Cornelius a Lapide
Inhaltsverzeichnis
Synopsis des Kapitels
Josef erkennt seine Brüder, die wegen des Getreides nach Ägypten kommen, und behandelt sie hart, und schließlich entläßt er in Vers 25, nachdem er Simeon zurückbehalten hat, die übrigen unter der Bedingung, daß sie Benjamin zu ihm bringen.
Vulgata-Text: Genesis 42,1-38
1. Als nun Jakob hörte, daß in Ägypten Nahrung verkauft werde, sprach er zu seinen Söhnen: „Warum seid ihr nachlässig?" 2. „Ich habe gehört, daß in Ägypten Getreide verkauft wird: zieht hinab und kauft uns das Nötige, damit wir leben und nicht vor Mangel umkommen." 3. Es zogen also zehn Brüder Josefs hinab, um in Ägypten Getreide zu kaufen, 4. während Benjamin von Jakob zu Hause zurückbehalten wurde, der zu seinen Brüdern gesagt hatte: „Damit ihm nicht etwa auf dem Weg etwas Böses zustoße." 5. Sie zogen in das Land Ägypten ein mit anderen, die zum Einkaufen gingen. Es war nämlich Hungersnot im Lande Kanaan. 6. Und Josef war Herrscher im Lande Ägypten, und auf seinen Wink wurde dem Volk Getreide verkauft. Und als seine Brüder sich vor ihm niedergeworfen hatten, 7. und er sie erkannt hatte, sprach er hart zu ihnen wie zu Fremden und fragte sie: „Woher kommt ihr?" Sie antworteten: „Aus dem Lande Kanaan, um Nahrung zu kaufen." 8. Und obgleich er seine Brüder erkannte, wurde er von ihnen nicht erkannt. 9. Und als er sich der Träume erinnerte, die er einst gesehen hatte, sprach er zu ihnen: „Ihr seid Kundschafter: ihr seid gekommen, um die schwachen Stellen des Landes zu sehen." 10. Sie sagten: „Es ist nicht so, mein Herr, sondern deine Knechte sind gekommen, um Nahrung zu kaufen." 11. „Wir sind alle Söhne eines Mannes: wir sind in Frieden gekommen, und deine Diener planen nichts Böses." 12. Er antwortete ihnen: „Es ist anders: ihr seid gekommen, um die unbefestigten Teile dieses Landes zu erkunden." 13. Sie aber sagten: „Wir, deine Knechte, sind zwölf Brüder, Söhne eines Mannes im Lande Kanaan: der Jüngste ist bei unserem Vater, der andere ist nicht mehr." 14. „Dies ist," sprach er, „was ich gesagt habe: Ihr seid Kundschafter." 15. „Nun werde ich euch auf die Probe stellen: beim Leben des Pharao, ihr werdet nicht von hier fortgehen, bis euer jüngster Bruder kommt." 16. „Sendet einen von euch, und er soll ihn bringen: ihr aber sollt in Banden gehalten werden, bis erwiesen ist, was ihr gesagt habt, ob es wahr oder falsch sei: sonst, beim Leben des Pharao, seid ihr Kundschafter." 17. So übergab er sie für drei Tage dem Gewahrsam. 18. Und am dritten Tage ließ er sie aus dem Kerker führen und sprach: „Tut, was ich gesagt habe, und ihr werdet leben: denn ich fürchte Gott." 19. „Wenn ihr friedfertig seid, so werde einer eurer Brüder im Kerker gebunden: ihr aber geht und tragt das Getreide, das ihr gekauft habt, in eure Häuser, 20. und bringt euren jüngsten Bruder zu mir, damit ich eure Worte bestätigen kann, und ihr nicht sterbet." Sie taten, wie er gesagt hatte, 21. und sie sprachen zueinander: „Mit Recht erleiden wir dies, weil wir uns an unserem Bruder versündigt haben, als wir die Angst seiner Seele sahen, da er uns anflehte, und wir nicht hörten: darum ist diese Trübsal über uns gekommen." 22. Und einer von ihnen, Ruben, sagte: „Habe ich euch nicht gesagt: Versündigt euch nicht an dem Knaben, und ihr habt nicht auf mich gehört? Siehe, sein Blut wird gefordert." 23. Sie wußten aber nicht, daß Josef sie verstand, weil er durch einen Dolmetscher zu ihnen sprach. 24. Und er wandte sich ein wenig ab und weinte: und als er zurückkam, sprach er zu ihnen. 25. Und er nahm Simeon und band ihn in ihrer Gegenwart und befahl seinen Dienern, ihre Säcke mit Getreide zu füllen und das Geld eines jeden in seinen Sack zurückzulegen und ihnen auch Wegzehrung für die Reise zu geben: und sie taten so. 26. Und sie luden das Getreide auf ihre Esel und zogen davon. 