Cornelius a Lapide
Inhaltsverzeichnis
Synopsis des Kapitels
Isaak wird hier neu als Erbe der Verheißungen des Glaubens eingesetzt, nämlich Kanaans, und ebenso der Prüfungen und der Pilgerschaft Abrahams. Erstens erscheint daher Gott und segnet Isaak und bereichert ihn; daher beneiden ihn zweitens, bei Vers 14, die Gerariter und verstopfen seine Brunnen. Drittens wiederholt Gott bei Vers 24 erneut in Beerscheba gegenüber Isaak die seinem Vater gegebenen Verheißungen, und dort schließt Isaak einen Bund mit den Geraritern. Viertens nimmt Esau bei Vers 34 hethitische Frauen.
Vulgata-Text: Genesis 26,1-35
1. Als aber eine Hungersnot im Land entstand, nach der Dürre, die sich in den Tagen Abrahams ereignet hatte, ging Isaak zu Abimelech, dem König der Philister, nach Gerar. 2. Und der Herr erschien ihm und sprach: Geh nicht hinab nach Ägypten, sondern bleibe in dem Land, das Ich dir sagen werde. 3. Und halte dich darin auf, und Ich werde mit dir sein und dich segnen: denn dir und deinen Nachkommen werde Ich alle diese Landstriche geben, um den Eid zu erfüllen, den Ich Abraham, deinem Vater, geschworen habe. 4. Und Ich werde deine Nachkommen vermehren wie die Sterne des Himmels, und Ich werde deinen Nachkommen alle diese Landstriche geben, und in deinen Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden, 5. weil Abraham Meiner Stimme gehorchte und Meine Vorschriften und Gebote hielt und Meine Zeremonien und Gesetze beachtete. 6. So blieb Isaak in Gerar. 7. Und als er von den Männern jenes Ortes nach seiner Frau gefragt wurde, antwortete er: Sie ist meine Schwester; denn er hatte sich gefürchtet zu bekennen, daß sie ihm in der Ehe verbunden war, weil er dachte, daß sie ihn vielleicht wegen ihrer Schönheit töten könnten. 8. Und als viele Tage vergangen waren und er noch dort weilte, sah Abimelech, der König der Philister, durch ein Fenster blickend, ihn scherzend mit Rebekka, seiner Frau. 9. Und er rief ihn herbei und sprach: Es ist offenbar, daß sie deine Frau ist. Warum hast du gelogen, daß sie deine Schwester sei? Er antwortete: Ich fürchtete, ihretwegen zu sterben. 10. Und Abimelech sprach: Warum hast du uns getäuscht? Jemand aus dem Volk hätte bei deiner Frau liegen können, und du hättest eine große Sünde auf uns gebracht. Und er gebot dem ganzen Volk und sprach: 11. Wer die Frau dieses Mannes anrührt, soll des Todes sterben. 12. Und Isaak säte in jenem Land und fand im selben Jahr hundertfältig, und der Herr segnete ihn. 13. Und der Mann wurde wohlhabend und ging voran, gedieh und wuchs, bis er überaus groß wurde. 14. Er hatte auch Herden von Schafen und Rindern und ein sehr großes Gesinde. Darum beneideten ihn die Philister, 15. und verstopften alle Brunnen, die die Knechte seines Vaters Abraham gegraben hatten, indem sie sie mit Erde füllten. 16. So sehr, daß Abimelech selbst zu Isaak sprach: Weiche von uns, denn du bist viel mächtiger geworden als wir. 17. Und er ging fort, um zum Bachtal von Gerar zu kommen und dort zu wohnen. 18. Er grub wieder andere Brunnen, die die Knechte seines Vaters Abraham gegraben hatten und die die Philister einst nach dessen Tod verstopft hatten, und er nannte sie mit denselben Namen, mit denen sein Vater sie einst benannt hatte. 19. Und sie gruben im Bachtal und fanden lebendiges Wasser. 20. Aber auch dort stritten die Hirten von Gerar mit den Hirten Isaaks und sagten: Das Wasser gehört uns. Deshalb nannte er, wegen des Geschehenen, den Namen des Brunnens Verleumdung. 21. Sie gruben auch einen anderen Brunnen, und auch um diesen stritten sie, und er nannte ihn Feindschaft. 22. Von dort weiterzog, grub er einen anderen Brunnen, um den sie nicht stritten; und so nannte er seinen Namen Weite und sprach: Nun hat der Herr uns erweitert und uns wachsen lassen auf der Erde. 23. Und er zog von dort hinauf nach Beerscheba. 24. Dort erschien ihm der Herr in derselben Nacht und sprach: Ich bin der Gott Abrahams, deines Vaters; fürchte dich nicht, denn Ich bin mit dir: Ich werde dich segnen und deine Nachkommen vermehren um Meines Knechtes Abraham willen. 25. Und so baute er dort einen Altar, und nachdem er den Namen des Herrn angerufen hatte, schlug er sein Zelt auf; und er befahl seinen Knechten, einen Brunnen zu graben. 26. Als Abimelech und Ochozat, sein Freund, und Phicol, der Anführer seines Heeres, von Gerar dorthin gekommen waren, 27. sprach Isaak zu ihnen: Warum seid ihr zu mir gekommen, einem Mann, den ihr haßt und den ihr aus eurer Mitte vertrieben habt? 28. Sie antworteten: Wir sahen, daß der Herr mit dir ist, und deshalb sagten wir: Es sei ein Eid zwischen uns, und laßt uns einen Bund schließen, 29. daß du uns kein Übel zufügst, so wie wir nichts von dem Deinen angerührt noch etwas getan haben, was dir schadete, sondern dich in Frieden ziehen ließen, bereichert durch den Segen des Herrn. 30. So bereitete er ihnen ein Mahl, und nach Speise und Trank, 31. standen sie am Morgen auf und schworen einander, und Isaak entließ sie friedlich an ihren Ort. 32. Und siehe, am selben Tag kamen die Knechte Isaaks und berichteten ihm von dem Brunnen, den sie gegraben hatten, und sagten: Wir haben Wasser gefunden. 33. Daher nannte er ihn Überfluß; und der Name der Stadt wurde Beerscheba genannt bis zum heutigen Tag. 34. Esau aber nahm mit vierzig Jahren Frauen: Judit, die Tochter Beeris des Hethiters, und Basemat, die Tochter Elons aus demselben Ort. 35. Und beide hatten die Herzen Isaaks und Rebekkas gekränkt.
