Cornelius a Lapide
Inhaltsverzeichnis
Synopsis des Kapitels
Jakob entreißt seinem Bruder durch List den Segen des Vaters; daher droht ihm Esau mit dem Tode: weshalb die Mutter Jakob zur Flucht nach Haran rät. Daraus lerne, daß der Ratschluß, die Verheißung und die Erwählung Gottes fest ist, durch die Er in Kapitel 25, Vers 23 gesprochen hatte: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen, und daß kein menschlicher Rat sie umstoßen kann.
Vulgata-Text: Genesis 27,1-46
1. Isaak aber war alt geworden, und seine Augen waren trübe geworden, und er konnte nicht sehen: und er rief Esau, seinen älteren Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn! Und er antwortete: Hier bin ich. 2. Da sprach sein Vater: Du siehst, daß ich alt geworden bin und den Tag meines Todes nicht kenne. 3. Nimm deine Waffen, deinen Köcher und Bogen, und geh hinaus: und wenn du bei der Jagd etwas erbeutet hast, 4. so bereite mir daraus ein wohlschmeckendes Gericht, wie du weißt, daß ich es gern habe, und bringe es, damit ich esse und meine Seele dich segne, bevor ich sterbe. 5. Als Rebekka dies gehört hatte und er auf das Feld gegangen war, um den Auftrag des Vaters auszuführen, 6. sagte sie zu ihrem Sohn Jakob: Ich hörte deinen Vater mit deinem Bruder Esau reden und zu ihm sagen: 7. Bring mir etwas von deinem Wildbret und bereite mir Speise, damit ich esse und dich vor dem Herrn segne, bevor ich sterbe. 8. So höre nun, mein Sohn, auf meinen Rat: 9. Geh zur Herde und hole mir zwei auserlesene Zicklein, damit ich daraus für deinen Vater eine Speise bereite, die er gern ißt: 10. wenn du sie ihm gebracht hast und er gegessen hat, wird er dich segnen, bevor er stirbt. 11. Er antwortete ihr: Du weißt, daß mein Bruder Esau ein haariger Mann ist und ich glatthäutig bin: 12. wenn mein Vater mich betastet und es merkt, fürchte ich, er könnte denken, ich hätte ihn verspotten wollen, und ich brächte einen Fluch über mich statt eines Segens. 13. Da sprach seine Mutter zu ihm: Auf mir ruhe dieser Fluch, mein Sohn: höre nur auf meine Stimme, geh und hole, was ich gesagt habe. 14. Er ging hin, holte sie und gab sie seiner Mutter. Sie bereitete eine Speise zu, wie sie wußte, daß sein Vater sie gern aß. 15. Und sie bekleidete ihn mit den überaus schönen Kleidern Esaus, die sie zu Hause bei sich hatte: 16. und sie legte ihm die kleinen Ziegenfelle um die Hände und bedeckte die unbekleideten Stellen seines Halses. 17. Und sie gab ihm das wohlschmeckende Gericht und reichte ihm das Brot, das sie gebacken hatte. 18. Als er dies hineingebracht hatte, sprach er: Mein Vater! Und jener antwortete: Ich höre. Wer bist du, mein Sohn? 19. Und Jakob sprach: Ich bin dein Erstgeborener Esau: ich habe getan, was du mir befohlen hast: Steh auf, setze dich und iß von meinem Wildbret, damit deine Seele mich segne. 20. Und wiederum sprach Isaak zu seinem Sohn: Wie konntest du es so schnell finden, mein Sohn? Er antwortete: Es war Gottes Wille, daß mir schnell entgegenkam, was ich wollte. 21. Und Isaak sprach: Komm her, damit ich dich betaste, mein Sohn, und prüfe, ob du mein Sohn Esau bist oder nicht. 22. Er trat an seinen Vater heran, und als jener ihn betastet hatte, sprach Isaak: Die Stimme ist zwar die Stimme Jakobs; aber die Hände sind die Hände Esaus. 23. Und er erkannte ihn nicht, weil die behaarten Hände dem Älteren glichen. Indem er ihn also segnete, 24. sprach er: Bist du mein Sohn Esau? Er antwortete: Ich bin es. 25. Da sprach er: Bringe mir Speise von deinem Wildbret, mein Sohn, damit meine Seele dich segne. Als er gegessen hatte, was ihm vorgesetzt worden war, brachte er ihm auch Wein; und als er getrunken hatte, 26. sprach er zu ihm: Komm zu mir und gib mir einen Kuß, mein Sohn. 27. Er trat heran und küßte ihn. Und sobald er den Duft seiner Kleider wahrnahm, segnete er ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch eines vollen Feldes, das der Herr gesegnet hat. 28. Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde, Überfluß an Korn und Wein; 29. und die Völker sollen dir dienen und die Stämme dich anbeten: sei Herr deiner Brüder, und die Söhne deiner Mutter sollen sich vor dir neigen. Wer dir flucht, der sei verflucht, und wer dich segnet, der sei mit Segnungen erfüllt. 30. Kaum hatte Isaak seine Rede beendet: und als Jakob hinausgegangen war, kam Esau. 31. Und er brachte seinem Vater die gekochte Speise von seiner Jagd und sprach: Steh auf, mein Vater, und iß vom Wildbret deines Sohnes, damit deine Seele mich segne. 32. Und Isaak sprach zu ihm: Wer bist du denn? Er antwortete: Ich bin dein erstgeborener Sohn Esau. 33. Isaak wurde von heftiger Bestürzung ergriffen: und über alle Maßen verwundert sprach er: Wer ist denn jener, der mir vorhin das erbeutete Wildbret brachte und von dem ich alles aß, bevor du kamst? Ich habe ihn gesegnet, und er wird gesegnet bleiben. 34. Als Esau die Worte seines Vaters hörte, brach er in ein lautes Geschrei aus und sprach bestürzt: Segne auch mich, mein Vater. 35. Er sprach: Dein Bruder kam mit List und nahm deinen Segen. 36. Da entgegnete jener: Mit Recht heißt er Jakob: denn er hat mich nun zum zweiten Male hintergangen: mein Erstgeburtsrecht hat er mir schon vorher genommen, und jetzt hat er mir zum zweiten Male meinen Segen geraubt. Und abermals zu seinem Vater: Hast du nicht, sprach er, auch für mich einen Segen aufbewahrt? 37. Isaak antwortete: Ich habe ihn zu deinem Herrn gemacht und alle seine Brüder in seinen Dienst gestellt: ich habe ihn mit Korn und Wein gefestigt, und was soll ich nach all dem noch für dich tun, mein Sohn? 38. Da sprach Esau zu ihm: Hast du nur einen einzigen Segen, Vater? Ich bitte dich, segne auch mich. Und als er unter lautem Wehklagen weinte, 39. sprach Isaak, bewegt, zu ihm: In der Fettigkeit der Erde und im Tau des Himmels von oben 40. wird dein Segen bestehen. Du wirst vom Schwert leben und deinem Bruder dienen; und es wird die Zeit kommen, da du sein Joch abschüttelst und von deinem Nacken löst. 41. Esau haßte daher Jakob beständig wegen des Segens, mit dem der Vater ihn gesegnet hatte, und er sprach in seinem Herzen: Es werden die Tage der Trauer um meinen Vater kommen, und dann werde ich meinen Bruder Jakob töten. 42. Dies wurde Rebekka gemeldet: die nach ihrem Sohn Jakob sandte und ihn rufen ließ und zu ihm sprach: Siehe, dein Bruder Esau droht, dich zu töten. 43. Jetzt also, mein Sohn, höre auf meine Stimme, mach dich auf und fliehe zu meinem Bruder Laban nach Haran; 44. und du sollst bei ihm einige Tage bleiben, bis der Zorn deines Bruders sich legt, 45. und sein Grimm aufhört und er vergißt, was du ihm angetan hast: danach werde ich senden und dich von dort hierher zurückbringen lassen; warum sollte ich beider Söhne an einem Tage beraubt werden? 46. Und Rebekka sprach zu Isaak: Ich bin meines Lebens müde wegen der Töchter Heths; wenn Jakob eine Frau nimmt aus dem Stamm dieses Landes, will ich nicht mehr leben.