27. Und einer von ihnen öffnete seinen Sack, um seinem Tier in der Herberge Futter zu geben, und sah das Geld in der Öffnung des Sackes, 28. und sagte zu seinen Brüdern: „Mein Geld ist zurückgegeben worden; siehe, es ist im Sack." Und sie waren bestürzt und beunruhigt und sprachen zueinander: „Was hat uns Gott da angetan?" 29. Und sie kamen zu ihrem Vater Jakob in das Land Kanaan und erzählten ihm alles, was ihnen widerfahren war, und sprachen: 30. „Der Herr des Landes hat hart zu uns gesprochen und hat uns für Kundschafter des Landes gehalten." 31. „Wir antworteten ihm: Wir sind friedfertig und schmieden keine Ränke." 32. „Wir sind zwölf Brüder, von einem Vater geboren: einer ist nicht mehr, der Jüngste ist bei unserem Vater im Lande Kanaan." 33. „Und er sagte zu uns: So werde ich prüfen, ob ihr friedfertig seid: laßt einen eurer Brüder bei mir, und nehmt die Nahrung, die für eure Häuser nötig ist, und zieht fort, 34. und bringt euren jüngsten Bruder zu mir, damit ich erkenne, daß ihr nicht Kundschafter seid: und ihr könnt denjenigen empfangen, der in Banden gehalten wird: und darnach sollt ihr die Erlaubnis haben, zu kaufen, was ihr wollt." 35. Als sie dies gesagt hatten, und als sie das Getreide ausschütteten, fand jeder sein in die Öffnung seines Sackes gebundenes Geld: und alle erschraken, 36. und ihr Vater Jakob sprach: „Ihr habt mich kinderlos gemacht: Josef ist nicht mehr, Simeon wird in Banden gehalten, und Benjamin werdet ihr mir nehmen: all diese Übel sind auf mich gefallen." 37. Ruben antwortete ihm: „Töte meine beiden Söhne, wenn ich ihn dir nicht zurückbringe; liefere ihn in meine Hand, und ich will ihn dir wiedergeben." 38. Er aber sagte: „Mein Sohn wird nicht mit euch hinabziehen: sein Bruder ist tot, und er allein ist übriggeblieben: sollte ihm in dem Lande, in das ihr zieht, ein Unglück widerfahren, so würdet ihr meine grauen Haare mit Kummer ins Grab bringen."
Vers 1: Nahrung
Im Hebräischen heißt es sceber, das heißt „das, was gebrochen werden soll", also Getreide oder Brot, das gebrochen und verteilt wird. Daher wird Josef, der das Getreide verkauft und verteilt, hier überall im Hebräischen masbir genannt, das heißt „der Brechende" oder „der Zerteilende", also der, welcher das zu Brechende austeilt und verteilt, nämlich die Lebensmittel oder das Getreide; daher rührt jene Redewendung Christi und des Paulus: „Das Brot, das wir brechen," wie ich zu 1 Korinther 10,16 gesagt habe; denn Brot brechen ist bei den Hebräern dasselbe wie Brot teilen und verteilen.
Vers 1: Warum seid ihr nachlässig?
Im Hebräischen: „Warum seht ihr einander an?" Das heißt, warum zögert ihr müßig und säumt? Denn die Trägen und Faulen pflegen einander anzuschauen und jeder wartet darauf, daß der andere Hand an das Werk lege und die Sache erledige. „Die Trägheit des Gemütes entspringt nämlich aus einem unvollkommenen Willen; sobald du das Gute zu wollen beginnst, wird Eifer und Schwung vorhanden sein." Nach Ablauf der sieben Jahre der Fruchtbarkeit war schon das zweite Jahr der Hungersnot im Gange, wie aus Kapitel 45, Vers 6 hervorgeht.
Warum Josef 23 Jahre lang unerkannt blieb
Man mag fragen, aus welchem Grund Josef so lange, nämlich 23 Jahre, in Ägypten unerkannt blieb (denn so viele Jahre verstrichen von seinem 16. bis zu seinem 39. Lebensjahr, das er nun erreicht hatte), so daß er während dieser ganzen Zeit niemals irgendeine Nachricht von sich an seinen Vater sandte, der seinetwegen so sehr trauerte, besonders in den letzten neun Jahren, in denen er Herrscher in Ägypten war?
Der hl. Thomas und Pererius antworten, daß Gott nicht gewollt habe, daß dies Jakob vor der von ihm festgesetzten Zeit und Gelegenheit mitgeteilt werde, nämlich vor dieser Hungersnot, durch welche die Brüder gezwungen wurden, zu Josef nach Ägypten zu kommen. Daß dies aber Gottes Wille war, erkannte Josef sowohl aus seinem Traum, worüber Kapitel 37, Vers 7, als auch aus dem Verlauf der Ereignisse, als auch aus Gottes Eingebung und Offenbarung, wie Josef selbst in Kapitel 45, Vers 8 andeutet.
