah im Traum einen jungen Schwan in seinem Schoß Federn bekommen, der sogleich, nachdem ihm Flügel gewachsen waren, in die Höhe flog und die süßesten Gesänge ertönen ließ: dies war natürlich Platon, der Schüler des Sokrates, der unter den Philosophen an Weisheit und Beredsamkeit hervorragte. Daher sagte er am nächsten Tag, als Platon ihm von seinem Vater empfohlen wurde: „Dies ist der Schwan, den ich gesehen habe.” Diogenes Laertius bezeugt dies in seinem Leben Platons.

Die Mutter des hl. Dominikus schien, als sie schwanger war, im Traum zu sehen, dass sie in ihrem Schoß ein Hündchen trug, das eine Fackel im Maul hielt, mit der es, ans Licht gebracht, die Welt in Brand setzen würde. Durch diesen Traum wurde angedeutet, dass der hl. Dominikus die Menschen auf der ganzen Welt mit dem Glanz seiner Heiligkeit und Lehre entflammen würde.

Der hl. Thomas von Aquin wendete als Säugling ein Stück Papier hin und her, ja er aß es sogar, und deutete damit an, wie wissbegierig er als Erwachsener sein würde.

Aus dem Mund des hl. Ephräm sahen seine Eltern als Knabe einen Weinstock hervorgehen, der die ganze umliegende Gegend erfüllte und andeutete, wie weit sich seine Lehre und Tugend verbreiten würden.

UND SIE GING HIN, DEN HERRN ZU BEFRAGEN, auf dem Berg Morija durch Melchisedek. So sagen Eusebius, Gennadius, Theodoret und Diodor. Ebenso sagt der hl. Chrysostomus in Homilie 50, dass Rebekka durch einen Priester Gott befragte und durch denselben eine Antwort von Gott empfing. Daher fügt er hinzu: „Sieh, wie groß die Würde der Priester schon damals war.”

Zweitens übersetzen die Jerusalemer Paraphrase und die Hebräer: Sie ging, um Barmherzigkeit zu erbitten im Haus, wo Sem predigte. Denn Sem, der Sohn Noachs, lebte noch: er starb nämlich, als Jakob im fünfzigsten Lebensjahr war. Überdies meinen die Hebräer, dass Melchisedek Sem war: und so würde diese ihre Auslegung mit der ersten des Eusebius zusammenfallen.

Drittens meinen am einfachsten und klarsten Theodoret, Diodor und Prokop, dass Rebekka, im Geist erschreckt, zu einem nahen häuslichen Altar ging und dort zu Gott betete, der durch einen Engel das Folgende antwortete: „Zwei Völker sind in deinem Leib, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.” Daraus erkannte Rebekka, dass Jakob Esau vorgezogen werden würde und dass das Erstgeburtsrecht und der väterliche Segen ihm gehören würde.


Vers 23: Zwei Völker

ZWEI VÖLKER — zwei Söhne, die Väter und Häupter zweier Völker sein werden, nämlich der Juden und der Edomiter, die einander feindlich gegenüberstehen. Siehe Amos 1,11.

DER ÄLTERE WIRD DEM JÜNGEREN DIENEN. — Der erstgeborene Esau wird dem jüngeren Jakob dienen, nicht in eigener Person (denn wir lesen, dass dies nie geschah; vielmehr unterwarf sich Jakob dem Esau), sondern in seiner Nachkommenschaft. Denn die Juden, die Nachkommen Jakobs, besaßen als alleinige Erben Abrahams das Gelobte Land Kanaan und wurden mit Gottes Segnungen bereichert, und die Edomiter, die Nachkommen Esaus, dienten ihnen zur Zeit Davids und Salomos, wie aus 2 Könige, Kapitel 8 hervorgeht. Und obwohl sie später das Joch abwarfen, wurden sie dennoch von Hyrkanus wieder unterworfen, empfingen die Beschneidung und verschmolzen zu einem Volk mit den Juden, wie Josephus bezeugt, Altertümer XIV, Kapitel 17. Daher verwechseln Plinius und andere bisweilen die Edomiter mit den Juden.