Vers 1: Isaak war alt geworden
ISAAK ABER WAR ALT GEWORDEN. Isaak war in diesem Jahr, in dem Jakob seinem Bruder den Segen raubte, 137 Jahre alt, während Esau und Jakob 77 Jahre alt waren. Denn in diesem 77. Lebensjahr floh Jakob, sogleich nachdem er den Segen seines Bruders an sich gerissen hatte und dessen Zorn fürchtete, auf Rat der Mutter nach Mesopotamien. Dies ergibt sich daraus, daß Joseph im 91. Lebensjahr Jakobs geboren wurde. Joseph aber wurde 14 Jahre nach der Flucht seines Vaters nach Mesopotamien geboren, das heißt, nachdem Jakob dort 14 Jahre Laban für Rachel und Lea gedient hatte, wie ich bei Kapitel 30, Vers 25 darlegen werde. Daher fällt diese Flucht Jakobs in das 77. Lebensjahr Jakobs; denn von diesem Jahr 77 bis zum Jahr 91, in dem Joseph geboren wurde, liegen genau die bereits genannten 14 Jahre. So Eusebius, Buch 9 der Praeparatio, Kapitel 4. Siehe Abulensis hier, Quaestio 1, und Pererius in der Vorrede zu diesem Kapitel. Danach lebte Isaak noch weitere 43 Jahre; denn er starb im 180. Lebensjahr.
UND SEINE AUGEN WAREN TRÜBE GEWORDEN, sowohl durch das Alter als auch durch häufige Krankheiten, sagt der hl. Augustinus, Buch 16 von De Civitate Dei, Kapitel 30.
Man beachte hier die lange Geduld Isaaks; denn er ertrug die Blindheit 44 Jahre lang, nämlich vom 137. Lebensjahr (wie ich oben gesagt habe) bis zum 180. Jahr, in dem er starb. Trefflich sprach die hl. Synkletika in den Viten der Väter: „Wenn uns Krankheit befällt, laßt uns nicht traurig sein, denn sie nützt uns zur Vernichtung der leiblichen Begierden. Wenn wir unsere Augen verlieren, laßt uns es nicht schwer tragen, denn wir haben das Werkzeug des Hochmuts verloren. Wenn wir taub geworden sind, laßt uns nicht klagen, denn wir haben das eitle Hören verloren.“
Daher sprach ebendort ein anderer heiliger Anachoret: „Die höchste Form der Frömmigkeit ist es, in der Krankheit Gott Dank zu sagen: denn gleichwie die leibliche Krankheit durch ein starkes und kräftiges Heilmittel geheilt wird, so werden durch leibliche Krankheit die Laster des Herzens abgestumpft. Bist du Eisen, so verlierst du deinen Rost durch das Feuer der Trübsal; bist du Gold, so wirst du glänzender und reiner: darum wünschten die heiligen Väter stets, in Krankheit zu sein.“
Ebendort antwortete Polemon, ein Gefährte des seligen Pachomius, als er von schweren Schmerzen der Milz geplagt wurde und die Brüder ihn baten, sich ein Heilmittel verabreichen zu lassen: „Wenn die Märtyrer Christi, die einen zerfleischt, die anderen enthauptet, wieder andere mit Feuer verbrannt, dennoch tapfer bis zum Ende für den Glauben aushielten: warum sollte ich, ungeduldig kleinen Schmerzen nachgebend, die Belohnungen der Geduld wegwerfen und aus Verlangen nach dem gegenwärtigen Leben vor augenblicklichen Leiden vergeblich zurückschrecken?“
Ebendort lesen wir über Didymus (der achtzig Jahre lang blind war und dennoch in der Heiligen Schrift überaus bewandert, weshalb der hl. Hieronymus ihn seinen „Seher“ nennt), daß er, als er vom hl. Antonius gefragt wurde, ob er traurig sei, weil ihm die Augen fehlten, und er es nicht leugnete, von Antonius hörte: „Ich wundere mich, daß ein kluger Mann über den Verlust dessen trauert, was Ameisen und Flöhe besitzen, und sich nicht vielmehr über den Besitz dessen freut, was nur die Heiligen und Apostel verdient haben: denn es ist weit besser, mit dem Geist zu sehen als mit dem Fleisch, und jene Augen zu besitzen, in die kein Splitter der Sünde fallen kann, als jene, die allein durch den Anblick, durch die Begehrlichkeit, die Menschen in das Verderben der Hölle senden können.“
Daher sprach der selige Petrus, Abt von Clairvaux, als er durch die Gewalt einer Krankheit ein Auge verloren hatte, einäugig: „Einem meiner Feinde bin ich entronnen, und den übriggebliebenen fürchte ich mehr als den verlorenen.“ Daher rissen sich auch einige Philosophen selbst die Augen aus, damit der Geist nicht abgelenkt werde, sondern ganz gesammelt sich der Betrachtung widme; und unter den Gläubigen lesen wir, daß der hl. Audomarus, Aquilinus und andere die Blindheit von Gott erbaten und erlangten. Der hl. Pigmenius, ein blinder römischer Priester, der dem Apostaten Julian begegnete, antwortete, als er von ihm hörte: „Ich danke den Göttern, o Pigmenius, daß ich dich sehe,“ – „Ich danke meinem Gott, daß ich dich nicht sehe.“ Mit ebenso tapferem Geist also ertrug er seine Blindheit, wie er den Tyrannen verachtete. Darauf begann er, mit der Krone des Martyriums geschmückt, zu sehen, was kein Auge gesehen hat; und zu hören, was kein Ohr gehört hat; und zu begreifen, was in keines Menschen Herz gedrungen ist.
Vers 2: Isaak bedenkt seinen Tod
DU SIEHST, DASS ICH ALT GEWORDEN BIN UND DEN TAG MEINES TODES NICHT KENNE. Siehe, wie Isaak hier 43 Jahre lang vorab seinen Tod bedachte, ihn als ungewiß täglich erwartete und sich selbst und alle seine Angelegenheiten darauf vorbereitete. Durch seine Tat lehrt er uns also, daß unser Leben nichts anderes sein soll als eine Betrachtung des Todes, wie Platon zu sagen pflegte. Denn der Tod ist gewiß und wird uns gewiß ereilen; aber der Tag und die Stunde sind ungewiß.