Du wirst sagen: Warum wollte Gott, daß dies so geschehe und verborgen bleibe? Ich antworte erstens: weil Gott wollte, daß Jakob gleichsam dieses Fegefeuer der Trauer gegeben werde, obschon er gerecht war, wegen gewisser leichter Sünden, zum einen anderer, zum anderen, weil er Josef zu sehr und zum Neid der Brüder geliebt hatte. Denn Gott pflegt die übermäßigen Neigungen der Heiligen gegenüber irgendeiner Sache oder Person durch Widrigkeiten zu mäßigen, wie der Wein durch Zugabe von Wasser gemildert wird, ja sogar zurückzuschneiden und abzutöten. So der hl. Augustinus, Predigt 82 Über die Zeiten.
Zweitens wollte Gott das Leben und den Zustand Josefs vor Jakob verbergen, um sowohl dessen als auch Josefs Tugend, Hingabe, Geduld und Liebe zu Gott zu prüfen, wie er den Gehorsam und die Tugend Isaaks und Abrahams geprüft hatte, als er Abraham befahl, seinen Isaak zu opfern, Genesis 22,2.
Drittens, weil, wenn Jakob gewußt hätte, daß sein Sohn Josef gefangen worden war, er ihn um jeden Preis losgekauft hätte, und so Josef niemals zum Fürstentum in Ägypten erhoben worden wäre, wodurch Gott dennoch beschlossen hatte, seine Erniedrigung zu belohnen, Weisheit 10,13. So Theodoret.
Viertens wollte Gott dies, damit er auf diese Weise den Traum erfülle, den er Josef gesandt hatte, Genesis 37,7, nämlich daß die Brüder, von der Hungersnot bedrängt, gezwungen würden, zu Josef zu kommen und ihn anzubeten.
Fünftens wollte Gott dies, damit Jakob bei dieser Gelegenheit mit seiner ganzen Familie nach Ägypten hinabziehe und dort vermehrt werde, und damit ihm in Ägypten die großen und wunderbaren Dinge widerfahren, die Gott in Kapitel 15, Vers 13 seinem Großvater Abraham verheißen hatte und die das Buch Exodus berichtet.
Vers 6: Sie warfen sich nieder
Siehe, hier erfüllen die Brüder unwissend den Traum Josefs und werden gezwungen, ihn anzubeten. So Prokopius.
Vers 9: Und er erinnerte sich der Träume
Da er seine Träume in dieser Anbetung seiner selbst erfüllt sah, nicht aus Rache, sondern um sie und ihre Wahrheit zu bestätigen, indem er die Brüder, die ihn so schlecht behandelt hatten, zu seinen Bittflehenden machte; aus diesem Grund redet er härter mit ihnen, damit sie selbst ihre Gottlosigkeit und die Wahrheit der Träume Josefs erkennen; er sagt also:
Vers 9: Ihr seid Kundschafter
Du wirst sagen: Josef lügt hier; denn er wußte, daß seine Brüder keine Kundschafter waren. Rupert antwortet erstens: „Kundschafter", das heißt Diebe, „seid ihr", weil ihr mich meinem Vater gestohlen und verkauft habt. Aber ein Kundschafter ist eines und ein Dieb ein anderes: denn Josef versteht unter einem Kundschafter denjenigen, der die weniger befestigten Orte in einer Provinz ausforscht, um sie dem Feind zu verraten.
Zweitens antwortet Pererius, Josef lüge hier nicht, sondern scherze und spreche im Scherz und Vorwand.
Drittens und am besten antwortet der hl. Thomas, daß Josef nicht behauptend, sondern versuchend und prüfend spricht, wie Richter ein Verbrechen behaupten, während sie den Angeklagten prüfend befragen, um die Wahrheit herauszulocken. In gleicher Weise prüft Josef hier seine Brüder, damit er sie zwinge, ihm die Wahrheit zu sagen, da er sich anschickte, nach seinem Vater und seinem Bruder Benjamin zu fragen.
Überdies fügte Josef seinen Brüdern kein Unrecht zu, indem er sie mit dieser Anschuldigung belastete und ihnen Furcht einjagte, weil sie weit Schlimmeres verdient hatten, und Josef hätte sie als Herrscher Ägyptens für den versuchten Mord und die an ihm begangene Entführung mit dem Tode bestrafen können. Obwohl Ruben an dem Verkauf Josefs unschuldig war, so wird er doch, weil er mit den schuldigen Brüdern vermengt war, mit ihnen heimgesucht. Denn hätte Josef ihn hervorgehoben, so wäre er von den Brüdern erkannt worden. So Abulensis. So verwickelt und straft Gott, ja auch ein Fürst, die Unschuldigen mit den Schuldigen im gemeinsamen Unglück des Krieges.