Allegorisch werden die Juden, obwohl sie die Älteren sind, den Christen in der Kirche, in der Gnade und im Heil dienen und hinter sie gestellt werden, gleichwie das alte Gesetz dem neuen diente, Römer 9,10.

Tropologisch dienen die bösen Tyrannen den guten Märtyrern, weil sie ihnen durch ihre Verfolgung, Kreuze und Qualen ewige Kronen bereiten und schmieden. Überdies werden oft die Bösen den Guten in diesem Leben unterworfen sein; gewiss aber und stets werden sie ihnen nach dem Tag des Gerichts unterworfen sein; denn dann werden die Gerechten die Völker richten und über die Nationen herrschen. So der hl. Augustinus, Predigt 78.

Zweitens dient in den Gerechten der Größere dem Kleineren, das heißt das Fleisch dient dem Geist, und die Laster weichen den Tugenden, sagt Origenes.

Tropologisch stellt Esau die Bösen dar, aufgrund von zwölf Analogien, sagt Pererius.

Die erste ist, dass Esau bei den Menschen der Erste und Geehrtere war, Jakob aber bei Gott: so übertreffen die Bösen in diesem Leben die Guten an natürlichen Gaben, Begabung, Klugheit, Adel, Stärke, Schönheit und Reichtum und werden von den Menschen geschätzt, während sie vor Gott ruhmlos und unansehnlich sind; das genaue Gegenteil gilt für die Guten.

Die zweite ist, dass der Ältere dem Jüngeren dienen wird; so scheinen zwar die Bösen in dieser Welt über die Guten zu herrschen, doch in Wahrheit dienen sie ihnen und ihrer Herrlichkeit und ihren Kronen, wie ich gesagt habe.

Die dritte: Der Zusammenstoß zwischen Jakob und Esau bezeichnet den beständigen Kampf und Streit, der zwischen den Bösen und den Guten besteht.

Die vierte: Esau kommt zuerst heraus, aber Jakob hält seine Ferse. So sind die Anfänge der Gottlosen glücklich und erfolgreich, aber ihre Enden sind traurig und auf ewig verhängnisvoll.

Die fünfte: Esau war ganz behaart, was seine rauen Sitten, seinen wilden Geist, seine verschlagene Veranlagung und seine lüsterne Neigung bezeichnete: so sind die Gottlosen.

Die sechste: Esau war ein Jäger und Ackerbauer. So sind die Gottlosen ganz der Erde und den irdischen Gütern ergeben.

Die siebte: Esau verkaufte sein Erstgeburtsrecht für ein billiges Linsengericht. So vertauschen die Gottlosen das Recht der Kindschaft Gottes und die Hoffnung auf das ewige Leben gegen die wertlosesten Güter.

Die achte: Esau achtete seinen Verlust gering. So rechnen die Verworfenen den Verlust der göttlichen Gnade und der himmlischen Herrlichkeit für nichts.

Die neunte: Esau beleidigte durch die Heirat mit kanaanäischen Frauen seine Eltern schwer. So beleidigen die Bösen, wenn sie sich mit schlechten Gefährten verbinden, Gott und die Kirche schwer.

Die zehnte: Esau erkannte schließlich seine Übel und Verluste und stöhnte, weinte und bereute, aber mit eitler und leerer Reue. Eine ähnliche Reue üben die Verworfenen in Weisheit 5.

Die elfte: Esau hasste Jakob und verfolgte ihn. So verfolgen die Bösen die Guten.

Die zwölfte: Isaak liebte Esau, weil er von seiner Jagdbeute aß; Rebekka aber liebte Jakob schlicht und unbedingt, weil er gut und heilig war. So sind die Bösen nur bedingt zu lieben, weil ihre kunstvollen Werke und körperlichen Erfindungen dem Gemeinwesen nützlich sind; die Auserwählten und Heiligen aber sind, so wie sie groß und geehrt vor Gott sind, schlicht und unbedingt zu lieben und zu ehren.