Vers 1: Abimelech
ABIMELECH — nicht derjenige aus der Zeit Abrahams, von dem Kapitel 21 spricht, wie der hl. Augustinus, Josephus und der hl. Chrysostomus meinen; sondern ein anderer, vielleicht sein Sohn. Denn der frühere lebte hundert Jahre vor diesem: denn er regierte, bevor Isaak geboren wurde, und Isaak war jetzt fast hundert Jahre alt, wie sich aus Vers 34 ergibt. So Abulensis, Pererius und andere. Es scheint daher, daß Abimelech ein allgemeiner Name für die Könige der Philister war, so wie Pharao, und später Ptolemäus, der allgemeine Name für die Könige Ägyptens war, und Cäsar für die römischen Kaiser. So Prokopius, Diodorus und Hieronymus, Buch IX zu Ezechiel. Und wie Prokopius und Diodorus bezeugen, bedeutet Abimelech im Hebräischen „Vater-König", als wollte man sagen: „Vater des Vaterlandes." Denn ein König soll ein Vater für seine Untertanen sein, weshalb auch die Römer ihre Kaiser „Väter des Vaterlandes" nannten.
Vers 5: Meiner Stimme
MEINER STIMME — Meinem Befehl, seinen Sohn zu opfern. Gott spornt Isaak an, indem Er den Gehorsam seines Vaters erwähnt, damit er, da er sieht, wie dieser in ihm selbst so belohnt wird, danach strebe, ihn nachzuahmen, ja zu übertreffen, und so einen größeren Lohn von Gott zu erlangen. So der hl. Chrysostomus.
Vers 5: Zeremonien
ZEREMONIEN — sowohl die besondere der Beschneidung als auch andere allgemeine, die Gott im Naturgesetz eingesetzt hatte und durch die Er verehrt werden wollte. Denn das Naturgesetz hatte, ebenso wie das Gesetz des Mose und Christi, seine eigenen Riten, seine eigenen heiligen Dinge und Sakramente.
Vers 7: Sie ist meine Schwester
SIE IST MEINE SCHWESTER (Verwandte). — Man sehe, was zu Kapitel 20,12 gesagt wurde.
Vers 8: Er sah ihn scherzend mit Rebekka
ER SAH IHN SCHERZEND MIT REBEKKA. — Unsittliche jüdische Ausleger verstehen diesen Scherz als eheliche Vereinigung. Doch fort mit diesen Zynikern! Wer würde glauben, daß Isaak so schamlos, zügellos und dreist in der Öffentlichkeit war, während der König zusah? Ich sage daher, daß für „scherzend" im Hebräischen metsachek steht, das heißt „lachend" oder „spielend" mit Rebekka, in der Weise, wie ein keuscher und ernster Ehemann bisweilen ehrbar mit seiner Frau scherzt, lacht und spielt — etwas, was er mit einer anderen Frau nicht wagen würde, weil es sich nicht geziemte.
Vers 10: Du hättest eine große Sünde auf uns gebracht
DU HÄTTEST EINE GROSSE SÜNDE AUF UNS GEBRACHT — du hättest Anlaß zu einer großen Sünde gegeben. Für „Sünde" steht im Hebräischen ascham, was erstens eine aus Unwissenheit begangene Sünde bedeutet — daher übersetzen es die Septuaginta mit agnoian, „Unwissenheit"; zweitens die Strafe und Verwüstung, die wegen einer solchen Sünde verhängt wird. Es kann hier in beiden Bedeutungen verstanden werden.
Vers 11: Soll des Todes sterben
SOLL DES TODES STERBEN. — Man beachte hier das alte und erste Gesetz und die Todesstrafe gegen Ehebrecher; das hier nicht zum ersten Mal erlassen, sondern vielmehr zuvor allgemein festgelegt und hier nur angewandt und denen angedroht zu sein scheint, die Rebekka antasten könnten. Mit derselben Todesstrafe bestrafte Gott später durch das Gesetz des Mose die Ehebrecher.