Vers 3: Bereite mir ein wohlschmeckendes Gericht
UND WENN DU BEI DER JAGD ETWAS ERBEUTET HAST, BEREITE MIR DARAUS EIN WOHLSCHMECKENDES GERICHT. Im Hebräischen bereite mir matammim, das heißt Leckerbissen, nämlich Gerichte aus feinerer Speise, die den Geschmack erfreuen; denn dies war der glückverheißende, freudige und feierliche Tag des Segens über den Sohn und sollte daher mit einem fröhlichen und angenehmen Mahl begangen werden. So Lipomanus.
Man kann fragen: Warum verlangte Isaak von Esau Wildbret von der Jagd und nicht etwa Huhn oder Lamm, da er doch beides zu Hause zur Hand hatte, bevor er ihn segnen wollte? Ich antworte erstens, weil Isaak an den Genuß von Wildbret gewöhnt war, das ihm Esau von der Jagd brachte, wie aus Kapitel 25, Vers 28 hervorgeht, und er folglich davon besser genährt und erfreut wurde; zweitens, weil er wollte, daß Esau sich durch diesen Gehorsam und den Dienst der Jagd auf den Empfang des Segens vorbereite: so Thomas Anglicus; drittens, weil Isaak unwissentlich von Gott bewegt wurde, Esau zur Jagd hinauszuschicken, damit Jakob inzwischen Esau zuvorkommen und ihm den Segen entreißen könne: denn Gott hatte beschlossen, Jakob im Erstgeburtsrecht Esau vorzuziehen.
Tropologisch lehrte Isaak hier, daß diejenigen, die Geistliches geben, Zeitliches fordern dürfen, nämlich daß Priester und Hirten, die das Volk lehren, für es beten und es segnen, vom Volk ernährt werden sollen.
Vers 7: Vor dem Herrn
VOR DEM HERRN, dem sehenden, hörenden, angerufenen, zustimmenden und einhauchenden Herrn. So Oleaster, Pererius und andere. Siehe hier, wie wunderbar Gott in der Erfüllung seiner Werke und Verheißungen ist: Jakob konnte auf nichts weniger hoffen, als gesegnet zu werden, da der Vater beschlossen hatte, Esau zu segnen, und dennoch fiel der Segen auf Jakob selbst. Im Gegenteil war Esau niemals seiner, den Segen zu empfangen, als da der Vater so zu ihm sprach; und dennoch verlor er ihn gerade dann am meisten. Lerne daher, auf Gott zu vertrauen, auch wenn alles gegen dich steht: lerne, gegen die Hoffnung auf Hoffnung zu glauben.
Vers 11: Jakob ist glatthäutig
ICH BIN GLATTHÄUTIG, das heißt, mit glatter Haut, nicht behaart wie Esau.
Vers 12: Rebekkas Glaube und Mut
AUF MIR RUHE DIESER FLUCH, nicht daß Rebekka wahrhaft den Fluch und die Strafe des Vaters anstelle ihres Sohnes auf sich nehmen wollte, wie der hl. Chrysostomus meint; sondern sie spricht so, weil sie eines glücklichen Ausgangs sicher war: denn sie wußte, daß Gott es so verheißen hatte, Kapitel 25, Vers 23, als wollte sie sagen: Du fürchtest den Zorn deines Vaters vergeblich; von ihm droht keine Gefahr; ich bürge dafür, ja wenn du zögerst und zweifelst, nehme ich allen seinen Zorn auf mich. So Theodoret.
Wobei man beachte: erstens in Rebekka einen unerschütterlichen Glauben an das Wort Gottes, das da sagt: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen; zweitens unterweist sie selbst ihren Sohn, den Segen zu suchen, da sie urteilte, daß er glücklich sein werde, wenn er von seinem Vater, einem heiligen Mann, gesegnet werde: andere Mütter erziehen ihre Söhne zu Eitelkeiten und Sünden; drittens, obwohl sie wußte, daß ihr Mann darin irrte, daß er den älteren Sohn gegen den Willen des Herrn segnen wollte, streitet sie dennoch nicht mit ihm, widersteht nicht mit Gewalt, sondern sorgt im Verborgenen dafür, daß der Segen jenem zuteil werde, den Gott bestimmt hatte; viertens, sie wendet alle Sorgfalt an, daß der betagte Vater die Täuschung nicht bemerke und dadurch verstört werde; fünftens, sie ist pflichtbewußt gegen ihren betagten Gatten, indem sie ihm die Speisen bereitet, die er gern aß; sechstens, sie weist Jakob klug zurecht, um den Zorn Esaus zu besänftigen.
Tropologisch lehrt der hl. Ambrosius aus dieser Zuneigung Isaaks zu Esau und Rebekkas zu Jakob, Buch 2 von De Jacob, Kapitel 2, wie Eltern ihre Kinder gleichermaßen lieben und nicht das eine dem anderen vorziehen sollen, oder wenn sie doch eines vorziehen, dies auf andere Weise ausgleichen sollen: „Nimm an,“ sagt er, „einen guten Wettstreit zwischen den Eltern. Die Mutter zeige Zuneigung, der Vater Urteilskraft: die Mutter neige sich mit zärtlicher Liebe dem Jüngeren zu, der Vater bewahre dem Älteren die Ehre der Natur; er ehre mehr, sie liebe mehr; der eine gleiche aus, was der andere vermindert.“
Vers 14: Jakob bringt die Zicklein
ER BRACHTE die zwei Zicklein, die seine Mutter verlangt hatte: nicht daß der Vater so kräftig und von solchem Appetit gewesen wäre, daß er zwei Zicklein verzehrt hätte, wie Prokopius meint, sondern weil sie von den beiden Zicklein die zarteren Teile herauszuschneiden und dem Vater darzureichen beabsichtigte. So Diodorus und Abulensis.
Moralisch sagt der hl. Ambrosius, Buch 2 von De Jacob, Kapitel 2: „Es siegte,“ sagt er, „der, welcher durch den Orakelspruch bevorzugt war; der Fleiß siegte über die Trägheit, die Sanftmut über die Härte, während der eine durch rauhe Jagd wilde Beute sucht, bereitet der andere die Speisen milden Wesens.“
Vers 15: Die Kleider Esaus
ÜBERAUS SCHÖNE. Im Hebräischen chamudot, das heißt begehrenswerte; die Septuaginta hat schöne: daher bewahrte die Mutter sie in einer Truhe unter Duftstoffen auf. Daß sie wohlriechend waren, geht aus Vers 27 hervor.
Allegorisch: Das Gewand Esaus, das heißt die Prophetie, das Priestertum und die Schrift des Alten Testaments wurden von den Juden auf Jakob übertragen, das heißt auf die Christen. So der hl. Ambrosius.
Vers 16: Die kleinen Felle der Zicklein
UND DIE KLEINEN FELLE DER ZICKLEIN, damit Jakob wie Esau erschiene, der behaart war.
SIE LEGTE SIE UM SEINE HÄNDE, nach Art von Handschuhen: denn andernfalls mußte Jakob seine Hände gebrauchen und mit ihnen seinem Vater Speisen bringen und ihm aufwarten.
Allegorisch ist Jakob Christus, der Ziegenfelle anzog, das heißt unsere Sünden auf sich nahm, um sie zu sühnen. So der hl. Augustinus im Buch Gegen die Lüge, Kapitel 10, und Prosper, Teil 1 der Predigt, Kapitel 21.