Vers 25: Und ganz behaart wie ein Fell, und sein Name wurde Esau genannt

Neugeborene werden gewöhnlich glatt geboren; Esau aber wurde am ganzen Leib behaart geboren, nach Gottes Fügung, damit sein raues und hartes Wesen, seine Sitten und sein zukünftiges Leben vorherbezeichnet würden.

Esau erschien also bei der Geburt nicht so sehr als Säugling, sondern durch seine Behaarung und Struppigkeit als ausgewachsener Mann, und deshalb wurde er Esau genannt, gleichsam asui, das heißt „vollkommen gemacht” und „vollendet”: denn er war behaart wie ein reifer Mann. Zweitens wurde er ebendaher auch Seir genannt, das heißt „behaart”. Drittens wurde er Edom genannt, das heißt „rot”, sowohl wegen seiner roten Hautfarbe als auch vor allem wegen des roten Gerichts, für das er sein Erstgeburtsrecht an Jakob verkaufte, wie in Vers 30 zu sehen ist. So der hl. Hieronymus zu Obadja, Cajetan, Oleaster und Pererius.

Ferner sagt der hl. Hieronymus zu Amos 2,9: „Von welchem (Eichen-)Wort Philo, der beredteste Mann unter den Hebräern, meint, dass Esau droinon genannt wurde, das heißt eichen und kräftig, obwohl Esau auch als noema, das heißt Machwerk, verstanden werden kann, um es auf böse Werke zu beziehen.” Wie aber Esau von einer Eiche benannt worden sein könnte, sehe ich nicht; denn die Eiche heißt im Hebräischen ela, nicht Esau, es sei denn, Philo leitet Esau von einer anderen Wurzel ab.

SOGLEICH KAM DER ANDERE HERAUS UND HIELT DIE FERSE SEINES BRUDERS MIT DER HAND. — Seine Lage war so, als wollte er vorausgehen oder zugleich mit seinem Bruder aus dem Mutterleib heraustreten, als ob er danach trachtete, ihm zuvorzukommen, oder zumindest das Erstgeburtsrecht zusammen mit ihm zu beanspruchen. Dies geschah nicht natürlich, sondern durch Gottes Fügung und Anordnung. Siehe, was zu Vers 22 gesagt wurde.

UND DESHALB NANNTE (Isaak, der Vater, dem es zukam, dem Kind einen Namen zu geben) ER IHN JAKOB. — Denn Jakob bedeutet dasselbe wie „Fersenhalter”, wie aus Kapitel 27,36 hervorgeht, oder „der die Ferse hält”. (Denn ekeb bedeutet „Fuß” oder „Ferse”), und somit „der betrügt und verdrängt”.

Eucherius hat eine Allegorie im 2. Buch, Kapitel 46, nämlich dass Jakob Christus ist, der Esau, das heißt die Juden, verdrängt hat.


Vers 27: Ein Ackerbauer

Die Septuaginta hat agroikos, das heißt „bäuerlich”. Im Hebräischen steht: Esau war ein Mann des Feldes, das heißt, er hielt sich beständig und gern auf dem Feld auf, fern von der Stadt, selten zu Hause, fast immer auf freiem Feld lebend.

EIN SCHLICHTER MANN. — Im Hebräischen steht tam, was die Septuaginta mit aplastos übersetzt, das heißt „unverfälscht”, als ob man sagte: ohne Falsch und Trug. Symmachus übersetzt atomos, das heißt „ohne Tadel”. Aquila hat aplous, das heißt „nicht doppelzüngig, sondern schlicht”. Eigentlich bedeutet tam dasselbe wie „aufrecht, unschuldig, vollständig, vollkommen”; denn die Wurzel tamam bedeutet „vollenden, vollkommen machen”.