Denn der Ehebruch ist ein schweres Verbrechen, das Gott rächt, indem Er nicht nur Fürsten, sondern auch Untertanen bestraft. So ging wegen des Ehebruchs des Paris mit Helena Troja und das trojanische Königreich zugrunde. So wurden wegen des Ehebruchs des Tarquinius mit Lucretia die Könige von den Römern für immer aus Rom vertrieben. So wurde David, der mit Batseba sündigte, aufs schwerste bestraft, wie aus 2 Könige 12,10 ersichtlich ist; worüber man mehr in Kapitel 38,24 sehe.
Vers 12: Er säte
ER SÄTE — in einem Feld, das nicht ihm gehörte, sondern von den Geraritern gepachtet war: denn weder Abraham noch Isaak noch Jakob besaßen Felder oder Häuser in Kanaan, sondern hielten sich darin beständig als Pilger auf. Wir sehen hier, daß Isaak und die Heiligen nicht müßig waren, obwohl sie wußten, daß sie so reich gesegnet werden würden und Gott es verheißen hatte; sondern sie arbeiten umso eifriger, damit sie Gott nicht versuchen. So sät Isaak, und Gott segnet die Saat.
Vers 12: Er fand hundertfältig
ER FAND (nicht andere, sondern er selbst) IM SELBEN JAHR (der Dürre) HUNDERTFÄLTIG. — Woraus ersichtlich ist, daß eine so große Ernte Isaak nicht durch die Aussaat, noch durch die Fruchtbarkeit der Felder zukam, sondern durch ein Wunder, durch Gottes Gunst; so daß er aus einem Scheffel, den er gesät hatte, hundert Scheffel erntete. So nennt Plinius, Buch XVIII, Kapitel 11, den fruchtbarsten Weizen centigranum („Hundertfaltiges Korn"). Im Hebräischen wörtlich: „und er fand hundert Maße." So Pagninus, Vatablus und andere. Denn scheorim mit dem Buchstaben schin bedeutet „Maße"; die Septuaginta und die arabische Übersetzung, die seorim durch sin lesen, übersetzen es als: er fand hundertfältig Gerste.
Drittens übersetzen es andere als: er fand hundert Schätzungen, das heißt hundertmal so viel, wie er geschätzt hatte; denn die Wurzel scaar bedeutet denken, schätzen. Daher übersetzt der Chaldäer: er fand hundertfältig das, was er geschätzt hatte.
Vers 12: Tropologischer Sinn
Tropologisch ist das fruchtbarste Land die Armut, in der man, wenn man sät, hundertfältig empfangen wird; denn dies ist es, was Christus sagt, Matthäus 19,29: „Jeder, der Haus oder Brüder usw. oder Felder um Meines Namens willen verlassen hat, wird Hundertfältiges empfangen und das ewige Leben besitzen." Darauf anspielend sagt der hl. Hieronymus, Brief 26 an Pammachius, so: „Die Verheißungen Christi werden mit hundertfältigem Zins zurückgezahlt: auf solchem Acker hat einst Isaak gesät." Mit Recht singt daher der sel. Nazianz in seinem Gedicht:
Glücklich ist, wer mit all seinem Gut Christus erkauft.
Und der hl. Augustinus in der letzten Predigt Über verschiedene Themen: „Was ist für einen Menschen herrlicher, als sein Eigentum zu verkaufen und Christus zu kaufen?"
Vers 12: Und Er segnete ihn
UND ER SEGNETE IHN — das heißt, denn Gott hatte ihn gesegnet, nämlich indem Er ihn reich machte. So Vatablus. Denn die vav-Konjunktion der Hebräer ist oft kausal; und die Hebräer nehmen oft das vollendete Vergangenheitstempus für das Plusquamperfekt, als wollte man sagen: Weder Himmel noch Erde noch Felder gaben Isaak diese Güter, sondern der Segen des Herrn, der allein die Menschen reich macht.
Vers 12: Gott segnet die Arbeit der Bauern
Man füge jedoch hinzu, daß Gott Isaak segnete, weil er fleißig arbeitete und das Feld bestellte: denn Gott greift in die Arbeit der Bauern ein und segnet sie. Als bei den Römern die alten Diktatoren und Senatoren ein Feld von fünf Joch bestellten, reichte der Ertrag reichlich aus, um die ganze Familie zu ernähren; nachdem sie Knechte einsetzten und die Felder durch sie bestellten, genügten die größten Güter nicht: die ersteren arbeiteten willig und eifrig, die letzteren kalt und fast unter Zwang; daher gab die Erde, gleichsam empört, denen, die auf diese Weise arbeiteten, ihre Gunst nicht zurück. Berühmt ist, was sie über C. Furius Cresinus berichten, der, da er aus einem kleinen Grundstück viel reichere Früchte erntete als seine Nachbarn aus den größten Feldern, Gegenstand großen Neides war, als zöge er die Ernten anderer durch Zauberei an. Daher vor Gericht geladen vom kurulischen Ädilen Sp. Albinus und eine Verurteilung fürchtend, da es nötig war, zur Abstimmung der Tribus zu schreiten, brachte er all sein bäuerliches Gerät auf das Forum und führte seine kräftige Tochter vor, schwere Hacken, gewichtige Pflugscharen und wohlgenährte Ochsen; dann sprach er: „Dies sind meine Zaubereien, Bürger, und ich kann euch meine nächtlichen Mühen, Nachtwachen und meinen Schweiß weder zeigen noch auf das Forum bringen." Daher wurde er mit allen Stimmen freigesprochen. Und so ist es in Wahrheit: die Frucht des Feldes hängt nicht vom Aufwand ab, sondern von der Pflege, und daher sagten sie, das Fruchtbarste auf dem Feld sei das Auge und der Fuß des Herrn; denn das Auge des Herrn mästet das Pferd, der Fuß des Herrn mästet das Feld.