DIE BLOSSEN STELLEN SEINES HALSES, das heißt die Weichheit und Glätte seines Halses. So das Hebräische.
Vers 19: Ich bin dein Erstgeborener Esau
WER BIST DU? Denn Jakobs Stimme erregte bei Isaak einen Zweifel und Skrupel, so daß er unsicher war, ob der Sprechende Jakob oder Esau sei, und deshalb fragt er: Wer bist du?
Lerne hier, daß Gott bisweilen die Gerechten in gewisser Unwissenheit läßt, sich täuschen, fallen und hintergehen läßt, damit sie sich selbst erkennen. So meinte der hl. Isaak, der Segen Gottes solle sich in Esau erfüllen, aber er irrte sich; zweitens offenbart Gott bisweilen den Kleinen, was er den Großen verbirgt: so wurde Rebekka geoffenbart, was Isaak nicht wußte. Christus selbst bekennt dasselbe, Matthäus 11,25.
ICH BIN DEIN ERSTGEBORENER ESAU. Man mag fragen, ob Jakob hier gelogen hat und ob er gesündigt habe. Erstens urteilen Origenes, Cassian und Chrysostomus, Platon folgend, daß Jakob zwar gelogen habe, aber erlaubterweise und ohne Sünde; denn es sei bisweilen erlaubt, sich der Lüge zu bedienen, gleichsam wie der Nieswurz, oder wie wir giftige Substanzen in Arzneien verwenden. Aber dies ist ein Irrtum, der bereits von der Kirche erklärt und verurteilt worden ist, gegen den der hl. Augustinus im Buch Gegen die Lüge geschrieben hat.
Zweitens urteilen Gabriel im 3. Buch, Distinktion 38, und Ailly im 1. Buch, Frage 12, am Ende, daß es zwar an sich nicht erlaubt sei zu lügen, wohl aber erlaubt sei zu lügen, wenn Gott dispensiert. Aber die allgemeine Meinung der Doktoren mit dem hl. Augustinus ist, daß die Lüge ihrer Natur nach böse ist und folglich von Gott nicht dispensiert werden kann. Denn die Lüge ist an sich gegen die Natur und die Tugend der Wahrheit. Daher verbietet die Heilige Schrift schlechthin jede Lüge, Jesus Sirach Kapitel 7, Vers 14.
Drittens ist besser der hl. Augustinus im Buch Gegen die Lüge, Kapitel 10, der urteilt, dies sei ein bildlicher Ausdruck. Denn wie in Matthäus 11,14 Johannes der Täufer Elija genannt wird, nicht der Person, sondern dem Geiste nach; und in Tobit 5,18 Raphael sagt, er sei Asarja, das heißt „Helfer Gottes“, der Sohn des Ananja, das heißt „Gnade Gottes“: so sagt Jakob, er sei Esau, nicht dem Namen und der Person nach, sondern dem Recht und der Erstgeburt nach, die ihm von Gott in Kapitel 25, Vers 23, verliehen wurde. Daher sagt er: Ich habe getan, wie du mir befohlen hast; denn deine primäre Absicht war, deinem Erstgeborenen zu befehlen, Speisen zu bringen und den väterlichen Segen zu empfangen: und ich bin der Erstgeborene. Iß also von meinem Wildbret, das ich nicht auf dem Feld, sondern im Stall erjagt habe.
Aber wahrhaftig sage ich, es scheint, daß Jakob auf Antrieb seiner Mutter und durch seine Kleidung und Taten und Worte nicht nur hinsichtlich des Rechtes, sondern auch hinsichtlich der Person Esaus gelogen hat: denn er will seinem Vater, der die Person Esaus sorgfältig prüft, auf jede Weise einreden, daß er Esau selbst sei; daher lügt er, wenn er sagt: Ich habe getan, wie du mir befohlen hast; und: Iß von meinem Wildbret, als wolle er sagen: Ich nahm Waffen und Bogen, ich jagte, siehe das Wild, das ich erbeutet und zubereitet habe: iß davon; so der hl. Chrysostomus, Lyranus, Cajetan, Lipomanus, Pererius und andere.
Außerdem könnten diese Worte zwar durch Amphibolie und einen gewissen feinen Gedankenvorbehalt entschuldigt und gerechtfertigt werden, dennoch scheint Jakob einen solchen Vorbehalt nicht gehabt zu haben, denn er war nicht so scharfsinnig, noch bewegte er solch große Dinge in seinem Geist: sondern er war einfach, aufrecht und offen; und in dieser Angelegenheit, den Segen seinem Bruder durch List und Betrug wegzunehmen, gehorchte er einfach seiner Mutter und tat, was immer sie ihm eingab; daher wird er auch von seinem Vater betrügerisch genannt, in Vers 35.
Ich sage zweitens, diese Lüge Jakobs war nicht verderblich und auch niemandem schädlich, sondern sie war pflichtgemäß und folglich nur eine läßliche Sünde. Denn die Rechte der Erstgeburt standen ihm durch Gottes Gabe zu, und indem er sie Esau durch List entriß, tat er ihm kein Unrecht, sondern beanspruchte, was sein eigen war. So Tostatus, Lipomanus, Cajetan. Überdies glaubten vielleicht aus unüberwindlicher Unwissenheit sowohl die Mutter als auch Jakob das, was Origenes, Cassian und der hl. Chrysostomus meinten, nämlich daß es ihnen in einem solchen Fall und in solcher Notlage erlaubt sei zu lügen.
Du wirst sagen: Es lag hier ein Geheimnis vor, also war es keine Lüge. Der Vordersatz ist klar, weil Jakob, indem er die Kleider und die Person Esaus anlegte, Christus bedeutete, der unsere Sünden und Strafen auf sich nahm. Ferner bedeutete es, daß die Heiden an die Stelle der Juden in der Sohnschaft und dem Segen Abrahams treten sollten, nämlich in Gnade, Gerechtigkeit und Heil, wie der Apostel erklärt, Römer 9 und 10.
Ich antworte: Dieses Geheimnis war auf seiten Gottes und des Heiligen Geistes, der dies allegorisch zu bedeuten beabsichtigte; aber die Lüge war auf seiten Jakobs; denn er beabsichtigte im wörtlichen Sinne, seinem Vater einzureden, daß er der Person nach Esau sei. Daher entschuldigt ihn das genannte Geheimnis Gottes nicht, zumal er es damals nicht gekannt zu haben scheint. Überdies beruht dieses Geheimnis und dieser mystische Sinn nicht auf Jakobs Lüge: denn Wahrheit kann nicht auf Falschheit beruhen; sondern es beruht auf Jakobs Tat, durch die er sich seinem Vater darstellte und sich so verhielt, als wäre er selbst Esau: denn Taten können oft von der Lüge entschuldigt werden, wo Worte es nicht können. Denn Worte bezeichnen bestimmt und entschieden die Sache und den Sinn des Sprechenden: aber Taten nur verworren und unbestimmt; daher können sie von der Absicht des Handelnden hierhin oder dorthin gelenkt, bestimmt und darauf gerichtet werden, dies oder jenes zu bedeuten. So stellen Schauspieler in Komödien die Personen von Königen und Fürsten dar, ohne zu lügen, indem sie tun, was jene taten, als ob sie selbst Könige und Fürsten wären.