Ein schlichter Mann ist also ein aufrechter Mann, der sich allein Gott und der Tugend widmet und nicht auf vielen Abwegen und unerlaubten Pfaden umherirrt. So wird auch Ijob ein schlichter Mann genannt. Und so ist diese Schlichtheit nicht der Klugheit entgegengesetzt, sondern dem Trug und der Falschheit; und diese Schlichtheit ist Wahrheit, Reinheit, Aufrichtigkeit und Unschuld der Seele, frei von Falschheit, Verstellung und Sünde und unvermischt, sagt der hl. Chrysostomus. So sagt Cicero in De Finibus, Buch II: „Wir lieben das Wahre, das heißt das Treue, Schlichte, Beständige; und wir hassen das Eitle, Falsche, Trügerische, wie Betrug, Meineid, Bosheit, Ungerechtigkeit.” Durch diese Schlichtheit erlangte Jakob von Gott alles Gedeihen, sodass ihm mit Recht dieses Sinnwort zugeschrieben wird: „Kluge Schlichtheit, reiche Glückseligkeit.”

ER WOHNTE IN ZELTEN — er hielt sich zu Hause auf. So die Septuaginta. Denn die Häuser der Alten, besonders der Patriarchen, waren Zelte oder Laubhütten, als ob man sagen wollte: Jakob widmete sich zu Hause einem ruhigen Leben, häuslichen Pflichten und der Pflege seiner Seele. So Cajetan.

Mit Recht sagte Hesiod: „Es ist besser, zu Hause zu sein, und es ist schädlich, draußen umherzuschweifen.” Die Hebräer verstehen nach Lyra unter „Zelten” die Schulen, die Jakob besuchte, um Weisheit und die Furcht Gottes zu lernen. Die eine, sagen sie, war die Schule Melchisedeks oder Sems, die zweite Ebers, die dritte Abrahams. Daher übersetzt der chaldäische Text: Jakob war ein aufrechter Mann und ein Schüler (Hörer) des Hauses der Unterweisung, das nichts anderes ist als eine Schule. Wenn dies wahr ist, sieh, wie alt Schulen und Akademien sind. Eine solche war auch zur Zeit Josuas 15,15 Kirjat-Sepher, das heißt die Stadt der Buchstaben, gleichsam eine Akademie. Über das Alter und den Ursprung der einzelnen Akademien siehe Middendorp.

Tropologisch sagt der hl. Gregor, Moralia, Buch V, Kapitel 7: „Die Frommen”, sagt er, „ziehen sich von den Zerstreuungen in die inneren Geheimnisse des Geistes zurück und ruhen dort gleichsam im Schoß der Ruhe; dies sind die Zelte der Frommen.”


Vers 28: Rebekka liebte Jakob

Weil Jakob ruhiger, sanfter und angenehmer war als Esau, und weil Rebekka in Vers 23 von Gott gehört hatte, dass er seinem älteren Bruder vorgezogen werden sollte.


Vers 29: Ein Gericht

Aus Linsen, wie aus Vers 34 hervorgeht. Dies war ägyptische Linse, sagt der hl. Augustinus zu Psalm 46, die schmackhaft und angenehm ist, nach Athenaios, Buch IV, und Gellius, Buch XVII, Kapitel 8.

Diese Speise wird pulmentum („Gericht”) genannt, weil sie nach Art eines Breis zubereitet wurde: denn so wie Brei aus Reis, Erbsen und Bohnen gemacht wird, so auch aus Linsen. Überdies kann jede zubereitete Speise pulmentum genannt werden: denn die erste Nahrung der Alten, auch der Römer, war Brei, nach Plinius, Buch XVIII, Kapitel 8; daher wurden die frühen Römer „Breiesser” genannt: und davon wurde jede Speise pulmentum genannt.