Vers 12: Sittliche Lehre
Sittlich beachte man, daß Isaak, weil er auf Gottes Befehl in Gerar blieb, deshalb dort von Gott bereichert wurde: so wird jeder, der nach Gottes Willen und Befehl irgendwo bleibt, dort von Gott gesegnet und gefördert werden. Die Ordensleute mögen dies beherzigen und nicht die ihnen zugewiesenen Stationen wechseln wollen.
Vers 15: Sie verstopften die Brunnen
SIE VERSTOPFTEN DIE BRUNNEN. — So verstopfen allegorisch die Häretiker, die die Katholiken beneiden, die Brunnen der katholischen Lehre, nämlich die Heilige Schrift und die Überlieferungen sowie die Sakramente und die heiligen Dinge selbst mit ihren Häresien und ihrem Unrat, sagt Origenes.
Vers 16: Weiche von uns
WEICHE VON UNS. — Man sehe hier, wie man sein Vertrauen nicht auf die Gunst von Königen oder des Volkes setzen soll, und wie furchtbar und argwöhnisch der Neid ist: denn durch ihn wird Isaak hier vertrieben. Gott aber wollte aus anderen Gründen, daß er in die Fremde zöge: erstens, damit sein Glaube und seine Tugend geprüft würden; zweitens, damit auch an anderen Orten Gott durch seine Frömmigkeit und seinen heiligen Lebenswandel verherrlicht werde; drittens, um zu lehren, daß die Heiligen an keinen Ort, ja an keine irdischen Dinge gebunden sein sollen, sondern stets bereit sein müssen, alles um Gottes willen zu verlassen, wenn die Umstände es erfordern.
Der hl. Chrysostomus, Homilie 52: „Er sagt, der König sagt zum Fremdling: Geh weg von uns, denn du bist mächtiger geworden als wir. Und wahrlich, er war mächtiger, da er in allem himmlischen Schutz genoß und von der rechten Hand Gottes befestigt war. Wohin also treibst du den Gerechten? Weißt du nicht, daß er, wohin auch immer du ihn zu gehen zwingst, stets in den Angelegenheiten seines Herrn sein wird? Hat dich nicht die Erfahrung der Ereignisse gelehrt, daß es die Hand Gottes ist, die den Gerechten berühmt und bewahrt? Warum erklärst du also, indem du den Gerechten vertreibst, deine Undankbarkeit gegenüber dem Herrn? Und nicht einmal die große Sanftmut des Mannes konnte deinen Neid zähmen, sondern vom Neid besiegt, vollziehst du ihn in der Tat und zwingst wiederum den zur Wanderschaft, der dir in nichts geschadet hat. Weißt du nicht, daß er, selbst wenn du ihn in die ödeste Wüste treibst, dennoch einen mächtigen Herrn haben wird, der weiß, wie Er ihm helfen und ihn weit berühmter machen kann? Denn nichts ist stärker, als himmlischen Schutz zu genießen, ebenso wie nichts schwächer ist, als seiner beraubt zu sein."
Vers 18: Er grub andere Brunnen
ER GRUB ANDERE BRUNNEN. — „Er grub", das heißt, er räumte sie frei und reinigte sie. Denn sie waren schon zuvor von Abraham gegraben worden, aber von den neidischen Geraritern mit eingeworfener Erde gefüllt worden. Isaak zog es vor, die alten Brunnen seines Vaters freizuräumen, anstatt neue zu graben: erstens, weil er sicher war, daß dort eine Wasserader lag; zweitens, um den Neid der Gerariter zu vermindern, da er nur Brunnen zurückforderte und wiederherstellte, die sie seinem Vater längst zugestanden hatten; drittens, damit er so das dankbare Andenken, die Mühen und Werke seines Vaters in Erinnerung rufe und ehre; daher stellte Isaak auch die früheren Namen wieder her und erneuerte sie, die sein Vater den Brunnen gegeben hatte. So Delrio.
Vers 18: Tropologischer Sinn
Tropologisch, wie der Teufel den Brunnen der Seele durch versuchende Gedanken verstopft und wie er entleert und gereinigt werden muß, sehe man beim hl. Gregor, Buch 31 der Moralia, Kapitel 22.
Vers 19: Im Bachtal
IM BACHTAL. — Das Bachtal bezeichnet metonymisch das trockene Flußbett selbst, das im Winter von Regenwasser gefüllt wird und überläuft, so daß es zum reißenden Bach wird, aber im Sommer vor Trockenheit ausdörrt: in diesem Flußbett also grub Isaak einen Brunnen und fand lebendiges Wasser, das heißt fließendes, quellengespeistes und beständiges; denn in Flußbetten und Tälern und tiefliegenden Orten findet man lebendes Quellwasser leichter und schneller als in Bergen und Höhenlagen; denn wir sehen, daß in Tälern, wenn man drei oder vier Fuß gräbt, Wasser hervorquillt und Brunnen entstehen, die in Bergen bis zu hundert oder sogar zweihundert Fuß tief gegraben werden müssen (denn so tief sind sie).