STEH AUF, SETZ DICH UND ISS. Isaak lag also vor Alter und Schwäche im Bett, und Jakob bittet ihn, daraus aufzustehen, um zu essen.
Mystisch sagt der hl. Ambrosius im Buch Über Isaak, Kapitel 5: „Das Bett der Heiligen“, sagt er, „ist Christus, in dem die von weltlichen Kämpfen ermüdeten Herzen aller Ruhe finden. In diesem Bett ruhte Isaak und segnete den jüngeren Sohn.“
Vers 22: Die Stimme Jakobs, die Hände Esaus
DIE STIMME IST ZWAR DIE STIMME JAKOBS; ABER DIE HÄNDE SIND DIE HÄNDE ESAUS. So war allegorisch die Stimme Christi die Stimme des Sohnes Gottes, aber die Hände und die äußere Erscheinung, die die Menschen sahen und berührten, waren die eines gewöhnlichen, sterblichen und elenden Menschen. Daher sagt der hl. Bernhard, Predigt 28 über das Hohelied: „Was in Christus gehört wird“, sagt er, „ist sein eigen: was gesehen wird, ist das Unsrige: was er spricht, ist Geist und Leben: was erscheint, ist sterblich und ist der Tod: eines wird wahrgenommen und ein anderes geglaubt.“
Daher lehrt er ebendort, daß die Erkenntnis der Wahrheit mehr durch das Hören als durch das Sehen empfangen wird. „Die Augen des Patriarchen werden trübe“, sagt er, „der Gaumen wird getäuscht, die Hand wird getäuscht, das Ohr wird nicht getäuscht. Was Wunder, wenn das Ohr die Wahrheit wahrnimmt, da der Glaube aus dem Hören kommt, das Hören durch das Wort Gottes, und das Wort Gottes die Wahrheit ist? Die Stimme, sagt er, ist die Stimme Jakobs; nichts ist wahrer: aber die Hände sind die Hände Esaus; nichts ist falscher. Du wirst getäuscht, die Ähnlichkeit der Hand täuscht dich. Auch im Geschmack ist keine Wahrheit, wenn auch Süße vorhanden ist: denn wie hat der die Wahrheit, der meint, Wildbret zu essen, wenn er häusliches Zickleinfleisch ißt? Noch weniger das Auge, das nichts sieht. Es ist keine Wahrheit im Auge, keine Weisheit; allein das Ohr hat die Wahrheit, das das Wort wahrnimmt.“
Dasselbe ist klar in der Eucharistie: denn in ihr werden Hand, Geschmack und Tastsinn getäuscht, während sie wahrnehmen, schmecken und urteilen, es sei Brot; aber die Stimme allein täuscht nicht: denn dies ist die Stimme des Sohnes Gottes, der weder getäuscht werden noch täuschen kann, der spricht: Dies ist mein Leib.
Vers 23: Isaak schickt sich an zu segnen
IHN ALSO SEGNEND. Das heißt, sich anschickend und sich vorbereitend zu segnen: denn das Wort „segnend“ bezeichnet hier einen Akt, der nicht vollendet, sondern begonnen und beabsichtigt ist, nämlich die Absicht und Vorbereitung zum Segnen selbst: denn Isaak segnet Jakob nicht hier, sondern im Folgenden.
Vers 27: Der Wohlgeruch der Kleider Jakobs
ALS ER WAHRNAHM. Der Wohlgeruch des Duftes, den Jakob von seinen Kleidern verbreitete, erquickte und erheiterte den Geist des guten Greises Isaak so sehr, daß er, von Freude erfüllt und von Liebe zu seinem Sohn entbrannt, in seinen Segen ausbrach.
Aus dieser Stelle geht hervor, daß es ein uralter Brauch war, die Kleider der führenden Männer und Adeligen mit kostbaren Salben oder Wohlgerüchen zu würzen. Dasselbe geht aus dem Hohelied 4,11 hervor: Der Duft deiner Kleider ist wie der Duft des Weihrauchs, und Psalm 44,9: Myrrhe und Aloe und Kassia von deinen Kleidern.
SIEHE, DER GERUCH MEINES SOHNES. Für „siehe“ steht im Hebräischen „sieh“, als wolle er sagen: Ich sehe, das heißt, ich nehme wahr, ich empfinde, ich rieche den wunderbaren Wohlgeruch meines Sohnes; denn „Sehen“ steht für jeden Sinn, wie ich anderswo gesagt habe.
WIE DER GERUCH EINES VOLLEN FELDES, das mit Blumen und Früchten blüht: denn diese hauchen einen süßen und duftenden Atem aus, durch den die Menschen wunderbar erquickt werden. Das Wort „voll“ steht nicht im Hebräischen, noch im Chaldäischen, aber im Griechischen.
Tropologisch über den Wohlgeruch der Tugenden siehe Rupert hier und den hl. Augustinus, Buch 16 von Der Gottesstaat, Kapitel 37, und den hl. Gregor, Homilie 6 über Ezechiel, der sagt: „Denn anders duftet die Blüte der Traube; denn groß ist die Tugend und der Ruf der Prediger, die die Herzen ihrer Hörer berauschen. Anders die Blüte des Ölbaums; denn süß ist das Werk der Barmherzigkeit; denn gleich dem Öl lindert es und leuchtet. Anders die Blüte der Rose; denn das lautere Leben des Fleisches besteht in der Unversehrtheit der Jungfräulichkeit. Anders die Blüte des Veilchens; denn groß ist die Tugend der Demütigen, die aus dem Verlangen heraus die letzten Plätze einnehmen, sich durch Demut nicht von der Erde zur Höhe erheben und den Purpur des himmlischen Reiches in ihrem Herzen bewahren. Anders duftet die Ähre, wenn sie zur Reife gelangt; denn die Vollkommenheit der guten Werke wird zur Sättigung derer bereitet, die nach Gerechtigkeit hungern.“
DAS DER HERR GESEGNET HAT. Dieser Segen des Feldes durch Gott besteht in dreierlei, wie Isaak hier erklärt: erstens in einem süßen und duftenden Geruch, worüber er hier sagt: Wie der Geruch eines vollen Feldes; zweitens im Tau des Himmels. Er sagt eher Tau als Regen, weil es in Palästina nur zweimal im Jahr regnet, nämlich im Oktober, wenn man sät, damit der Same keime, was daher in der Schrift der Frühregen genannt wird; zweitens im April, damit die Ernte reife, was der Spätregen genannt wird. Daher brauchen die Felder in der Zwischenzeit beständig Tau, damit die Saaten und Ernten nicht vertrocknen, sondern genährt, gespeist werden und wachsen. Drittens in der Fettigkeit der Erde, das heißt, daß die Erde nicht sandig, nicht wässerig, nicht ausgelaugt, sondern fett, mäßig trocken und gleichsam jugendlich sei, damit sie reichliche Nachkommenschaft und Früchte hervorbringe.
Allegorisch erfüllten sich diese Segnungen in Christus, wie der hl. Augustinus lehrt, Buch 16 von Der Gottesstaat, Kapitel 37. Tropologisch in der Seele eines jeden Gerechten, wie der hl. Gregor lehrt, Homilie 6 über Ezechiel. Anagogisch in den Seligen, wie der hl. Irenäus lehrt, Buch 5, Kapitel 33.