Vers 30: Gib mir von diesem roten Gericht

Angenehm rötlich, vielleicht weil es mit Safran, Koriander oder einem ähnlichen Gewürz gefärbt war; denn Zeno ordnete an, dass Korianderkörnchen, die rot sind, in die alexandrinische Linsensuppe gemischt werden sollten. Das Hebräische zeigt die übermäßige Gier und Schlemmerei Esaus an: denn es lautet: „Bedecke mich, überschütte mich, fülle mich mit dem Roten, Roten da.” Denn die gelehrteren Hebräer leiten haliteni von der Wurzel ata ab, die bedecken und überschütten bedeutet.

EDOM — das heißt rot, rötlich, blutfarben, wie ich zu Vers 25 gesagt habe.


Vers 31: Verkaufe mir dein Erstgeburtsrecht

Verkaufe dein protokeion, das heißt das Recht deiner Erstgeburt.

Die erste Frage ist hier: Was war das Recht des Erstgeborenen im Naturgesetz? Ich antworte, dass es vierfach war. Das erste war, dass der Erstgeborene der Fürst der Brüder und gleichsam ihr Vater und Herr war, sodass sich die Brüder vor ihm verneigten, wie aus Kapitel 27,29 und den Kapiteln 32 und 33 hervorgeht; denn der Erstgeborene folgte in die väterliche Würde nach. Und dies meint Isidor von Pelusium in der Catena: dass die erstgeborenen Söhne in die Königswürde und die patriarchalische Würde nachfolgten.

Das zweite war, dass bei der Teilung des väterlichen Erbes jeder Bruder einen einzelnen Anteil erhielt, der Erstgeborene aber einen doppelten, wie aus Deuteronomium 21,17 hervorgeht. So Theodoret.

Das dritte war, dass nach der Sintflut der Erstgeborene der Priester der Familie war; daher wurden auch im Gesetz des Mose die Leviten anstelle aller Erstgeborenen Israels zum Priestertum erwählt, Numeri 3,12. Ebenso folgten die Erstgeborenen ihren Eltern im Hohepriesteramt nach, wie aus Numeri 20,28 hervorgeht. So der hl. Hieronymus, Rupert, Tostatus und Eucherius, Kapitel 44.

Daher erklären die Hebräer und unter ihnen Eucherius es so: „Verkaufe mir dein Erstgeburtsrecht”, das heißt: Verkaufe mir dein priesterliches Gewand (und folglich das Priestertum selbst), mit dem die Erstgeborenen sich als Priester zu kleiden pflegten, wenn sie Gott Opfer darbrachten. Sie fügen hinzu, dass Rebekka Jakob in dieses Gewand kleidete, als er seinem Bruder Esau den Segen des Vaters stahl, Genesis 27,15. Allerdings wurde dieses Recht des Priestertums auch einigen gewährt, die nicht Erstgeborene waren, wie Abraham, und zwar durch eine besondere Verfügung und Erwählung Gottes: weil Abraham gläubig war und der Vater der Gläubigen, während seine anderen Brüder ungläubig und Götzendiener gewesen zu sein scheinen.

Das vierte war, dass der Vater beim Tod dem Erstgeborenen einen besonderen Segen gab, wie aus Kapitel 27,4 hervorgeht. Dieser Segen wurde damals hoch geschätzt und war oft von großem Wert und großer Wirksamkeit vor Gott.

Abulensis und Lipomanus fügen hinzu, dass der Erstgeborene an Festtagen und bei öffentlichen Gastmählern seine Brüder und Neffen als ihr Ältester zu segnen pflegte. Doch wird dies nirgends ausdrücklich gesagt.

Die zweite Frage ist, ob Esau durch den Verkauf und Jakob durch den Kauf des Erstgeburtsrechts sündigte.

Anmerkung: Das Recht der Erstgeburt war primär zeitlich: denn es war das Recht des Vorrangs unter den Brüdern und das Recht auf einen doppelten Anteil am Erbe. Sekundär aber war damit ein geistliches Recht verbunden, nämlich das Recht des Priestertums und das Recht auf den Segen des Vaters.