Die Prälaten mögen hier beachten, welche Mäßigung sie in der Zurechtweisung zu wahren haben, und sie mögen es von Josef lernen. Fromm und weise sagt der hl. Gregor, Homilie 21 über Ezechiel: „Die Frömmigkeit überwand sein [Josefs] Gemüt, als der Bruder unschuldig erschien, aber die Strenge wurde im äußeren Auftreten bewahrt, damit die schuldigen Brüder gereinigt würden. Ein Becher wird im Sack des Jüngsten verborgen, eine Anklage des Diebstahls wird gegen sie erhoben: er wird im Sack des Jüngsten gefunden; Benjamin wird zurückgebracht; alle betrübten Brüder folgen. O Qualen der Barmherzigkeit! Er quält, und er liebt. So hat der heilige Mann das Verbrechen seiner Brüder sowohl vergeben als auch bestraft: so hat er Milde in der Strenge bewahrt, so daß er gegenüber seinen sündigenden Brüdern weder ohne Strafe barmherzig noch ohne Zärtlichkeit streng war. Siehe, dies ist die Meisterschaft der Zucht: die Fehler besonnen zu schonen zu wissen und sie mit Hingabe abzuschneiden." So weit der hl. Gregor.
Vers 14: Dies ist, was ich gesagt habe
Als wollte er sagen: Ihr gebt vor, zwölf Brüder zu sein und einen anderen Bruder zu Hause zu haben: daraus schließe ich, daß ihr auch alles übrige erfindet und daß ihr Kundschafter seid; um daher das Gegenteil zu zeigen, bringt euren jüngsten Bruder zu mir, damit ich ihn sehe und daraus erkenne, daß ihr die Wahrheit gesagt habt.
Wiederum sagt Josef dies nicht behauptend, sondern versuchend; und zwar um herauszufinden, was mit Benjamin geschehen war: denn er fürchtete, die Brüder hätten Benjamin (als seinem leiblichen Bruder und Sohn der Rahel, die Jakob mehr als Lea geliebt hatte) etwas Ähnliches angetan, wie sie es ihm angetan hatten. So der hl. Chrysostomus.
Vers 16: Beim Leben des Pharao
Du wirst zunächst fragen, ob der Ausdruck „beim Leben des Pharao" ein Eid ist und ob er erlaubt ist. Calvin bestreitet, daß es ein Eid sei, und fügt hinzu, dies sei lediglich eine heidnische Redewendung, die nach ägyptischer Götzenverehrung schmecke. Denn so schworen die Römer beim Genius des Cäsar, um dadurch dem Cäsar zu schmeicheln und ihn gleichsam den Göttern gleichzustellen. Zweitens antwortet Hamer, dies sei kein Eid, weil er nicht ausdrücklich unter Anrufung Gottes als Zeugen geleistet werde.
Ich sage erstens: „Beim Leben des Pharao" ist ein Eid. Dies ist klar, weil es im Hebräischen „Der Pharao lebt" heißt, was bei den Hebräern eine Schwurformel ist, ebenso wie wenn sie sagen „Der Herr lebt". Auch unser Übersetzer deutet dies an, wenn er es mit „beim Leben des Pharao" wiedergibt; denn in ähnlicher Weise schwören wir „bei meiner Seele".
Ich sage zweitens: Dieser Eid ist erlaubt. Der Grund ist, daß derjenige, der bei Geschöpfen schwört, nach allgemeinem Gebrauch der Völker und nach der stillschweigenden Absicht des Schwörenden als bei ihrem Schöpfer schwörend gilt, wie Christus in Matthäus 23,21 erklärt. Josef schwört also nicht zum Scherz, wie Hamer es will, sondern ernstlich beim Leben des Pharao, seines wohltätigen Königs, der Verehrung und Gegenliebe würdig; und gleichsam im Pharao Gott verehrend und zugleich die königliche Gewalt, die ihm von Gott verliehen wurde. Daher ist „beim Leben des Pharao" dasselbe, als wenn er sagen würde: Bei Gott, welcher der Urheber und Bewahrer des Lebens und Wohlergehens des Pharao ist. So der hl. Thomas und andere.
Du wirst einwenden: Josef scheint hier einen Meineid zu leisten; denn auch wenn die Brüder Benjamin nicht gebracht hätten, wären sie deshalb doch keine Kundschafter gewesen.
Ich antworte: Josef schwört nicht, daß seine Brüder Kundschafter seien, sondern er sagt: „Sonst seid ihr Kundschafter", das heißt, ihr werdet von mir so betrachtet, ihr werdet als Kundschafter angesehen werden, gleich als ob er sagen würde: Wenn ihr Benjamin nicht bringt und dadurch eure Worte als wahr erweist, werde ich euch als Kundschafter betrachten, behandeln und bestrafen. So der hl. Augustinus.
Du wirst zweitens fragen, welche Art von Eid dies ist: „Beim Leben" oder Wohl des Pharao? Ich antworte erstens: Er kann behauptend sein, wenn du ihn so verstehst: „Beim Leben des Pharao", das heißt, ich schwöre bei Gott, welcher der Urheber und Hüter des Lebens und Wohlergehens des Pharao, meines geliebtesten Königs, ist.