Vers 29: Der vierfache Segen Jakobs
VÖLKER SOLLEN DIR DIENEN, als wolle er sagen: Deinen Nachkommen, David, Salomo und den Makkabäern, sollen die Edomiter, Philister, Araber, Ammoniter und andere Völker untertan sein.
Man beachte die vier Teile dieses Segens. Der erste ist ein vierfacher Segen Jakobs: der erste betrifft den Reichtum, wenn er sagt: Gott gebe dir vom Tau des Himmels usw.; der zweite betrifft die Herrschaft, wenn er sagt: Völker sollen dir dienen; der dritte den Vorrang unter den Brüdern, wenn er sagt: Sei Herr deiner Brüder; durch diese Worte empfing Jakob das Recht und die Herrschaft über Esau; aber die Ausübung dieses Rechtes und dieser Herrschaft empfing er nicht in sich selbst, sondern in seinen Nachkommen, als die Nachkommen Esaus, nämlich die Edomiter, unter David dienten; der vierte, wenn er sagt: Wer dir flucht, der sei verflucht; und wer dich segnet, der sei mit Segnungen erfüllt. Dieser betrifft Gottes Gunst, als wolle er sagen: Gott wird deine Sache und die deiner Nachkommen führen; wer deine Freunde oder Feinde sind, wird er als die seinen betrachten: jene verfluchend, das heißt ihnen Böses tuend, und diese segnend, das heißt ihnen Gutes tuend.
Man beachte: Diese Segnungen sind teils Segnungen, teils Weissagungen. Denn Isaak ruft mit prophetischem Geist durch diese Worte herab und verkündet zugleich voraus, was Jakob und den Israeliten von Gott und Gottes Gunst zuteil werden sollte.
Vers 33: Isaak von Staunen ergriffen
ISAAK WURDE VON HEFTIGEM STAUNEN ERGRIFFEN. Die Septuaginta: Isaak wurde von einer sehr großen Ekstase erfaßt. In diesem Schrecken und Staunen also, in einer Ekstase ergriffen, sagt der hl. Augustinus, Frage 80, sah und sagte Isaak das Folgende, so daß er seinen Sinn änderte und auf Jakob, der durch Betrug den Segen seinem Bruder entrissen hatte, nicht zürnte, sondern ihn bestätigte: ja, in dieser Entrückung zeigte Gott dem Isaak, daß diese Tat Jakobs, was die Substanz der Handlung betrifft, nämlich die Wegnahme, Zuvorkommen und Unterschiebung seiner selbst in der Erstgeburt (wenn auch nicht hinsichtlich der Art und Weise, nämlich der Lüge), durch seinen Wink und Antrieb geschehen war: denn Jakob war von Ihm als Erstgeborener und Erbe seiner dem Abraham und Isaak gemachten Verheißungen bestimmt worden, nicht Esau; Er wollte daher, daß Isaak dies bestätigte; daher sagte Isaak, sogleich Gott gehorsam und seinen Sinn von Esau auf Jakob wendend: Und er soll gesegnet sein. So der hl. Hieronymus, Alcuin und der hl. Augustinus, Buch 16 von Der Gottesstaat, Kapitel 37.
Vers 34: Esaus Schrei um einen Segen
ER BRÜLLTE AUF, wie ein Löwe, und zeigte damit nicht nur seine Trauer, sondern seine Wildheit und seinen Zorn, mit einem lauten Schrei gleich einem Gebrüll.
Philo und Eusebius urteilen, daß Esau so aufbrüllte, nicht so sehr aus Schmerz über den verlorenen Segen (obwohl auch dies ihn stach), als vielmehr aus Neid über das Emporsteigen seines Bruders, besonders weil sein Vater diesen ihm vorgezogen und ihn seinem Bruder unterworfen hatte.
SEGNE AUCH MICH. Das Hebräische hat mehr Pathos: Segne mich auch; ich, mein Vater, verstehe, bin dein Sohn, und der wahrhaft Erstgeborene, und dir bisher teurer, und dem du diesen Segen vor kurzem versprochen hast, der ich nun durch die List meines Bruders überholt worden bin und diesen Verlust erlitten habe, weil ich deinem Befehl gehorchte und fortging, um zu jagen, um zuzubereiten, was du begehrtest; es ist daher angemessen, daß du auch mich segnest.
VORDEM. Dieses Wort steht nicht im Hebräischen, noch im Chaldäischen, noch im Griechischen. „Vordem“ ist hier dasselbe wie „vorher“; denn wir sagen gewöhnlich von einem wachsamen, eifrigen und scharfsinnigen Menschen: Längst schon ist er dir zuvorgekommen, wie Jakob hier dem Esau zuvorgekommen war; denn kaum war Jakob von seinem Vater fortgegangen, als Esau ankam, wie aus Vers 30 hervorgeht. Wo der hl. Chrysostomus, Homilie 53, über Gottes Vorsehung gegenüber den Seinen und denen, die ihm gehorchen, staunt: denn Er ordnete es so, daß Esau nicht zurückkehrte, bis Jakob, nachdem er den Segen empfangen hatte, fortgegangen war. „Daraus laßt uns lernen“, sagt er, „daß wenn jemand seine Angelegenheiten nach dem Willen des Herrn lenken will, er von so viel himmlischer Hilfe unterstützt wird, daß er dies in der Tat klar erfährt.“
Es könnte zweitens sein, daß „vordem“ sich nicht auf Jakobs Fortgehen bezieht, sondern auf das Fangen des Wildes und die von ihm seinem Vater gebrachten Speisen: denn der Vater verwandte etwas mehr Zeit auf das Essen und die Unterhaltung mit Jakob.
UND ER SOLL GESEGNET SEIN. Du wirst sagen: Ein Irrtum in der Person macht menschliche Verträge ungültig, besonders Ehen; also auch diesen Segen Isaaks: denn er irrte sich, indem er Jakob segnete, und meinte und beabsichtigte, nicht ihn, sondern Esau zu segnen. Ferner schlich sich Jakob durch List und Betrug ein; aber List soll niemandem nützen, wie die Rechtsregel besagt.
Pererius antwortet, indem er die Schlußfolgerung leugnet; denn Isaak irrte nicht hinsichtlich der Person in seiner primären Absicht, die war, denjenigen zu segnen, der der Erstgeborene war, oder den Gott als Erstgeborenen bestimmt haben wollte: und das war Jakob, nicht Esau; er irrte jedoch hinsichtlich seiner sekundären Absicht, durch die er beabsichtigte, Esau zu segnen, weil er ihn für den Erstgeborenen hielt; daher sagte er, diesen Irrtum durch Gottes Antrieb erkennend und seine Absicht berichtigend: Und er soll gesegnet sein, nämlich Jakob, den ich zuvor gesegnet habe. Überdies war die List Jakobs nicht böse, sondern gut: denn durch sie beanspruchte er sein Recht und was sein eigen war, nämlich die Erstgeburt, die er anders von dem ungerechten und gewaltsamen Besitzer Esau nicht hätte erlangen können.
Überdies war dies nicht so sehr ein Segen als vielmehr eine Weissagung, und die Zunge Isaaks wurde nicht so sehr von Isaak als vielmehr von Gott bewegt, Jakob zu segnen.