Vers 20: Es gehört uns
ES GEHÖRT UNS — weil du ihn auf unserem Feld und auf unserem Grund gegraben hast. Aber sie wenden dies zu Unrecht ein, weil Isaak diesen Brunnen mit ihrem Willen, ihrem Wissen, ihrer Duldung und Zustimmung gegraben hatte: daher nannte er diesen Brunnen „Verleumdung", weil die Gerariter ihm beim Graben dieses Brunnens diese falsche Beschuldigung zufügten. Denn „Verleumdung" heißt im Hebräischen escec, was durch schin Verleumdung, auch Unterdrückung, Betrug und Ungerechtigkeit bedeutet, wie die Septuaginta übersetzt. Durch sin jedoch bedeutet es Streit, Zank, wie Vatablus und der Chaldäer übersetzen. Man sehe hier die Sanftmut Isaaks, der die Verleumdung erträgt, sich verstellt, fortgeht und seinen Widersachern freundlich und ruhig antwortet. Man sehe auch, wie Gott für Isaak und seine Freunde Süßes mit Bitterem mischt und Bittersüßes einschenkt. „Nichts", sagt der hl. Chrysostomus, Homilie 52, „streitet hier der Gerechte, noch kämpft er gegen sie, sondern er weicht sogar den Hirten. Denn das ist wahre Sanftmut — nicht wenn jemand, von Mächtigeren beleidigt, es gelassen erträgt, sondern wenn jemand, selbst von denen beleidigt, die als geringer gelten, nachgibt."
Vers 22: Weite
WEITE. — Im Hebräischen Rechobot, das heißt Weiten, als wollte man sagen: Dieser Brunnen wird uns und unseren Herden eine breite, freie Tränke geben, frei vom Neid der Gerariter und ihm zum Trotz reichlich. Und deshalb soll er „Weite" heißen. Der hl. Chrysostomus liest „weiter Besitz". „Deshalb", sagt er, „nenne ich es weiten Besitz, weil der Herr uns erweitert und vermehrt hat auf der Erde. Du hast einen frommen Geist gesehen, der, ohne die so schrecklichen Schwierigkeiten zu erwähnen, die im Wege standen, sich nur an die guten Dinge erinnert und dafür Gott Dank darbringt. Denn nichts ist Gott so wohlgefällig wie eine dankbare Seele, die Dank sagt. Denn obwohl Er uns allen täglich unzählige Wohltaten erweist, verlangt Er von uns nichts anderes als Danksagung, damit Er bewogen werde, noch Größeres zu geben," wie Er hier bewogen wurde, Sich Isaak zu zeigen und ihn zu segnen. Daher fügt er hinzu: „Fürchte dich nicht, denn Ich bin mit dir; daher wirst du unbesiegt sein und mächtiger als jene, die dich bedrängen, und stärker als jene, die dich angreifen, und Ich werde so für dich sorgen, daß du ihnen ein Gegenstand des Neides sein wirst." Daher schickte Er auch voraus: „Ich bin der Gott Abrahams, deines Vaters, und zeigt, wie Er den Patriarchen für Sich beanspruchte und zu dem Seinen machte, so daß Er sich herabließ, Sich den Gott Abrahams zu nennen. Und der Herr der Welt und Schöpfer, der Sich den Gott eines einzigen Menschen nennt, beschränkt und verkürzt nicht Seine Herrschaft, sondern zeigt Sein großes Wohlwollen ihm gegenüber."
Vers 24: Ich bin der Gott Abrahams, deines Vaters
ICH BIN DER GOTT ABRAHAMS, DEINES VATERS — als wollte Er sagen: Alle Geschöpfe sind zwar Mein, doch ein einziger Abraham ist Mir mehr wert als alle anderen: sieh also, o Isaak, daß du deinen Vater nachahmst.
„So", sagt er, „habe Ich ihn so sehr zu dem Meinen gemacht, daß er Mir so viel wert ist wie alle anderen zusammen. Daher werde Ich um deines Vaters willen deine Nachkommen vermehren." So der hl. Chrysostomus.
Vers 24: Sittliche Lehren
Lerne hier, wie gut es ist, ein Freund Gottes zu sein; zweitens, daß die Heiligen in ewigem Andenken vor Gott stehen; drittens, daß Gott Kinder um heiliger Eltern willen segnet; viertens, welche Ehre wir den Heiligen schulden, die Gott so ehrt.
Vers 25: Er schlug sein Zelt auf
ER SCHLUG SEIN ZELT AUF — um dort seine Wohnung und sein Heim zu errichten.
Vers 25: Daß sie grüben
DASS SIE GRÜBEN — daß sie den einst von Vater Abraham dort gegrabenen Brunnen wieder ausgrüben und freiräumten, nämlich den Brunnen von Beerscheba, wie folgt. Man beachte hier die Beständigkeit und Großmut Isaaks, der die Kränkungen der Neidischen tapfer erträgt und ihnen weicht, aber so, daß er nicht träger wird, sondern vielmehr sich und seine Angelegenheiten anderswo tatkräftig vorantreibt.
Vers 26: Ochozat, sein Freund
OCHOZAT, SEIN FREUND. — Der Chaldäer und Vatablus nehmen das hebräische Ochozat als Appellativum; daher übersetzen sie: und seine Gesellschaft von Freunden. Die Septuaginta und unser Übersetzer aber nehmen Ochozat richtiger als Eigennamen.