Denn so bedeutet, wenn die Hebräer sagen „Der Herr lebt": Ich rufe den lebendigen Gott zum Zeugen an: was ich sage, ist so wahr, wie es wahr ist, daß Gott lebt, den ich als Zeugen anrufe und bei dem ich schwöre.
Zweitens, und wahrscheinlicher, bedeutet diese Redewendung im allgemeinen Sprachgebrauch eine Verwünschung, durch die jemand sich selbst oder die Seinen der Strafe weiht; daher scheint dieser Eid eher eine Verwünschung zu sein, so daß der Sinn ist: „Beim Leben des Pharao", das heißt, ich schwöre, ich rufe zum Zeugen an und bitte Gott, dem Pharao, meinem teuersten König, Wohl und Leben zu nehmen, wenn ich euch nicht als Kundschafter behandle und bestrafe, falls ihr Benjamin nicht zu mir bringt. Denn in ähnlicher Weise und Bedeutung schwören wir „bei meiner Seele". So der hl. Thomas, Summa Theologiae II-II, Frage 80, Artikel 6. Denn wie wir unsere eigene Person verpfänden können, so können wir auch eine andere uns verbundene Person Gott verpflichten, damit er uns in jener Person bestrafe, wenn wir täuschen, indem wir sagen und schwören: „Beim Leben meines Vaters; beim Leben meiner Frau."
Du wirst einwenden: Dies heißt, seinem Vater, seiner Frau und seinem König Böses zu wünschen: dies aber ist gegen die Liebe. Ich antworte: Es ist gegen die Liebe, wenn wir Falsches schwören; aber wenn das, was wir sagen, wahr ist, ist es nicht gegen, sondern vielmehr gemäß der Liebe: denn wir zeigen, wie hoch wir unseren König oder Vater schätzen, und wir ehren ihn so, und wir wünschen nicht nur Böses, wenn wir täuschen, sondern auch Gutes, wenn wir nicht täuschen. Und so ist „beim Leben des Pharao" dasselbe, als wenn du sagst: So möge Gott den Pharao erretten oder nicht erretten. Er möge ihn erretten, wenn ich die Wahrheit spreche, oder wenn ich ausführe, was ich sage; er möge ihn nicht erretten, wenn ich täusche: denn beides ist einbegriffen, wie unser Lessius scharfsinnig und gelehrt bemerkt, Traktat Über die Eide, Zweifel 2.
Vers 17: Drei Tage Gewahrsam
Damit sie so für ihr dreifaches Verbrechen büßen möchten: erstens den Tod, mit dem sie gedroht hatten; zweitens das Werfen in die Zisterne; drittens den Verkauf Josefs; und damit, gleichwie er selbst drei Jahre im Kerker gewesen war, sie es drei Tage seien, sagt Delrio, und andere.
Vers 18: Denn ich fürchte Gott
Als wollte er sagen: Fürchtet euch nicht, denn ich werde nichts Ungerechtes, nichts Treuloses, nichts Unmenschliches an euch tun, sondern treu werde ich vollbringen, was ich gesagt habe: denn obwohl ich Herrscher bin, fürchte und verehre ich doch Gott, den Herrscher der Herrscher, da ich weiß, daß ich von ihm gerichtet werde und ihm über alle meine Taten Rechenschaft ablegen muß.
Vers 21: Wir haben es verdient, dies zu erleiden
Aus dem Hebräischen kannst du übersetzen: wahrhaftig, wir sind verlassen, das heißt allein und aller Hilfe beraubt, wegen unseres Bruders, den wir einsam gemacht und allein an Fremde verkauft haben. Beachte hier mit dem hl. Chrysostomus, wie groß die Kraft des Gewissens ist, vor dessen Blicken alle Sünden sich sogleich einstellen und zusammenströmen, wenn wir die strafende Hand Gottes sehen und fühlen: denn es wurde hier keines Josefs Erwähnung getan, und doch stellt sich sein Andenken und das ihm vor dreiundzwanzig Jahren zugefügte Unrecht sogleich dem Sinn aller Brüder dar, als sie spüren, daß sie dafür bestraft werden.
„Wie ein Trunkener," sagt er, „wenn er viel Wein hinunterschlingt, keinen Schaden vom Wein spürt, später aber fühlt, wie groß der Schaden ist: so verfinstert die Sünde, solange sie begangen wird, den Geist und verdirbt den Geist wie eine dichte Wolke; dann erhebt sich das Gewissen und nagt am Geist schärfer als jeder Ankläger und zeigt die Absurdität der Tat." Nämlich, „die Augen, welche die Schuld schließt, öffnet die Strafe," sagt der hl. Gregor; nämlich, „das Gewissen sind tausend Zeugen"; und wie der hl. Gregor von Nazianz in seiner Rede auf den Hagelschlag sagt: „Das Gewissen ist ein häusliches und wahres Gericht." Denn wie Weisheit 17,10 sagt: „Ein beunruhigtes Gewissen vermutet stets Hartes." Im Gegenteil Sirach 13,10: „Gut ist das Vermögen," sagt er, „in welchem keine Sünde auf dem Gewissen lastet"; und Kapitel 30, Vers 17: „Es gibt keine Freude über die Freude des Herzens"; und der Apostel, 2 Korinther 1,12: „Dies ist unser Ruhm, das Zeugnis unseres Gewissens, daß wir in Einfalt des Herzens und in der Lauterkeit Gottes in dieser Welt gewandelt sind"; und der hl. Hieronymus: „Ein gutes Gewissen flieht niemandes Augen," unerschrocken.