Man mag fragen, warum Esau so eifrig und beharrlich den Segen seines Vaters suchte. Ich antworte erstens, weil die Menschen in jener Zeit durch lange Erfahrung gelernt hatten, daß der Segen — oder Fluch — eines Vaters sehr große Kraft hat und oft in den Kindern wirksam ist, wie es auch heute nicht selten geschieht. Der Segen des Vaters, sagt der Weise in Jesus Sirach 3, Vers 11, festigt die Häuser der Kinder, aber der Fluch der Mutter reißt ihre Grundfesten aus. So erlangten Sem und Jafet, von Noach gesegnet: Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, Kanaan sei sein Knecht, Gott breite Jafet aus usw., Genesis 9,26 — eben dasselbe von Gott. So war der Segen Jakobs, den er Ephraim und Manasse erteilte in Genesis 48,20, und ein anderer, den er den zwölf Söhnen erteilte in Genesis 49; ebenso der Segen des Mose an die zwölf Stämme, Deuteronomium 33, wirksam und wurde tatsächlich erfüllt. Ebenso war der Segen des Tobit an seinen Sohn, Kapitel 5, Vers 21: Mögest du gut reisen, und möge Gott auf eurer Reise mit euch sein, und möge sein Engel euch begleiten; auch der Segen des Schwiegervaters Raguel an Tobias und seine Frau Sara, Kapitel 10, Vers 1, wirksam. Daher sagt der hl. Ambrosius, Buch 1 von Über die Segnungen der Patriarchen, Kapitel 1: „Wie große Ehrfurcht“, sagt er, „schulden wir unseren Eltern, wenn wir lesen (Genesis 27), daß wer von seinem Vater gesegnet wurde, wahrhaft gesegnet war; daher gewährt Gott den Eltern diese Gnade, damit die Frömmigkeit der Kinder angeregt werde: das Vorrecht der Eltern ist also die Zucht der Kinder.“ So wurden durch den Segen ihres Vaters Mattathias die Makkabäer tapfer und unbesiegbar in den Kriegen, 1 Makkabäer Kapitel 2, Vers 69 und folgende.
Im Gegenteil wurde Cham, von seinem Vater Noach verflucht, in seiner ganzen kanaanäischen Nachkommenschaft genauso. Ebenso wurde Ruben, von Jakob wegen Inzestes verflucht, genauso: dasselbe widerfuhr Levi und Simeon, Genesis Kapitel 49, Vers 4 und 5. Daher folgert der hl. Ambrosius oben: „Der Fromme ehre seinen Vater um der Gnade willen, der Undankbare um der Furcht willen.“
Ein denkwürdiges Beispiel hat der hl. Augustinus in Buch 22 von Der Gottesstaat, Kapitel 8, über zehn Kinder, die von ihrer Mutter verflucht wurden und sogleich von einem schrecklichen Zittern ihrer Glieder geschlagen wurden und deshalb beinahe die ganze römische Welt durchwanderten: von denen zwei an den Reliquien des hl. Stephanus geheilt wurden.
Zweitens, weil durch diesen Segen des sterbenden Vaters die Erstgeborenen erklärt wurden und die Erben der dem Abraham gemachten Verheißung, wie Jakob hier erklärt wurde. So Rupert.
Vers 36: Der Name Jakob und das Unterpflanzen
MIT RECHT (richtig, wahrhaftig, treffend — so das Hebräische) WURDE SEIN NAME JAKOB GENANNT: DENN ER HAT MICH ZUM ZWEITEN MAL UNTERPFLANZT. Jakob bedeutet soviel wie „Fersenhalter“ und „Unterpflanzer“. Er wurde so benannt, weil er bei der Geburt die Ferse seines Bruders festhielt. Dies bedeutete, daß er seinen Bruder unterpflanzen würde, wie er es tatsächlich tat: erstens, indem er in Kapitel 25, Vers 21, klug Esaus Erstgeburt erkaufte; zweitens, hier, indem er ihm den Segen des Vaters entriß. Das Arabische übersetzt es nachdrücklich als „er hat mich zum zweiten Mal gejakobt“. „Jakoben“ ist ein bei den Arabern häufiges Wort, das unterpflanzen bedeutet und etwas bis zur Neige und zum Äußersten vermindern, genommen vom Hebräischen aqab und jaaqob, das heißt unterpflanzen und Unterpflanzer.
DEINEN SEGEN — der dir nach dem Recht der Natur gebührte und dir von mir bestimmt war, den aber Gott auf deinen Bruder übertragen hat.
Vers 37: Was soll ich für dich tun?
ALLE SEINE BRÜDER. Alle seine Verwandten und Blutsverwandten, sei es, daß sie von dir, o Esau, oder von Ismael und meinen anderen Brüdern, den Söhnen der Ketura, geboren werden sollen: denn wie ich das Haupt und der Fürst dieser bin, so wird es auch Jakob sein.
WAS SOLL ICH TUN? Esau forderte einen Segen ähnlich dem Jakobs und einen, der dem Erstgeborenen gebührte: diesen konnte Isaak nicht geben; daher behauptet der Apostel in Hebräer 12, daß Esau ihn mit Tränen suchte, aber vergeblich, denn er erlangte ihn nicht; darum gab ihm Isaak einen anderen, wie er konnte.
Verse 39–40: Der Segen Esaus
IN DER FETTIGKEIT DER ERDE UND IM TAU DES HIMMELS VON OBEN SOLL DEIN SEGEN SEIN. Im Hebräischen steht: dein Wohnsitz oder deine Wohnstätte soll sein, das heißt: Du wirst in einem fetten und fruchtbaren Land wohnen, das Gott durch Herabsendung von Tau und Regen fruchtbar machen wird.
Man sieht hier, daß Isaaks Segen eine Weissagung ist, die sich in Kapitel 33, Vers 9, erfüllte. Ferner ist dies die geringste der Jakob gegebenen Segnungen, nämlich der Überfluß an Wein und Weizen; denn in der Tat gebührte einem irdischen und fleischlichen Menschen ein solcher und kein anderer Segen.
VOM SCHWERT WIRST DU LEBEN. Du wirst ein reiches Land einnehmen; doch wirst du nicht so sehr vom Ackerbau als vielmehr von Raub und Plünderung leben — nicht so sehr du selbst als deine Nachkommen. Wie räuberisch und kriegerisch die Edomiter waren, lehrt Josephus im 4. Buch des Jüdischen Krieges.
UND DU WIRST DEINEM BRUDER DIENEN (unter David), UND ES WIRD DIE ZEIT KOMMEN, DA DU DAS JOCH ABSCHÜTTELN UND LÖSEN WIRST. Das heißt, zur Zeit Jorams, des Sohnes Joschafats, empörten sich die Edomiter gegen die Juden, 2 Könige 8, und blieben vom Joch der Juden frei 800 Jahre lang, bis Hyrkanus sie wieder unterwarf; und wiederum erlangte Herodes, der Sohn des Edomers Antipater, das Königreich Judäa und hielt es in sich und seinen Nachkommen bis zur Zerstörung Jerusalems, 150 Jahre lang. Daher kam es, daß zur Zeit des Titus und Vespasian die Edomiter zusammen mit den Römern Jerusalem erstürmten und verwüsteten. Siehe Josephus, Buch 14 der Altertümer, am Anfang, und Buch 1 des Jüdischen Krieges.