Vers 26: Der Paranymph des Königs
FREUNDE. — Die Septuaginta sagt: der Paranymph des Königs Abimelech: denn die größten Freunde eines jeden sind diejenigen, die bei seiner Hochzeit die Brautführer sind; denn diese stehen dem Bräutigam selbst am nächsten und geleiten ihn zum Brautgemach. Daher wird der hl. Johannes der Täufer, Johannes 3,29, der Freund des Bräutigams genannt, weil er Christi Paranymph war.
Dieser Paranymph und vertrauteste Freund des Königs war bei den Persern der zweite nach dem König und wurde der Surenas genannt, dessen Aufgabe es war, den König zu krönen. Er stand der königlichen Kohorte vor, die aus den auserlesensten, treuesten und dem König liebsten bestand — nämlich den Edlen und Dynasten, die mit dem König aufgezogen und erzogen worden waren. Daher war er gleichsam der Anführer und Erste unter den Edlen des Hofes und den Freunden des Königs. Ein solcher war Ochozat hier bei König Abimelech.
Vers 26: Phicol, der Heerführer
UND PHICOL, DER ANFÜHRER SEINES HEERES. — Dieser Phicol ist eine andere Person als derjenige, der zur Zeit Abrahams lebte, Kapitel 21, Vers 22; denn dieser war hundert Jahre später als jener. Wie also dieser Abimelech, der mit Isaak verhandelte, ein anderer war als derjenige, der einen Bund mit Abraham schloß: so war auch dies ein anderer Phicol. Es scheint daher, daß, ebenso wie Abimelech ein allgemeiner Name für die Könige von Gerar war, Phicol ein allgemeiner Name für die Heerführer war — nicht der königlichen Kohorte (denn Ochozat war deren Anführer), sondern des öffentlichen Heeres, so wie ihr allgemeiner Titel heute ist, Meister oder Generäle des Heeres genannt zu werden. „Phicol" bedeutet im Hebräischen jedes Angesicht, oder vielmehr jeder Mund, als ob die Gesichter, Geister, Münder und Augen aller Soldaten auf diesen Heerführer gerichtet wären; und daß er, so wie das Angesicht den ganzen Leib führt, das ganze Heer führen und lenken sollte.
Vers 29: Noch haben wir etwas getan, was dir schadete
NOCH HABEN WIR ETWAS GETAN, WAS DIR SCHADETE. — Sie sprechen unwahr: denn mit ihrer Duldung hatten Hirten Isaak die Brunnen weggenommen. So verkünden die Gewalttätigen und Tyrannen ihre eigene Gerechtigkeit: aber die Gerechten, wie Isaak, übersehen die erlittene Kränkung und überwinden Unrecht mit Güte; sie verstehen es nicht, zornig zu sein, weil sie friedfertig und dem Frieden ergeben sind. Daher stellt mit Recht der hl. Gregor, Homilie 15 zu Ezechiel, Isaak als Spiegel des Friedens und der Einfalt auf, wenn er sagt: „Gefällt dir die Einfalt des Charakters? So komme dir Isaak in den Sinn, den die Ruhe seines Lebens in den Augen des Allmächtigen Gottes schmückte. So wich David dem Saul, der ihn verfolgte, durch Flucht aus; und als er ihm hätte schaden können, wollte er es nicht: und so wurde durch Davids Güte der Neid Sauls überwunden. So war Salomo friedfertig, und daher verdiente er es, dem Herrn einen Tempel zu bauen."
Vers 29: Beispiele der Friedfertigen
Der hl. Ivo, Schutzpatron der Juristen, durch viele Wunder und auch durch Werke der Frömmigkeit ausgezeichnet, war bestrebt, Streitende zu versöhnen. Und als er einen gewissen Mann, der von seiner Mutter durch schweren Haß entfremdet war, nicht zu Gnade und Frieden zurückführen konnte, brachte er das Meßopfer Gott für ihn dar: von da an, ohne daß jemand nun drängte, kamen allein durch göttliche Eingebung ihre Herzen so zur Besinnung, daß der Sohn sich als ihr Kind und sie sich als seine Mutter anerkannte.
Dem Abt und Eremiten Paphnutius wurde offenbart, daß ein gewisser Mann in Heraklea ihm an Verdiensten des Lebens gleich sei, und als er ihn aufsuchte, fand er, daß der Mann tatsächlich eine Frau und Kinder hatte, aber daß er nach der Geburt des zweiten Kindes die Keuschheit mit ihr bewahrte, sich der Gerechtigkeit und Frömmigkeit widmete und besonders bestrebt war, alle, die er durch Haß entzweit fand, miteinander zu versöhnen; so werden die Friedfertigen den Ordensleuten gleichgestellt: Palladius ist der Zeuge, Kapitel 64.
Daher pflegte Abt Agathon sich zu rühmen, daß er nie einschlief, ohne zuvor sowohl seinen eigenen Zorn gegen andere als auch den Zorn anderer gegen ihn besänftigt zu haben, wobei er häufig sagte: „Suche den Frieden und jage ihm nach;" und: „Die Zornigen sind Gott und den Menschen verhaßt." In den Väterleben.
Abt Johannes besuchte den Anachoreten Pesius und fragte ihn, welchen Fortschritt er in 40 Jahren in der Wüste gemacht habe. Er antwortete: „Daß die Sonne, die alles erleuchtet, mich nie essend noch zornig gesehen hat."