Wiederum kommen diese Brüder in ihrer Trübsal zur Besinnung und erkennen ihr Verbrechen. So erkannte Manasse, der gottloseste König, seine Schuld im Kerker, 2 Chronik 33. So erkannte Nebukadnezar, der hoffärtigste, nachdem er in ein Tier verwandelt worden war, seine eigene Schwäche und die Macht Gottes, „der die, welche in Hoffart wandeln, erniedrigen kann," Daniel Kapitel 4. So sprach Antiochus, der schändlichste König, als er von tödlicher Krankheit geschlagen war: „Jetzt," sagt er, „erinnere ich mich an das Übel, das ich in Jerusalem verübt habe. Ich weiß, daß mich deswegen diese Übel gefunden haben, und siehe, ich komme um mit großer Trauer in fremdem Lande," 1 Makkabäer 6,13. So lehrte die Hungersnot den verlorenen Sohn zu sagen: „Vater, ich habe gegen den Himmel und vor dir gesündigt." Daher spricht der Psalmist mit Recht Verwünschungen gegen die Gottlosen aus und sagt in Psalm 82: „Fülle ihr Angesicht mit Schmach, und sie werden deinen Namen suchen, o Herr."
Drittens beachte hier die wunderbare und gerechte Vorsehung und Vergeltung Gottes, durch die er die Brüder Josefs, die an der Anschuldigung unschuldig waren, mit derselben Strafe, nämlich Kerker und Gefangenschaft, bestraft, mit der sie zuvor den unschuldigen Josef gepeinigt hatten. Denn es ist gerecht, sagt Rhadamanthus, daß jeder, was er ungerecht getan hat, dasselbe gerecht erleide.
Ein ähnliches denkwürdiges Beispiel, ja viele höchst berühmte Beispiele berichtet der hl. Ephräm, die einem gewissen ausschweifenden und zuchtlosen jungen Mann widerfuhren, durch die er zu einem besseren Leben, ja zum Mönchsleben bekehrt wurde. Höre ihn teils in seinem Bekenntnis, teils in der Erzählung seiner Bekehrung. Ich, so sagt er, pflegte an Gottes Vorsehung zu zweifeln und daran, ob nicht vielmehr alles durch Zufall und Fügung geschehe. Diesen Zweifel nahm Gott mir nicht durch Worte, sondern durch Taten. Denn eines Tages, als ich von meinen Eltern in die Vorstadt geschickt wurde, verfolgte und scheuchte ich eine trächtige Kuh mit Steinen und war schuld daran, daß sie von einem wilden Tier zerrissen wurde; als ich dann dem armen Mann, dessen Kuh es war und der mich nach ihr fragte, begegnete, überhäufte ich ihn sogar mit Schmähungen. Einen Monat später, wiederum in die Vorstädte von Mesopotamien gesandt, kehrte ich nachts bei einigen Hirten ein, und in jener Nacht stürmten wilde Tiere in den Pferch und zerstreuten die Herde. Daraufhin wurde ich von den Besitzern der Herde ergriffen, als hätte ich die Raubtiere hereingelassen, und dem Richter und dem Kerker übergeben; wo ich, nachdem ich vierzig Tage dort gewesen war, ein junger Mann von schrecklichem Aussehen mir im Schlaf erschien und sagte: „Was machst du in diesem Kerker?" Als ich ihm meine Mißgeschicke als Unschuldiger erzählt hatte, sagte er: „Das weiß ich, daß du an dieser Anklage unschuldig bist; aber denke an die Vergangenheit zurück, denn du weißt, daß du durch das Treiben des Tieres des armen Mannes dessen Tod verursacht hast. Damit du also die Vorsehung und Gerechtigkeit Gottes lernst, befrage jene beiden Männer, von denen der eine fälschlich des Mordes, der andere des Ehebruchs beschuldigt wird und die in eben diesen Kerker geworfen worden sind, und du wirst verstehen, daß sie nicht ohne Grund in Fesseln sind; aber auch die wirklichen Urheber jener Verbrechen werden nicht ungestraft davonkommen." Als er dies gesagt hatte, verschwand er. Und am Morgen wandte ich mich an jene Männer und sagte: „Warum seid ihr hier?" Und einer von ihnen sagte: „Von dem Verbrechen, dessen ich beschuldigt werde, bin ich unschuldig; aber kürzlich, als ein gewisser Mann im Streit von seinem Feind von einer Brücke in die Wellen und in den Tod gestürzt wurde, habe ich ihn nicht gerettet, obwohl ich es hätte tun können." Der andere sagte: „Ich bin an der Anklage unschuldig; aber kürzlich