Moralisch sagt der hl. Ambrosius, Buch 2 von Über Jakob, Kapitel 3: „Ein guter Vater“, sagt er, „der zwei Söhne hatte, einen unmäßigen und einen nüchternen, setzte, um für beide zu sorgen, den Nüchternen über den Unmäßigen und bestimmte, daß der Unverständige dem Klugen gehorche, damit er durch die Autorität des Regierenden seine Gesinnung bessere.“
Vers 41: Esaus Haß gegen Jakob
ESAU HASSTE DARUM ALLZEIT JAKOB. Man beachte hier: Nachdem Jakob den Segen seines Vaters empfangen hat, wird er sogleich geprüft, erleidet Verfolgung und wird schließlich aus dem Haus seines Vaters vertrieben, so daß man meinen konnte, der Segen habe ihm nichts genützt oder ihm sogar geschadet: aber der Ausgang zeigte, daß er ihm genützt hatte.
Man beachte zweitens die Gottlosigkeit und Torheit Esaus: denn erstens erzürnt er, ja er haßt seinen Bruder; zweitens sucht er einen Weg der Rache; drittens bedenkt er nicht, daß dies durch Gottes Vorsehung so geschehen ist, noch daß er selbst es verdient hatte, sondern erwägt nur, was sein Bruder getan hat; viertens greift er, da er den Segen nicht mit Recht zurückfordern kann, zur Gewalt; fünftens beschließt er, seinen Bruder nicht nur zu verfolgen, sondern auch zu töten; sechstens wünscht er den Tod seines Vaters: Es werden die Tage der Trauer um meinen Vater kommen, sagt er, und ich werde meinen Bruder töten. Wo der hl. Chrysostomus mit Recht sagt, Homilie 53: „Ist nicht, wer über die Rasenden zürnt, selbst nicht weniger wahnsinnig?“ Siebtens verbirgt er all dies, bis sich die Gelegenheit bietet, es auszuführen. Wie töricht war er, der versuchte, den Segen durch böse Mittel zurückzuerlangen, ja indem er Sünden zu Sünden häufte, da man durch solches um so mehr den Fluch auf sich zieht: denn durch gute Taten muß der Segen Gottes erworben werden.
Vers 42: Esau droht Jakob
ER DROHT. Im Hebräischen mitnachem, das heißt, er tröstet sich — daß er dich töten wird.
Vers 45: Rebekka fürchtet, beide Söhne zu verlieren
WARUM SOLL ICH BEIDER SÖHNE AN EINEM TAG BERAUBT WERDEN? Denn wenn du hier bleibst, wirst du mit deinem Bruder kämpfen müssen, und entweder werdet ihr durch gegenseitige Wunden fallen, oder wenn einer erschlagen ist, wird der andere ein Flüchtling sein, und so werde ich der Gegenwart und des Trostes beider beraubt.
Vers 46: Rebekkas kluger Rat
WENN JAKOB EINE FRAU VOM STAMME DIESES LANDES NIMMT (eine Kanaanäerin oder Hetiterin, wie Esau sie geheiratet hat, die durch ihre Bosheit und Hartnäckigkeit mir und dir beschwerlich und verhaßt sind), WILL ICH NICHT LEBEN. Im Hebräischen: wozu ist mir das Leben? Das heißt: Das Leben wird mir so bitter und leidvoll sein, daß ich lieber sterben als leben möchte.
Man beachte die Klugheit Rebekkas: denn um den Brudermord zu verhindern, schickt sie den einen Bruder fort; und damit sie dem Vater das Verbrechen und die Anschläge des anderen nicht enthülle und so dem Vater Traurigkeit und dem Sohn den Unwillen des Vaters zuziehe, gibt sie einen anderen Grund für die Entsendung ihres Sohnes vor — und einen wahren —, nämlich daß sie nicht will, daß Jakob irgendeine ungehorsame und böse Hetiterin heirate, sondern wünscht, daß er eine Verwandte aus Haran heirate, wo das Haus ihres Vaters wohl geordnet war. Dieser Grund bewegte Isaak und überredete ihn, Jakob im folgenden Kapitel nach Haran zu senden.
Daher sagt der hl. Ambrosius, Buch 2 von Über Jakob, Kapitel 3: „Laßt uns von Rebekka lernen“, sagt er, „wie wir dafür sorgen müssen, daß der Neid nicht den Zorn errege und der Zorn sich nicht in Brudermord stürze. Es komme Rebekka, das heißt die Geduld, die gute Hüterin der Unschuld; sie überrede uns, dem Zorn Raum zu geben. Laßt uns etwas weiter zurückweichen, bis mit der Zeit der Unwille sich mildert und Vergessen der Kränkung sich einschleicht.“
Diesem klugen und heiligen Rat Rebekkas und Jakobs folgte der hl. Gregor von Nazianz; denn als auf dem Konzil von Konstantinopel Rivalitäten und Zwistigkeiten gewisser Bischöfe entstanden waren, weil Nazianz von anderen ohne ihre Befragung zum Bischof geweiht worden war, trat Gregor freiwillig von seinem Platz und Rang zurück und redete sie folgendermaßen an: „Demütig bitte ich euch bei der Dreifaltigkeit selbst, daß ihr alles recht und friedlich unter euch ordnet: und wenn ich die Ursache der Zwietracht unter euch bin, so darf ich keineswegs ehrwürdiger erscheinen als der Prophet Jona; werft mich ins Meer, und dieser Sturm der Wirren unter euch wird sich beruhigen. Gerne werde ich erleiden, was immer ihr wollt, obgleich ich unschuldig bin, um eurer Eintracht willen; stoßt mich vom Thron, verbannt mich aus der Welt, nur liebt die Wahrheit und den Frieden. Lebt wohl, heilige Hirten, und gedenkt meiner Mühen allezeit.“ Nachdem er dies gesagt hatte, ging er zum Kaiser Theodosius und erbat seine Entlassung: „Demütig bitte ich“, sagte er, „daß ich von diesen Mühen befreit werde; es sei ein Ende des Neides, die Bischöfe pflegten den Frieden, und dies geschehe durch dein Wirken: dies ist das Geschenk, das ich von dir erbitte, diese letzte Gunst gewähre mir.“ Theodosius, der die Tugend des Mannes bewunderte, stimmte schließlich widerstrebend zu und ließ Nektarius an seine Stelle treten. So Gregor der Presbyter in seinem Leben des Nazianzeners.
Allegorisch bedeutet Rebekka, die Jakob nach Mesopotamien sendet, wo er die zwölf Patriarchen zeugte, Gott den Vater, der seinen Sohn in die Welt sendet, wo Er die zwölf Apostel hervorbrachte. Und wie Jakob allein mit einem Stab gesandt wurde, so kam Christus allein, arm und demütig, und Er wollte, daß die Apostel ebenso seien und so das Evangelium in der ganzen Welt verkündeten, daß sie gleich Engeln seien, die nichts bedürfen, gleichsam irdische Götter. So der hl. Irenäus, Buch 4, Kapitel 38, und der hl. Augustinus, Predigt 79 Über die Zeiten.