Der Obere des Klosters von Sketis wurde gefragt, was jene Stelle des Evangeliums bedeute: „Wer seinem Bruder ohne Grund zürnt", und bestimmte als einzigen gerechten Grund des Zorns die Trennung von Gott; wer wegen irgendwelcher anderen Kränkungen, und seien sie noch so groß, zürne, zürne ohne Grund.
Als Edgar König von England war, vernahm der hl. Dunstan, Erzbischof von Canterbury, von Gott, daß in England Frieden herrschen werde, solange er lebe. Daher waren die sechzehn Jahre, die er regierte, in größtem Frieden. Denn durch einen beständigen Vertrag hatte er die benachbarten Könige an sich gebunden, Piraten vom Meer und Räuber vom Land entfernt; und sogar die wilden Tiere: denn von Guidual, dem König der Waliser, forderte er einen jährlichen Tribut von dreißig Wölfen, der beibehalten wurde, bis jene Tierart durch beständige Jagd erschöpft war. Eine so große Liebe zum friedvollen Zustand erhob ihn zum ewigen Frieden und zur himmlischen Herrlichkeit unter den Heiligen. So berichtet die Vita des hl. Dunstan.
Symbolisch versteht Eucherius, Buch 2, Kapitel 51, unter diesen drei Freunden Abimelechs die drei Arten der Philosophen, nämlich die Logiker, Ethiker und Physiker: ebenso die drei Weisen, die, von einem Stern geleitet, zu Isaak, das heißt zu Christus, kamen.
Vers 29: Bereichert durch den Segen des Herrn
BEREICHERT DURCH DEN SEGEN DES HERRN — weil wir gesehen haben, daß du vom Herrn gesegnet bist. Daher übersetzt Vatablus: denn du bist der Gesegnete des Herrn. Denn sie geben den Grund an, warum sie Isaak in Frieden ziehen ließen: weil sie nämlich sahen, daß er von Gott beschützt und gesegnet war, und daher wagten sie es nicht, ihn anzurühren.
Vers 32: Den sie gegraben hatten
DEN SIE GEGRABEN HATTEN. — Daher ist auch aus Vers 25 ersichtlich, daß Isaak, sobald er nach Beerscheba kam, befahl, den Brunnen namens Beerscheba wieder auszugraben und freizuräumen, den Abraham einst gegraben hatte, Kapitel 21, Vers 30; den aber die Gerariter aus Neid mit Erde gefüllt hatten. So Cajetan und Abulensis.
WIR HABEN WASSER GEFUNDEN. — So auch das Hebräische. Die Septuaginta ist daher hier verderbt, wie auch anderswo, wenn sie das Gegenteil hat: wir haben kein Wasser gefunden.
Vers 33: Überfluß und die dreifache Etymologie von Beerscheba
DAHER NANNTE ER IHN ÜBERFLUSS. — Denn „Überfluß" heißt im Hebräischen scheba, das je nach Vokalpunkten auf drei Weisen gelesen und erklärt werden kann. Erstens kann man scheba durch schin lesen, und dann bedeutet es sieben, als wollte man sagen: Dies ist der siebte Brunnen, den ich gegraben habe. So Vatablus. Ferner ist dies der Brunnen der sieben Lämmer, mit denen Abraham ihn kaufte, Kapitel 21, Vers 30 und 31. Schließlich wird dieser Brunnen sieben, das heißt viele und reichliche Wasser geben. Und unser Übersetzer scheint es so gelesen und verstanden zu haben, wenn er übersetzt: Überfluß.
Zweitens kann man scebua lesen, das heißt Eid, weil bei diesem Brunnen Abraham und Isaak schworen und mit Abimelech einen Bund eingingen. So die Septuaginta.
Drittens kann man seba durch sin lesen: so liest unser Übersetzer; und dann bedeutet es Sättigung, als wollte man sagen: Von diesem Brunnen werden wir gesättigt; dieser Brunnen wird uns und unseren Herden eine friedliche, reichliche und überfließende Tränke geben. Dieser Sinn entspricht deutlich der Absicht Isaaks, wie aus Vers 22 und anderen hervorgeht.
Vers 33: Mystischer Sinn der drei Brunnen
Mystisch sagt der Kardinal Hugo: „Diese drei Brunnen sind die drei Stände der Kirche: die Anfänger, die Fortschreitenden und die Vollkommenen. Den ersten Brunnen gräbt, wer die Härte seines Herzens mit der Pflugschar der Reue beseitigt. Dies geschieht beim Auszug aus Ägypten, und daher behält ein solcher in sich noch viele Überreste Ägyptens, weshalb der Teufel viele Anschuldigungen erhebt; daher heißt dieser Brunnen Verleumdung: denn die Werke der Neubekehrten sind nicht ganz rein. Den zweiten Brunnen gräbt, wer durch die Hand der guten Werke die Trägheit aller Untätigkeit von sich vertreibt. Prediger 9: Was deine Hand tun kann, das tue eifrig; denn es wird weder Werk, noch Vernunft, noch Kenntnis, noch Weisheit in der Unterwelt sein, zu der du eilest; und der hl. Bernhard: Es gibt keine Tugend, wenn der Geist nicht in der Schwierigkeit selbst wächst. Den dritten Brunnen gräbt, wer aus sich" die zeitlichen Dinge durch Verachtung um Christi willen verwirft. Philipper Kapitel 3: Alles habe ich für Verlust gehalten, und ich erachte es als Unrat, damit ich Christus gewinne. Im ersten Brunnen ist das Wasser der Reue; im zweiten das Wasser der Zerknirschung; im dritten das Wasser der Andacht, in dem kein Streit, keine Schwierigkeit, sondern die Heiterkeit des Gewissens herrscht; daher heißt er Weite.