nahm ich von zwei Soldaten fünfzig Münzen, damit ich schwöre, daß ihre Schwester Ehebruch begangen habe, und dadurch das Erbe des Mädchens auf die Brüder übertrüge. Und so habe ich einen Meineid geleistet und das arme Mädchen mit einer erdichteten Ehebruchsanklage aller ihrer Güter beraubt. Nun erzähle du deinerseits uns von dir, junger Mann." Ich kam der Bitte nach und erklärte den Tod der Kuh und den Grund meiner Gefangenschaft. Dann begann ich, Reue zu empfinden und zur Besinnung zu kommen, und ich verstand, daß wir mit Recht die Strafe erlitten, wenn auch wir alle drei des Verbrechens, weswegen wir ergriffen worden waren, unwissend und unschuldig waren. Am nächsten Tag werden wir vor den Richter geschleppt. Sie werden gefoltert, und als sie unschuldig befunden wurden, werden sie freigelassen. Ich werde wieder in den Kerker zurückgestoßen: wo ich, nachdem ich weitere vierzig Tage allein verbracht hatte, drei andere Männer in Fesseln hereingebracht wurden, mit denen ich weitere dreißig Tage verbrachte. Dann stand mir derselbe, der zuvor erschienen war, im Schlaf bei und sagte: „Was ist, Ephräm? Siehst du das gerechte Gericht Gottes? Und damit du wisseest, wer jene drei sind, die dir heute zugesellt worden sind, wisse, daß zwei von ihnen ihre Schwester fälschlich der Unzucht beschuldigt und sie des Erbes beraubt haben; der andere aber ist jener, der einen Mann in den Fluß gestürzt hat," und als er dies gesagt hatte, ging er fort. Dann bat ich sie am Morgen, mir den Grund zu nennen, weswegen sie in den Kerker geworfen worden waren: und die Brüder gestanden allerdings, daß ihre Schwester von ihnen auf schändliche Weise umgarnt worden sei, während der andere zugab, daß ein Mann ins Wasser gestoßen worden sei. Als ich dies hörte, erzählte ich meinerseits, was mir widerfahren war, und legte die Fälle der beiden Männer dar, von denen der eine einen Meineid geleistet hatte, der andere einem Sterbenden die Hand verweigert hatte (denn diese Männer hatten in eben jene Verbrechen, die von jenen Urhebern begangen worden waren, eingewilligt oder zusammengewirkt). Dann preßte die Furcht vor dem göttlichen Gericht uns allen reichliche Tränen aus. Am nächsten Tag werden wir vor Gericht gebracht, und die beiden Brüder bekannten sich, neben den bereits erwähnten Verbrechen, auch als Urheber des Ehebruchs und des Mordes (die fälschlich den beiden zuvor erwähnten Männern angelastet worden waren), und wurden mit dem Tode bestraft: und bald wurde auch der andere derselben Strafe für die beiden Morde, die er begangen hatte, unterworfen. Dann befahl der Richter, auch mich vorzuführen, als ich bitterlich weinte und Gott mit diesen Worten anrief: „Errette mich, Herr, aus dieser Not, damit ich würdig Mönch werden und dir dienen kann." Aber der Magistrat befahl den Folterknechten, mich, ausgespannt, mit Ochsensehnen zu schlagen. Aber der Beisitzer des Magistrats sagte: „Dieser werde für eine andere Verhandlung aufgespart, denn jetzt ist Zeit für das Mittagsmahl." Und so werde ich in Eisen gefesselt in den Kerker zurückgeführt, wo ich allein weitere 25 Tage verbrachte. Dann erschien der junge Mann zum dritten Mal und sagte: „Bist du nun gewiß, daß Gott die Welt mit gerechtem Gericht regiert?" „Ja, Herr," sagte ich; „aber ich bitte und flehe dich an, führe mich aus diesem Kerker, damit ich würdig werde, Mönch zu werden und dem Herrn Christus zu dienen." Und er sagte lächelnd: „Noch einmal wirst du der Prüfung unterworfen werden, und dann endlich wirst du von einem anderen Richter befreit werden; aber wisse, daß es ein Auge gibt, das alle Dinge überblickt." Danach verbrachte ich acht Tage in Angst, bis ein neuer Richter, der mich zum Verhör hatte bringen lassen, mich erkannte und als fälschlich beschuldigt entließ. Und ich stieg ohne Verzug auf den Berg und warf mich einem ehrwürdigen Greis zu Füßen.