Cajetan meint, dass Esau nur durch Schlemmerei sündigte und dass er das Erstgeburtsrecht nur insofern verkaufte, als es etwas Zeitliches war, so wie jemand jetzt einen geweihten Kelch erlaubt verkaufen kann, wenn er den Kelch für so viel verkauft, wie er an sich wert ist, und nicht mehr wegen der Weihe verlangt.

Man wird einwenden: Wie nennt dann der Apostel in Hebräer 12,16 Esau „gottlos”? Cajetan antwortet, dass Esau dem Stoff nach gottlos war, weil er zu so billigem Preis das Erstgeburtsrecht verkaufte, dem ein so heiliges Ding anhing, das er verachtete, ebenso wie jemand gottlos wäre und gottlos genannt würde, der einen geweihten Kelch für einen leckeren Bissen verkaufte.

Ich sage aber erstens: Esau sündigte erstens durch Schlemmerei; zweitens durch Verachtung heiliger Dinge, weil er das Erstgeburtsrecht, dem das Recht des Priestertums anhing, für so billige Speise verkaufte; drittens scheint er durch Simonie gesündigt zu haben, weil er das gesamte Erstgeburtsrecht und folglich das Recht des Priestertums, das geistlich war, verkaufte. Deshalb wird er vom Apostel in Hebräer 12 „gottlos” genannt: denn im eigentlichen und formalen Sinne ist niemand gottlos, es sei denn, er verletzt und entweiht eine heilige Sache durch Verkauf oder Verunreinigung. Esau sündigte also, weil er den Bauch der Tugend, die Speise der Ehre, die Schlemmerei dem Priestertum und dem Segen vorzog.

Ich sage zweitens: Jakob sündigte nicht, als er das Erstgeburtsrecht von Esau kaufte. Erstens, weil er nur beabsichtigte, das primäre Recht der Erstgeburt zu kaufen, das zeitlich und verkäuflich war; ebenso wie ein Feld, dem das Patronatsrecht anhängt, verkauft und gekauft werden kann, sagt Lipomanus.

Man wird einwenden: Zumindest sündigte Jakob durch Ungerechtigkeit, weil er eine so große Sache zu so billigem Preis kaufte. Ich antworte, dass er nicht sündigte, weil Esau willentlich und wissentlich eine so große Sache billig verkaufen wollte, weil er sie verachtete, wie aus Vers 34 hervorgeht. Dem Wollenden und Wissenden aber, ja dem sein Eigentum Verschwendenden und Verachtenden geschieht kein Unrecht.

Zweitens sündigte Jakob nicht beim Kauf dieses Rechts, weil er, von seiner Mutter belehrt, wusste, dass dieses Recht ihm nach Gottes Verfügung und Gabe zustand und von Esau auf ihn übertragen worden war. Denn Rebekka hatte dies von einem Engel in Vers 23 gehört. Ferner hatte sie dasselbe Jakob angezeigt, wie sich hinreichend daraus ergibt, dass Jakob, als sie in Kapitel 27 ihn kühn antrieb, dem Bruder den Segen wegzunehmen, sich nicht mit dem Argument der Ungerechtigkeit entschuldigte, als ob der Segen nicht ihm, sondern dem Bruder als Erstgeborenem gebühre — was er gewiss getan hätte, wenn er nicht durch die Belehrung seiner Mutter das Gegenteil gewusst hätte. Denn er war ein gerechter Mann von zartem Gewissen; aber er wandte nur die Gefahr des väterlichen Zorns ein, falls der Vater seine List entdecken sollte.

Diese Offenbarung Gottes aber, diese Verfügung und Übertragung des Erstgeburtsrechts von Esau auf Jakob, hatten weder Jakob noch Rebekka bis dahin zu offenbaren gewagt — weder dem Esau selbst, aus Furcht vor seinem Zorn, noch dem Isaak, um ihn nicht mit Kummer zu betrüben: denn Isaak liebte Esau innig. Jetzt also, da Jakob die Gelegenheit erhielt, sein Recht einzufordern und zu bestätigen, durch die freiwillige Abtretung seines Bruders wegen des roten Gerichts, das ihm sein Bruder unter dieser Bedingung gab, ließ er sie nicht ungenutzt, sondern nahm sie an. Jakob kaufte hier also nicht eigentlich das Eigentum seines Bruders, sondern entrang mit Klugheit dem unrechtmäßigen Besitzer sein eigenes Eigentum. Daher bedeutet sein „Verkaufe” dasselbe wie „gib, übergib, ja gib mir das mir zustehende Recht zurück”. Siehe Cajetan, II-II, Frage 100, Artikel 4.