Beim ersten Graben wird der Teufel vertrieben und besiegt; beim zweiten wird das Fleisch unterworfen und niedergeworfen; beim dritten die Welt, und so wird jeder Krieg zur Ruhe gebracht, und nun herrscht Friede im Fleisch, Friede im Geist, Friede in der Welt." In all deinen Werken sei also vollkommen; bete, studiere, ertrage, strebe, arbeite für die Ewigkeit; verachte diese kurze Zeit und ihre zeitlichen und kurzen Freuden, Reichtümer und Ehren; blicke empor zu den ewigen Dingen.
Vers 33: Der Name Beerscheba
UND DER NAME WURDE DER STADT GEGEBEN (zuerst dem Brunnen, dann der benachbarten Stadt) BEERSCHEBA — beer bedeutet Brunnen; schabee oder scheba oder schebua durch schin bedeutet Eid oder sieben, wie ich schon sagte; daher ist Beerscheba soviel wie Brunnen des Eides oder Brunnen der sieben Lämmer, die Abraham dafür gab: denn von jenem Ereignis her wurde dieser Brunnen hundert Jahre zuvor von Abraham Beerscheba genannt. Isaak aber, der schin sanft zu sin biegend, sagte auf Hebräisch Bersabee statt Berschabee, und so benannte er diesen Brunnen und wiederholte und erneuerte folglich den von seinem Vater gegebenen Namen; aber mit einer leichten Änderung eines Buchstabens in anderem Sinne als sein Vater. Denn Bersabee durch sin bedeutet Brunnen der Sättigung, weil die Familie Isaaks sich von ihm sättigte, wie ich schon sagte.
Lipomanus erklärt dies anders: denn er meint, Isaak habe diesen Brunnen Beerscheba mit genau demselben Klang und derselben Bedeutung genannt, wie er von Vater Abraham Beerscheba genannt worden war, nämlich daß Beerscheba soviel wie Brunnen des Eides bedeute: denn Lipomanus urteilt, daß Mose sich hier auf Vers 31 bezieht, als wollte er sagen: Am selben Tag, an dem Isaak einen Eid schwor und mit Abimelech einen Bund einging, kam ein Bote zu ihm über das Wiederausgraben dieses Brunnens seines Vaters; daher nannte er ihn wie sein Vater Beerscheba, das heißt Brunnen des Eides: weil er ebenso wie sein Vater am selben Brunnen einen Bund mit Abimelech beschwor.
Aber der erstere Sinn ist der echte und dem Verständnis Isaaks entsprechende, und unsere Übersetzung erfordert ihn, die sabee nicht als Eid, sondern als Sättigung und Überfluß deutet.
Vers 33: Allegorischer und anagogischer Sinn von Beerscheba
Allegorisch ist Beerscheba die streitende Kirche, in der eine Fülle von Gnaden herrscht.
Anagogisch ist Beerscheba die triumphierende Kirche im Himmel, in der die Fülle der Herrlichkeit und jedes Guten ist; von der der Psalmist singt: „Ich werde gesättigt, wenn Deine Herrlichkeit erscheint;" und: „Sie werden trunken von der Fülle Deines Hauses, und Du wirst ihnen zu trinken geben vom Strom Deiner Wonne, denn bei Dir ist der Quell des Lebens." Dieser Quell und Brunnen muß mit großer Mühe gegraben werden, und zugleich muß man den Philistern widerstehen, die das Graben dieses Brunnens hindern, nämlich den Häretikern und anderen Gottlosen; denn sie streiten um die Brunnen, das heißt um die Sakramente und die Heilige Schrift, die sie den Katholiken und frommen Menschen neiden und wegnehmen wollen: so Rupert.
Vers 34: Esau nahm mit vierzig Jahren Frauen
UND ESAU NAHM MIT VIERZIG JAHREN FRAUEN. — Dies geschah im hundertsten Lebensjahr Isaaks, denn Esau wurde im sechzigsten Lebensjahr Isaaks geboren. Josephus fügt hinzu, daß diese Frauen Töchter von Dynasten der Hethiter waren.
Vers 35: Beide hatten den Geist Isaaks gekränkt
BEIDE HATTEN DEN GEIST ISAAKS GEKRÄNKT — durch ihre schlechten Sitten und ihren Starrsinn, und weil sie Götzendienern blieben. So das Targum von Jerusalem. Man sehe Isaak, zuerst von Fremden, nämlich den Geraritern, bedrängt, hier von der eigenen Familie betrübt, alles geduldig ertragend und übergehend.
Man beachte: Esau nahm gegen den Willen seiner Eltern fremde Frauen und wurde daher des väterlichen Segens beraubt und seinem Bruder unterworfen, wie im folgenden Kapitel zu sehen sein wird. Die jungen Menschen mögen hier lernen, auf den Rat ihrer Eltern treue und wohlgesittete Gatten zu nehmen, wie es Isaak, Jakob, Tobias und andere taten.