Vers 22: Sein Blut wird gefordert
Denn die Brüder glaubten, daß Josef in so harter Knechtschaft längst aus Leid und Trauer gestorben sei; denn in dreiundzwanzig Jahren hatten sie nichts von ihm gehört. „Blut" wird daher hier metonymisch für das Vergießen von Blut gebraucht, das heißt für Tötung und Tod: denn jedes Töten und jeder gewaltsame Tod, auch wenn er durch Erstickung, Ertrinken, Zermalmen oder eine andere Weise geschieht, wird bei den Hebräern durch Synekdoche und Katachrese „Vergießen von Blut" genannt, weil der gewaltsame Tod am häufigsten durch das Vergießen von Blut zugefügt wird.
Vers 25: Simeon
Josef band Simeon allein vor allen anderen, weil die Schuld am Verkauf Josefs hauptsächlich bei Simeon lag, wie Philo, Theodoret und Gennadius sagen. Denn wenn Simeon, der Zweitgeborene, sich mit Ruben, dem Erstgeborenen, und mit Juda, der unter den Brüdern an Gnade und Würde hervorragte, verbunden hätte, so hätten diese drei mit ihrer Autorität leicht die übrigen Brüder zurückgehalten und Josef befreit; vielleicht war auch Simeon unter den Brüdern der ungestümere und ungerechtere gegen Josef: denn sein kühner und ungestümer Charakter offenbarte sich deutlich genug in der Niedermetzelung der Sichemiter, Genesis 34,25.
Wegzehrung für die Reise
„Wegzehrung für die Reise gegeben" — indem er außer dem Getreide Wegzehrung gab, nämlich Brot und andere Speisen für die Menschen wie auch für die Esel, damit sie das Getreide unversehrt und unberührt zu ihrem Vater in Kanaan heimtragen könnten.
Vers 29: Sie erzählten ihm alles
Willig und aus eigenem Antrieb, damit ihr Vater nicht im Ungewissen bleibe, wo Simeon geblieben sei; denn, wie Philo weise sagt, ist in unerwarteten Unglücksfällen Wissen leichter zu ertragen als Zweifel: denn wenn die Sache bekannt ist, kann ein Weg zur Rettung gefunden werden; Zögern bewirkt nichts. Wahr ist das Wort des Dichters: „Schlimmer als der Krieg ist die Furcht vor dem Krieg selbst."
Schöne moralische Betrachtungen über den Nutzen der Trübsal und wie sie uns lehrt zu erkennen erstens Gott; zweitens uns selbst und unsere Gebrechlichkeit; drittens die Eitelkeit der Welt und all ihrer Werke und Güter: hat Pererius hier bei Nummer 22 und folgenden.
Vers 35: Und alle erschraken
Die Söhne hatten die Säcke unterwegs geöffnet und wußten, daß Geld darin war; der Vater aber wußte es nicht, und die Söhne täuschten vor ihrem Vater vor, daß auch sie es nicht wüßten, damit sie nicht von ihrem Vater gescholten würden. Die Söhne waren hier also von einer schon zuvor gefaßten oder zumindest vorgetäuschten und erdichteten Furcht erschreckt: Jakob aber wurde von einer neuen und echten Furcht getroffen, da er fürchtete, daß Simeon wegen dieses Geldes ein Unheil zugefügt werde, wenn sie nicht zurückkehren; oder falls sie zurückkehren, ihnen selbst von Josef.
Vers 36: Ihr habt mich kinderlos gemacht
Dies ist die Stimme eines Trauernden, sagt Abulensis, weil die Trauernden über geringfügige Dinge allgemeine Aussagen machen, so daß sie, wenn sie wenige Übel haben, sagen, sie hätten alle Übel; und wenn ihnen wenige Güter fehlen, sagen sie, daß ihnen alles fehle: so sagt Jakob, der spürt, daß nur drei Söhne fehlen würden, aus der Heftigkeit des Schmerzes, daß ihm alle fehlen würden, obwohl ihm doch noch neun andere übrig blieben. Dieser Schmerz entsprang aus der ungeheuren Liebe, mit der er über alle den verlorenen Josef und den wegzuführenden Benjamin liebte.
Vers 37: Töte meine beiden Söhne
Dieses Angebot Rubens ist unvernünftig, verwirrt und voller Leidenschaft: denn es ist einem Großvater nicht erlaubt, seine Enkel zu töten, und selbst wenn es erlaubt wäre, hätte dies seinen Schmerz nicht gemindert, sondern ihn vielmehr vermehrt. Aber Ruben wollte durch diesen schlecht gefaßten und unvernünftigen Vorschlag anzeigen, daß er Benjamin ganz gewiß zurückbringen werde.
Vers 38: Meine grauen Haare mit Kummer ins Grab
Das heißt, ihr werdet bewirken, daß ich als alter Mann vor Trauer und Kummer sterbe; ja, ihr werdet meinem Alter den Tod beschleunigen. So Abulensis und Vatablus. Dies war das achte Kreuz Jakobs.