Vers 32: Siehe, ich sterbe

Esau benutzte die Not als Vorwand für seine Gier und Schlemmerei: denn dass er durch Schlemmerei und Verachtung des Erstgeburtsrechts sündigte, geht aus Vers 34 hervor. Denn es besteht kein Zweifel, dass Esau, der Sohn, in einem so reichen Haushalt wie dem Isaaks Brot, Fleisch und andere Speisen hätte haben können. Der Duft, die Farbe und die Begierde nach den Linsen, die Jakob gekocht hatte, war bei Esau so groß, dass er sagte, er würde sterben, wenn sie ihm nicht sofort gegeben würden. So Cajetan und Pererius. Über die Arten und Schäden der Schlemmerei siehe den hl. Gregor, Moralia XXX, Kapitel 27.


Vers 33: So schwöre mir denn

Dass du mir das Erstgeburtsrecht abtrittst und mich friedlich dessen genießen lässt.


Vers 34: Er ging davon und achtete es gering

Man beachte die Verstocktheit und Unbußfertigkeit Esaus; zweitens seine Treulosigkeit und seinen Meineid: denn er achtete den Verkauf dieses Rechts deshalb gering, weil er nicht vorhatte, seinen hier durch einen Eid bekräftigten Vertrag zu halten. Daher wollte er in der Tat ohne jedes Bedenken dieses Recht für sich beanspruchen, als hätte er es nicht veräußert oder an Jakob abgetreten.

Tropologisch sind die Sünder, die Gott um eines billigen Bissens oder um des Reizes von Ehre und Eitelkeit willen beleidigen, gottloser und wertloser als Esau. Und so verkaufen sie dem Teufel nicht nur ihre Seele, sondern auch Gottes Gnade und das Recht auf das himmlische Erbe: denn dies ist das Erstgeburtsrecht Christi und der Christen, das Christus, der Eingeborene, ihnen durch seinen Tod und sein Blut erworben und den in der Taufe Geborenen durch ihre Einverleibung in ihn selbst besiegelt hat.

Mit Recht sagt daher der Weise in Sprichwörter 6,26: „Der Preis einer Dirne ist kaum ein Laib Brot, aber eine verheiratete Frau fängt die kostbare Seele eines Mannes.” Ferner Antonius in der Melissa, Teil I, Predigt 16: „Der Teufel”, sagt er, „spricht: Gib mir die Gegenwart, gib Gott die Zukunft; gib mir deine Jugend, gib Gott dein Alter; gib mir deine Vergnügungen, gib ihm deinen nutzlosen Leib. O wie groß ist die Gefahr, die über dir schwebt, wie viele unvorhergesehene Unglücksfälle drohen!”

Hierzu sagt der hl. Chrysostomus in Homilie 50: „Wenn wir dies hören”, sagt er, „lasst uns lernen, die uns von Gott gegebenen Gaben nie zu vernachlässigen und Großes nicht um Kleines und Wertloses zu verlieren. Denn warum, sage mir, da uns das Himmelreich und jene unaussprechlichen Güter vorgelegt sind, rasen wir in der Begierde nach Reichtümern — Dingen, die vergänglich sind und oft nicht einmal bis zum Abend dauern — und ziehen sie den ewigen und immerwährenden Gütern vor? Und was könnte schlimmer sein als dieser Wahnsinn? Da wir jener Güter beraubt werden wegen unserer übermäßigen Liebe zu diesen und diese niemals rein genießen können.”